# taz.de -- Maja Göpel zu Union-SPD-Sondierungen: „So wird es männlich, dom… | |
> Transformationsforscherin Maja Göpel vermisst im Sondierungspapier von | |
> Union und SPD die großen Linien – und ein Bekenntnis zu echter | |
> Veränderung. | |
Bild: Die Klimakrise zeigt sich in immer mehr Extremwetter wie hier beim Moselh… | |
taz: Frau Göpel, die Union will ja nun nach monatelanger Blockade [1][die | |
Schuldenbremse drastisch lockern und Verteidigung und Infrastruktur mit | |
Krediten finanzieren]. Ihr „Politikwechsel“ besteht darin, in der Regierung | |
plötzlich Habeck-Politik zu präferieren. Oder wie sehen Sie das? | |
Maja Göpel: Na ja, erst einmal braucht sie noch die Zustimmung der Grünen – | |
und genau dafür hätte sie die Grünen wenigstens vernünftig in die | |
Verhandlungen einbeziehen sollen. Denn in Kombination mit dem | |
Sondierungspapier ist fraglich, wie viel für neue Investitionen übrigbleibt | |
und ob die Art der Vergabe zu Kofinanzierung aus dem privaten Sektor führt, | |
wie es zum Beispiel [2][Robert Habecks Deutschlandsfonds mit der | |
Abschreibungslösung] wollte. Auch fehlt jegliche übergeordnete Zielsetzung, | |
auf die die unterschiedlichen Maßnahmen hinwirken. Klientelpolitische | |
Geschenke, die Stärkung von klimaschädlichen Subventionen oder Mütterrente | |
standen sicher nicht bei den Grünen und sind im normalen Haushalt nicht | |
finanzierbar, selbst wenn das Bürgergeld auf das verfassungsrechtliche | |
Minimum reduziert würde. | |
taz: Die [3][Grünen und Sozialökologen bemängeln das völlige Fehlen von | |
Klimapolitik]. | |
Göpel: Ja, das ist sehr wichtig: Es gibt bisher keine klare | |
Berücksichtigung der Dekarbonisierung und das [4][Wort Biodiversität] kommt | |
nicht vor. Im Prinzip wirkt die Bereitschaft zur Verschuldung also erst | |
einmal wie die Lizenz zum Gelddrucken ohne klaren Zukunftsplan. Und das ist | |
nach der aggressiven Blockadepolitik eine fette Kröte. Ich würde daher | |
anstelle der Grünen anbieten, jetzt sofort ein [5][Sondervermögen | |
Verteidigung] einzurichten und dann mit dem neuen Bundestag eine | |
vernünftige Reform der Schuldenbremse aushandeln, die auch investive von | |
konsumtiven Ausgaben trennt und die Länder einbezieht. Dafür lassen sich | |
sicher auch Politiker:innen der Linken gewinnen, wenn Verteidigung eh | |
separat schon gelaufen ist. | |
taz: Wie [6][geht es grundsätzlich weiter mit Klima- und | |
Transformationspolitik, wenn Friedrich Merz regiert], der ja selbst in | |
seiner Partei keinen einfachen Stand hat. Muss bald der [7][Protest wieder | |
auf die Straße]? Oder die mythische Zivilgesellschaft ran, die das | |
Gut-böse-Spiel inszeniert „wir Bürger super, Regierung schlimm“? | |
Göpel: Mir scheint wichtig, dass alle Leute erst mal wahrnehmen, dass | |
[8][die CDU im Moment eine sehr gespaltene Partei] ist. Bis zur Wahl hat | |
man sich da ziemlich auf die Zunge gebissen, weil natürlich völlig klar | |
war, dass Streit innerhalb des Wahlkampfs dem eigenen Ergebnis schaden | |
würde. Es gibt sehr viele Personen, die nicht wie die Scharfmacher im | |
Wahlkampf drauf sind. Deren Vorschläge nicht den neoliberalen Ideen aus den | |
1990ern nahekommen, auch wenn das Label libertär neu klingt, also: | |
Steuererleichterungen für die bereits Vermögenden werden produktive | |
Investitionen freisetzen und zum Trickle-down führen, soziale Ausgaben | |
streichen wird die Leistung ankurbeln und die [9][Ökosystemdienstleistungen | |
können technisch ersetzt werden], dabei wächst die Wirtschaft auch besser. | |
Mit diesem Programm wird es wieder sehr männlich, dominant und weiß – und | |
die Frage fällt hinten runter, [10][warum in so einer Umgangsform und | |
Kultur dann Frauen und Migrant:innen mitmachen wollen sollen], die sich | |
