Introduction
Introduction Statistics Contact Development Disclaimer Help
# taz.de -- Maja Göpel zu Union-SPD-Sondierungen: „So wird es männlich, dom…
> Transformationsforscherin Maja Göpel vermisst im Sondierungspapier von
> Union und SPD die großen Linien – und ein Bekenntnis zu echter
> Veränderung.
Bild: Die Klimakrise zeigt sich in immer mehr Extremwetter wie hier beim Moselh…
taz: Frau Göpel, die Union will ja nun nach monatelanger Blockade [1][die
Schuldenbremse drastisch lockern und Verteidigung und Infrastruktur mit
Krediten finanzieren]. Ihr „Politikwechsel“ besteht darin, in der Regierung
plötzlich Habeck-Politik zu präferieren. Oder wie sehen Sie das?
Maja Göpel: Na ja, erst einmal braucht sie noch die Zustimmung der Grünen –
und genau dafür hätte sie die Grünen wenigstens vernünftig in die
Verhandlungen einbeziehen sollen. Denn in Kombination mit dem
Sondierungspapier ist fraglich, wie viel für neue Investitionen übrigbleibt
und ob die Art der Vergabe zu Kofinanzierung aus dem privaten Sektor führt,
wie es zum Beispiel [2][Robert Habecks Deutschlandsfonds mit der
Abschreibungslösung] wollte. Auch fehlt jegliche übergeordnete Zielsetzung,
auf die die unterschiedlichen Maßnahmen hinwirken. Klientelpolitische
Geschenke, die Stärkung von klimaschädlichen Subventionen oder Mütterrente
standen sicher nicht bei den Grünen und sind im normalen Haushalt nicht
finanzierbar, selbst wenn das Bürgergeld auf das verfassungsrechtliche
Minimum reduziert würde.
taz: Die [3][Grünen und Sozialökologen bemängeln das völlige Fehlen von
Klimapolitik].
Göpel: Ja, das ist sehr wichtig: Es gibt bisher keine klare
Berücksichtigung der Dekarbonisierung und das [4][Wort Biodiversität] kommt
nicht vor. Im Prinzip wirkt die Bereitschaft zur Verschuldung also erst
einmal wie die Lizenz zum Gelddrucken ohne klaren Zukunftsplan. Und das ist
nach der aggressiven Blockadepolitik eine fette Kröte. Ich würde daher
anstelle der Grünen anbieten, jetzt sofort ein [5][Sondervermögen
Verteidigung] einzurichten und dann mit dem neuen Bundestag eine
vernünftige Reform der Schuldenbremse aushandeln, die auch investive von
konsumtiven Ausgaben trennt und die Länder einbezieht. Dafür lassen sich
sicher auch Politiker:innen der Linken gewinnen, wenn Verteidigung eh
separat schon gelaufen ist.
taz: Wie [6][geht es grundsätzlich weiter mit Klima- und
Transformationspolitik, wenn Friedrich Merz regiert], der ja selbst in
seiner Partei keinen einfachen Stand hat. Muss bald der [7][Protest wieder
auf die Straße]? Oder die mythische Zivilgesellschaft ran, die das
Gut-böse-Spiel inszeniert „wir Bürger super, Regierung schlimm“?
Göpel: Mir scheint wichtig, dass alle Leute erst mal wahrnehmen, dass
[8][die CDU im Moment eine sehr gespaltene Partei] ist. Bis zur Wahl hat
man sich da ziemlich auf die Zunge gebissen, weil natürlich völlig klar
war, dass Streit innerhalb des Wahlkampfs dem eigenen Ergebnis schaden
würde. Es gibt sehr viele Personen, die nicht wie die Scharfmacher im
Wahlkampf drauf sind. Deren Vorschläge nicht den neoliberalen Ideen aus den
1990ern nahekommen, auch wenn das Label libertär neu klingt, also:
Steuererleichterungen für die bereits Vermögenden werden produktive
Investitionen freisetzen und zum Trickle-down führen, soziale Ausgaben
streichen wird die Leistung ankurbeln und die [9][Ökosystemdienstleistungen
können technisch ersetzt werden], dabei wächst die Wirtschaft auch besser.
Mit diesem Programm wird es wieder sehr männlich, dominant und weiß – und
die Frage fällt hinten runter, [10][warum in so einer Umgangsform und
Kultur dann Frauen und Migrant:innen mitmachen wollen sollen], die sich
ihre Lebensorte aussuchen können. Auch mit großen Geldhaufen lassen sich
nicht einfach Dinge in die Welt hexen, das müssen schon Menschen machen.
taz: „Konservative Revolution“ nannte einer der Scharfmacher, der
CSU-Politiker Alexander Dobrindt, das Ziel mal in einem hoffentlich
geschichtsignoranten Moment.
Göpel: Das Playbook ist immer ähnlich, in Extremform können wir das
[11][gerade in den USA mit der Mischung aus Project2025 und den rechten
Vordenkern der Tech-Oligarchen wie Curtis Yarvin erleben]. Die „Befreiung“
von „staatlicher Kontrolle“ ist dabei das Hauptmotiv – wovon natürlich d…
Privilegierten besonders profitieren, die dann mit „Unternehmertum“ viel
effizientere Lösungen in die Welt bringen. Dabei ist ja absurd, in den USA
mit einer feudal anmutenden Konzentration von Reichtum und Kontrolle noch
von „freien Märkten“ zu sprechen, in denen sich „die besten Angebote“
durchsetzen würden, wenn endlich dereguliert würde. Hier spricht der Wunsch
nach dem Recht der Stärkeren.
Trotzdem wird sich als Underdog aufgeführt, werden die etablierten
Institutionen für unterwandert erklärt – ob nun Medien oder Wissenschaft
oder die aktuelle Regierung – und dadurch so viel Misstrauen gesät, dass
stabile demokratische Mehrheiten verunmöglicht werden und durch die
Blockade dann ein Explodieren dieser Institutionen mit Befreiung konnotiert
wird – [12][siehe Doge]. Die Springer-Presse war hier die letzten Wochen
vor der Wahl ganz vorne dabei. Auf der Berliner Demo gegen den Rechtsruck
und für Miteinander habe ich deshalb gesagt: Liebe Bild, liebe Welt, wir
stehen hier alle unbezahlt und sehen genau, wie ihr plump versucht, diese
US-amerikanische Deepstate-Rhetorik in Deutschland zu inszenieren. Zwei
Tage später kam der Artikel von Stefan Aust …
taz: … dem langjährigen Welt-Herausgeber, früher St. Pauli-Nachrichten …
Göpel: … mit genau dem Spin, dass hier extrem linker und ideologisch grüner
Vorbau staatlich finanziert unterwegs sei. So ein sprachlicher und
inhaltlicher Populismus steht einer ernsthaft konservativen Partei
überhaupt nicht und das ist bei vielen CDU-Vertreter:innen inzwischen
deutlich spürbar, einige sagen es ja auch direkt. Wenn man sich überlegt,
was nach dem Ampel-Aus möglich gewesen wäre, ist dieses Gebaren auch von
Wähler:innen abgestraft worden: Da stand die Union bei 34,5 Prozent.
taz: Welchen Unterschied hätten die 6 Prozentpunkte gemacht?
Göpel: Darauf hätte sich entspannt eine souveräne Mitte-Politik und
Koalition aufbauen lassen. Stattdessen sind auch noch die meisten
Wähler:innen zu der rechtsradikalen Partei gewandert, von der man vorher
sagte, dass man sie klein machen will. Das hat auch jeder
Populismusforscher vorher gesagt: Kopiere den Stil, und das Original wird
gewinnen. Deshalb ist der Moment da, wo eine Korrektur der Umgangsformen
und Rhetorik überfällig ist.
taz: Merz selbst scheint sich aber schnell vom Kulturkämpfer zum
Politik-Pragmatiker gewandelt zu haben?
Göpel: Die Äußerungen von Herrn Merz gehen mal in die eine und mal in die
andere Richtung. Und deshalb wäre es jetzt sehr wichtig, dass aus den
konservativen Kreisen und aus der Wirtschaft die Stimmen kommen, die sagen:
Schluss mit dem Auskeilen und der Scharfmacherei. Wir brauchen ein klares
Zielbild, auf das staatliche Rahmenbedingungen hinwirken und für das die
privaten Akteur:innen die besten Lösungen anbieten. So wie es zum
Beispiel der [13][gerade veröffentlichte Appell der Stiftung
Klimawirtschaft für die Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit skizziert
hat].
taz: Eine These lautet: Wenn die Grünen nicht in der Regierung sind, läuft
es besser mit Klimapolitik, weil dann diese Verbotsideologen weg sind und
man kann endlich irgendwie pragmatische Politik machen.