ihre Lebensorte aussuchen können. Auch mit großen Geldhaufen lassen sich | |
nicht einfach Dinge in die Welt hexen, das müssen schon Menschen machen. | |
taz: „Konservative Revolution“ nannte einer der Scharfmacher, der | |
CSU-Politiker Alexander Dobrindt, das Ziel mal in einem hoffentlich | |
geschichtsignoranten Moment. | |
Göpel: Das Playbook ist immer ähnlich, in Extremform können wir das | |
[11][gerade in den USA mit der Mischung aus Project2025 und den rechten | |
Vordenkern der Tech-Oligarchen wie Curtis Yarvin erleben]. Die „Befreiung“ | |
von „staatlicher Kontrolle“ ist dabei das Hauptmotiv – wovon natürlich d… | |
Privilegierten besonders profitieren, die dann mit „Unternehmertum“ viel | |
effizientere Lösungen in die Welt bringen. Dabei ist ja absurd, in den USA | |
mit einer feudal anmutenden Konzentration von Reichtum und Kontrolle noch | |
von „freien Märkten“ zu sprechen, in denen sich „die besten Angebote“ | |
durchsetzen würden, wenn endlich dereguliert würde. Hier spricht der Wunsch | |
nach dem Recht der Stärkeren. | |
Trotzdem wird sich als Underdog aufgeführt, werden die etablierten | |
Institutionen für unterwandert erklärt – ob nun Medien oder Wissenschaft | |
oder die aktuelle Regierung – und dadurch so viel Misstrauen gesät, dass | |
stabile demokratische Mehrheiten verunmöglicht werden und durch die | |
Blockade dann ein Explodieren dieser Institutionen mit Befreiung konnotiert | |
wird – [12][siehe Doge]. Die Springer-Presse war hier die letzten Wochen | |
vor der Wahl ganz vorne dabei. Auf der Berliner Demo gegen den Rechtsruck | |
und für Miteinander habe ich deshalb gesagt: Liebe Bild, liebe Welt, wir | |
stehen hier alle unbezahlt und sehen genau, wie ihr plump versucht, diese | |
US-amerikanische Deepstate-Rhetorik in Deutschland zu inszenieren. Zwei | |
Tage später kam der Artikel von Stefan Aust … | |
taz: … dem langjährigen Welt-Herausgeber, früher St. Pauli-Nachrichten … | |
Göpel: … mit genau dem Spin, dass hier extrem linker und ideologisch grüner | |
Vorbau staatlich finanziert unterwegs sei. So ein sprachlicher und | |
inhaltlicher Populismus steht einer ernsthaft konservativen Partei | |
überhaupt nicht und das ist bei vielen CDU-Vertreter:innen inzwischen | |
deutlich spürbar, einige sagen es ja auch direkt. Wenn man sich überlegt, | |
was nach dem Ampel-Aus möglich gewesen wäre, ist dieses Gebaren auch von | |
Wähler:innen abgestraft worden: Da stand die Union bei 34,5 Prozent. | |
taz: Welchen Unterschied hätten die 6 Prozentpunkte gemacht? | |
Göpel: Darauf hätte sich entspannt eine souveräne Mitte-Politik und | |
Koalition aufbauen lassen. Stattdessen sind auch noch die meisten | |
Wähler:innen zu der rechtsradikalen Partei gewandert, von der man vorher | |
sagte, dass man sie klein machen will. Das hat auch jeder | |
Populismusforscher vorher gesagt: Kopiere den Stil, und das Original wird | |
gewinnen. Deshalb ist der Moment da, wo eine Korrektur der Umgangsformen | |
und Rhetorik überfällig ist. | |
taz: Merz selbst scheint sich aber schnell vom Kulturkämpfer zum | |
Politik-Pragmatiker gewandelt zu haben? | |
Göpel: Die Äußerungen von Herrn Merz gehen mal in die eine und mal in die | |
andere Richtung. Und deshalb wäre es jetzt sehr wichtig, dass aus den | |
konservativen Kreisen und aus der Wirtschaft die Stimmen kommen, die sagen: | |
Schluss mit dem Auskeilen und der Scharfmacherei. Wir brauchen ein klares | |
Zielbild, auf das staatliche Rahmenbedingungen hinwirken und für das die | |
privaten Akteur:innen die besten Lösungen anbieten. So wie es zum | |
Beispiel der [13][gerade veröffentlichte Appell der Stiftung | |
Klimawirtschaft für die Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit skizziert | |
hat]. | |
taz: Eine These lautet: Wenn die Grünen nicht in der Regierung sind, läuft | |