Göpel: Ich halte das für inszenierten Quatsch.
taz: Inszenierten Quatsch?
Göpel: Ja, erst wird drei Jahre lang herbeigeredet, dass grüne Politik
immer ideologischer Verzicht-Verbot-Verlust ist, und die Anschlussfähigkeit
der Maßnahmen werden geschreddert, und jetzt müsste was ganz Ähnliches
„pragmatisch“ aufgezogen werden. Wir sehen ja bei der ersten Kehrtwende,
wie gut das verfängt. Dass die letzte schwarz-rote Koalition 2021 vom
Bundesverfassungsgericht den Auftrag bekommen hatte, das Klimaschutzgesetz
zu verschärfen, war ja ein Signal, dass man es vorher mit dem Pragmatismus
versemmelt hatte. Dann wurde klar, wie viel man ändern müsste, gerade im
Verkehrsministerium, wo nun wirklich kein Grüner mitgemischt hat. Auch im
Finanzministerium nicht. Auch im Bauministerium führte die SPD.
taz: Was wollen Sie sagen?
Göpel: Die großen Blockaden dafür, dass es nicht vernünftiger und einfacher
werden konnte, lagen häufig darin, dass diese Ministerien nicht bereit
waren, sich konsequent ressortübergreifend und wirkungsorientiert
auszurichten. So gesehen hat [14][Robert Habeck richtig viel geschafft,
gerade bei der Energiewende]; die Ausbauziele wurden übererfüllt, er hat
die Versorgungssicherheit unter Putins Krieg gewährleistet und die Preise
sind wieder auf dem Niveau wie vor seiner Amtsübernahme. Auch seine
Vorschläge für Investitionen oder Schulden im Wahlkampf waren immer mit
klarer Vorstellung der avisierten gesellschaftlichen Ziele und der
mittelfristigen Wirkung kombiniert. Damit sind wir wieder bei der
Ausgangsfrage nach den Schulden und dem Politikpaket.
taz: Was ist die entscheidende Frage?
Göpel: Wo sind da die großen Linien und wo ist das klare Bekenntnis zu den
strukturellen Neuordnungen, die wir brauchen? Daran lassen sich dann auch
einzelne Maßnahmen und ihre Wirkung erklären und Stück für Stück
nachjustieren – gerne im konstruktiven Austausch mit den wirtschaftlichen
und gesellschaftlichen Akteuren, die das umsetzen. Aber da bitte auf
diejenigen hören, die auch wirklich Veränderung wollen! Denn es mehren sich
ja inzwischen die Berichte zu Managementversagen, überbürokratisierten
Abläufen und Privilegiensicherung in großen Unternehmen. Es ist schon ein
Gemeinschaftswerk, nur die Politik beschuldigen ist zu einfach. Umgekehrt
braucht es dort aber auch ein Leistungsprinzip, das ich gerne mal mit
Carsten Linnemann besprechen würde: An die Macht zu kommen, weil zum
Schaden des Landes blockiert und gegen Minderheiten agitiert wurde, sollte
für keine Oppositionspartei mehr als Erfolg gelten.
taz: Frau Göpel, nochmal zur Ausgangsfrage: Die neue Bundesregierung wird
vermutlich aus Union und SPD gebildet. Was kann man aus zukunfts- und
klimapolitischer Hinsicht erwarten?
Göpel: Das kommt drauf an.
taz: Gute Antwort.
Göpel: Es ist die einzig wissenschaftlich fundierte Antwort. Es gibt jetzt
ja drei unterschiedliche und total wichtige Treiber. Das eine sind
völkerrechtliche Verträge, die stehen nicht einfach zur Wahl. Es gibt
zweitens eine Europäische Union, die versprochen hat, an einem Strang zu
ziehen. Gleichzeitig gibt es drittens einen unglaublichen Druck von außen,
diese Europäische Union zu spalten. Deshalb ist es wichtig, jetzt nicht
kurzfristig motiviert an der Moonshot-Vision hinter dem Green Deal
rumzudoktern und die jetzt erst effektiv werdende Politik zurückzudrehen,
bevor sie Wirkung zeigt. Das gilt besonders auch deshalb, weil die EU vom
Klimawandel mit am härtesten getroffen wird.
taz: Tatsächlich?
Göpel: Ja, das hat ja in Europa, glaube ich, noch kaum einer verstanden.
Das sieht gar nicht nett aus, ich war im Sounding Board des European
Climate Risk Assessment, der 2024 die Effekte des Nichthandelns
zusammengetragen hat. Man braucht nicht weiter von Versorgungssicherheit
und Wettbewerbsfähigkeit reden, wenn die Schienen und ganze Infrastrukturen
einfach wegrutschen und Nahrungsmittelproduktion bedroht ist. Umso mehr
sich also imperialistische Ideen der Weltmächte breitmachen, umso wichtiger
ist es doch, an den zwei zentralen Strategien, Dekarbonisierung und
Kreislaufwirtschaft, festzuhalten. Dazu gehört auch der Wiederaufbau des
Naturkapitals, der Biodiversität und Resilienz unserer Böden. Stattdessen
höre ich nun schon hinter den Kulissen „ach den ETS hält eh keiner
politisch durch. Wenn die Preise erst mal steigen, dann wird das eh wieder
kassiert.“
taz: ETS ist das EU-Emissionshandelssystem, das die Treibhausgasemissionen
innerhalb der Europäischen Union senken soll, indem eine Obergrenze
festegelegt wird, die dann nach und nach auf null sinken soll.
Göpel: Genau. Und gerade die Parteien, die Klimaschutz primär über den
Preis steuern wollen, brauchen dieses Instrument. Ich hoffe, dass die
Wirtschaft da klar sagt: Liebe Leute, ihr hört auf, das zu hintertreiben,
macht das jetzt mit der Bepreisung und dem Weg nach vorne, sonst gibt es
keine Klarheit, keine Zukunftsvision, und vor allem verlieren wir die
technologische Führerschaft an China und die USA. Es bleibt noch offen, ob
Trump wirklich auch die Technologieförderung zurückdreht, der Inflation
Reduction Act wirkt ja auch gerade in roten Bundesstaaten für Beschäftigung
und Wirtschaft. Und demokratische Bundesstaaten wie Kalifornien sind da
ganz anders aufgestellt und allein schon die siebtgrößte Volkswirtschaft.
Deshalb waren die Stimmen der Wirtschaft auch schon im Wahlkampf wichtig,
egal ob von Herrn Krebber von RWE zu den Behauptungen über Atomkraftrevival
oder die Wärmepumpenbranche, die Herrn Spahn davor warnte, das
Gebäudeenergiegesetz schlicht wieder zurückzudrehen. Ich kann mich nicht an
einen Wahlkampf erinnern, in der Wirtschaftsakteure der Union so oft in die
Parade gefahren sind.
taz: Bei der Wahl haben die unter 30-Jährigen zur Hälfte AfD und
Linkspartei gewählt, was heißt das?
Göpel: Es heißt, dass wir mit einer gewissen Ernsthaftigkeit fragen müssen,
warum uns die jungen Menschen in die Extreme rutschen und wie wir
interessante Allianzen finden mit den Älteren, die noch sehr stark bei der
SPD sind und auch noch bei der CDU. Ohne einen klaren Fahrplan für eine
nachhaltige Wirtschaft, ein Update des Rentensystems, der
Pflegeversicherung und mit Mietpreisen als große Sorge aller weniger gut
Verdienenden, kriegen wir das nicht hin. Wo ist das Bild eines künftigen
Wohlstandsmodells, in dem junge Menschen sich ernsthaft berücksichtigt
sehen?
taz: Sehen Sie AfD und Linkspartei zukunftspolitisch ähnlich desaströs?
Göpel: Nein, überhaupt nicht. Ich würde die Linke niemals
[15][hufeisenmäßig] einordnen, allein schon deshalb, weil sie nicht
extremistisch ist in ihren Umgangsformen oder Ideen, wie Demokratien
möglichst effektiv torpediert werden können. Das sehen wir bei der AfD in
ihrem Auftreten in ostdeutschen Regierungskontexten beides schon deutlich.
Ja, einige inhaltliche Forderungen sind ähnlich unrealistisch, wenn es um
Verteidigung und Wirtschaft geht, aber sie sind auch nicht als Mitte-Partei
angetreten, sondern als Gegengewicht. Wichtig ist, dass auch mit den Linken
an der Sorge gearbeitet werden kann, die alle Wähler:innen der fünf
Parteien, die künftig im Bundestag vertreten sind, in ihren Top 5 hatten.
taz: Nämlich?
Göpel: Die Sorge, dass es keine stabile Regierung geben wird. Das muss in
dieser Zeit die Hauptbotschaft sein, dass die demokratischen Parteien sich
zusammenreißen, aufhören mit diesen abtörnenden persönlichen Attacken und
die autoritären Fantasien beiseitelegen, dass sie in Mehrparteiensystemen
so überheblich und bossy auftreten können wie in einem Zwei-Parteiensystem.
Und – wichtig für die Ausgangsfrage: Bei den Sorgen kommt dann schon
mangelnder Klimaschutz als verbindendes Element. Das war bei den Grünen
Wählern Top 1, bei den Linken und der SPD Top 2.
taz: Wie sehen Sie in der Hinsicht Union und AfD?
Göpel: Bei deren Wähler:innen hat es das Thema nicht in die
Prioritätenliste geschafft – was aber auch nicht verwundert, wenn die eine
Partei den Klimawandel leugnet und die andere das Thema komplett ignoriert
hat in ihrer Oppositionsarbeit – aus Bayern wurde das dann gerne noch als
„grüne Ideologie“ bezeichnet. Aber wenn man klar kommunizieren würde, wie
stark Klimapolitik mit der wirtschaftlichen und damit eben auch der
sozialen Sicherheit zu tun hat, dann dürfte das bei CDU-Wählern kein
Anschlussproblem mehr sein, denn das ist ja das, was Sicherheit ausmacht:
die starke Wirtschaft und verlässliche Rahmenbedingungen. Wenn die Union
also eine klare Abgrenzung gegenüber der AfD sucht, dann liegt sie hier:
alle demokratischen Parteien nehmen Naturwissenschaften, Risikovermeidung
und die Lebenswirklichkeit unserer Kinder ernst.
taz: Steile These.
Göpel: Erst mal geben die Wählerbefragungen das her. Für mich ist das eine
erleichternde Botschaft, dass Menschen in Deutschland nicht so bereitwillig
sagen: „Och, Naturwissenschaft sind überbewertet und die Orientierung an
Fakten und vernünftigen Umgangsformen auch.“ Das nehmen wir doch auch jetzt
in der Diskussion über das Wie der Schuldenpakete wahr.
taz: Vizekanzler Robert Habeck wurde für manche Medien und Milieus zur
Hassfigur, weil er das Klimaabkommen von Paris einhalten wollte. Wie
erklären Sie sich das?
Göpel: Wir sehen in allen Studien zur Akzeptanz von Klimapolitik, dass
Gegenreaktionen dann entstehen, wenn die Wirkung der Maßnahmen nicht
überzeugend erscheint, genauso wie die Verteilung von Kosten und Nutzen.
Fairness ist da ein zentraler Kompass, auch mit Rücksicht auf die Ärmsten –
zumindest noch im eigenen Land. Das ist ja auch wieder eine positive
Nachricht im Sinne des Menschenbilds. Es ist die Aufgabe der Politik und
der Medien, das so zu stricken und zu erklären, dass die sozialen Sorgen
direkt adressiert werden und gerade auch die langfristigen Effekte viel
besser herausgestellt werden.
taz: Der Umbau ins Postfossile wird die Leute, also uns, etwas kosten, das
ist doch so?
Göpel: Ja, natürlich. Das tut der Umbau ins Digitale auch, und da sehe ich
jetzt schon viel mehr Risiken als beim Klimaschutz. Nur lassen sich damit
großartige Summen an Geld verdienen, deshalb dominiert in den Erzählungen
immer die Versprechung. Umgekehrt wird bei der Dekarbonisierung sehr aktiv
Mis- und Fehlinformation gestreut, deshalb gibt es nun die Global
Initiative for Information Integrity on Climate Change der Vereinten
Nationen, unterstützt von der OECD und UNESCO. Das wird jetzt richtig
spannend, weil libertäre Staatslenker wie Javier Milei und nun Donald Trump
mit Musk offen den Klimawandel leugnen oder gar die Erwähnung auf
Regierungsseiten und in Forschungsprogrammen verbieten. Mittelalter ist ja
wohl keine Option für Europa, der Geburtsstätte naturwissenschaftlicher
Aufklärung?
11 Mar 2025
## LINKS
[1] /!6070438&s=infrastruktur&SuchRahmen=Print/
[2] /Gruenes-Wahlprogramm-2025/!6057556
[3] /Sondierungen-von-Union-und-SPD/!6071461
[4] /Welt-Biodiversitaetsrat/!6054385
[5] /Jan-van-Aken-gegen-Aufruestungspolitik/!6073757
[6] /Gruener-als-die-Gruenen/!6058857
[7] /Letzte-Generation-orientiert-sich-um/!6070128
[8] /CDU-Politiker-ueber-Sozialpolitik/!6022257
[9] /Philosoph-ueber-Wert-der-Natur/!6048576
[10] /Protest-am-Frauentag/!6074190
[11] /Donald-Trump-gegen-den-Rechtsstaat/!6066964
[12] /Trumps-Kahlschlagpolitik/!6074189
[13] https://klimawirtschaft.org/publikationen/positionen/wirmuessenmachen
[14] /Energiepolitik-der-Bundesregierung/!6065438
[15] /Hufeisentheorie/!t5671962
## AUTOREN
Peter Unfried
## TAGS
Sondierung
Schwerpunkt Klimawandel
klimataz
GNS
CDU/CSU
SPD
Koalitionsverhandlungen
Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
Koalitionsvertrag
Performance
Berlin
Autoritarismus
Schwerpunkt USA unter Trump
Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
Erneuerbare Energien
Bundeswehr
Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
Erderwärmung
## ARTIKEL ZUM THEMA
Talk „Maschinenraum der Zukunft“: Auswege aus der Perspektivlosigkeit
Lassen sich Rechtsruck und KI-Macht auch positive Zukunftsvisionen
entgegensetzen? Das lotet eine Gesprächsreihe am Schauspielhaus in Hamburg
aus.
Berlin-Brandenburg: Wohnungsverband gegen Rückabwicklung des Heizungsgesetzes
Das Gebäudeenergiegesetz sollte den Austausch von Öl- und Gasheizungen
beschleunigen. Die Wohnungswirtschaft warnt vor Rückabwicklung durch die
CDU.
Autor über AfD-Tendenzen der CDU: „Das ist einfach nur saugefährlich“
Der Journalist Arne Semsrott hatte in einem Buch durchgespielt, was
passiert, wenn die AfD regiert. Nun kommt die Union seinen Prognosen zuvor.
Klima-Deregulierung in den USA: Ideologisch verblendet
Donald Trump entkernt die Umweltpolitik, als gäbe es den Klimawandel nicht.
Für Deutschland und Europa liegen darin Chancen.
Vorschläge für Staatsreform: Das neue deutsche DOGE?!
Die Initiative für einen handlungsfähigen Staat will, dass dieser schlanker
und büger:innennäher wird. Ein Digitalministerium gehört dazu.
Stromproduktion 2024: Erneuerbare Energien in Deutschland und USA stark wie nie
In Deutschland, wie in den USA: Die Erneuerbaren erreichen neue Rekorde.
Zugleich sinkt in beiden Ländern der Anteil des Kohlestroms auf
Tiefststände.
Geld fürs Militär: Bundeswehr kommt auf keinen grünen Zweig
Der Truppe fehle Material, meint Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD). Über den
künftigen Etat fürs Militär sind Union, SPD und Grüne noch nicht einig.
Sondierungen von Union und SPD: Die Grünen pokern hoch – und das ist richtig…
Friedrich Merz hat es versäumt, die Grünen früh einzubeziehen. Jetzt
bekommt er die Quittung dafür. Nun muss Merz zeigen, dass er Kompromisse
kann.
Sondierung und Klima: Ein Kapitel aus dem Märchenbuch
Von den Gefahren, die die Erderwärmung birgt, scheinen Union und SPD noch
nicht gehört zu haben. Bei den Sondierern gibt es ein kleines Problemchen.
You are viewing proxied material from taz.de. The copyright of proxied material belongs to its original authors. Any comments or complaints in relation to proxied material should be directed to the original authors of the content concerned. Please see the disclaimer for more details.