es besser mit Klimapolitik, weil dann diese Verbotsideologen weg sind und | |
man kann endlich irgendwie pragmatische Politik machen. | |
Göpel: Ich halte das für inszenierten Quatsch. | |
taz: Inszenierten Quatsch? | |
Göpel: Ja, erst wird drei Jahre lang herbeigeredet, dass grüne Politik | |
immer ideologischer Verzicht-Verbot-Verlust ist, und die Anschlussfähigkeit | |
der Maßnahmen werden geschreddert, und jetzt müsste was ganz Ähnliches | |
„pragmatisch“ aufgezogen werden. Wir sehen ja bei der ersten Kehrtwende, | |
wie gut das verfängt. Dass die letzte schwarz-rote Koalition 2021 vom | |
Bundesverfassungsgericht den Auftrag bekommen hatte, das Klimaschutzgesetz | |
zu verschärfen, war ja ein Signal, dass man es vorher mit dem Pragmatismus | |
versemmelt hatte. Dann wurde klar, wie viel man ändern müsste, gerade im | |
Verkehrsministerium, wo nun wirklich kein Grüner mitgemischt hat. Auch im | |
Finanzministerium nicht. Auch im Bauministerium führte die SPD. | |
taz: Was wollen Sie sagen? | |
Göpel: Die großen Blockaden dafür, dass es nicht vernünftiger und einfacher | |
werden konnte, lagen häufig darin, dass diese Ministerien nicht bereit | |
waren, sich konsequent ressortübergreifend und wirkungsorientiert | |
auszurichten. So gesehen hat [14][Robert Habeck richtig viel geschafft, | |
gerade bei der Energiewende]; die Ausbauziele wurden übererfüllt, er hat | |
die Versorgungssicherheit unter Putins Krieg gewährleistet und die Preise | |
sind wieder auf dem Niveau wie vor seiner Amtsübernahme. Auch seine | |
Vorschläge für Investitionen oder Schulden im Wahlkampf waren immer mit | |
klarer Vorstellung der avisierten gesellschaftlichen Ziele und der | |
mittelfristigen Wirkung kombiniert. Damit sind wir wieder bei der | |
Ausgangsfrage nach den Schulden und dem Politikpaket. | |
taz: Was ist die entscheidende Frage? | |
Göpel: Wo sind da die großen Linien und wo ist das klare Bekenntnis zu den | |
strukturellen Neuordnungen, die wir brauchen? Daran lassen sich dann auch | |
einzelne Maßnahmen und ihre Wirkung erklären und Stück für Stück | |
nachjustieren – gerne im konstruktiven Austausch mit den wirtschaftlichen | |
und gesellschaftlichen Akteuren, die das umsetzen. Aber da bitte auf | |
diejenigen hören, die auch wirklich Veränderung wollen! Denn es mehren sich | |
ja inzwischen die Berichte zu Managementversagen, überbürokratisierten | |
Abläufen und Privilegiensicherung in großen Unternehmen. Es ist schon ein | |
Gemeinschaftswerk, nur die Politik beschuldigen ist zu einfach. Umgekehrt | |
braucht es dort aber auch ein Leistungsprinzip, das ich gerne mal mit | |
Carsten Linnemann besprechen würde: An die Macht zu kommen, weil zum | |
Schaden des Landes blockiert und gegen Minderheiten agitiert wurde, sollte | |
für keine Oppositionspartei mehr als Erfolg gelten. | |
taz: Frau Göpel, nochmal zur Ausgangsfrage: Die neue Bundesregierung wird | |
vermutlich aus Union und SPD gebildet. Was kann man aus zukunfts- und | |
klimapolitischer Hinsicht erwarten? | |
Göpel: Das kommt drauf an. | |
taz: Gute Antwort. | |
Göpel: Es ist die einzig wissenschaftlich fundierte Antwort. Es gibt jetzt | |
ja drei unterschiedliche und total wichtige Treiber. Das eine sind | |
völkerrechtliche Verträge, die stehen nicht einfach zur Wahl. Es gibt | |
zweitens eine Europäische Union, die versprochen hat, an einem Strang zu | |
ziehen. Gleichzeitig gibt es drittens einen unglaublichen Druck von außen, | |
diese Europäische Union zu spalten. Deshalb ist es wichtig, jetzt nicht | |
kurzfristig motiviert an der Moonshot-Vision hinter dem Green Deal | |
rumzudoktern und die jetzt erst effektiv werdende Politik zurückzudrehen, | |
bevor sie Wirkung zeigt. Das gilt besonders auch deshalb, weil die EU vom | |
Klimawandel mit am härtesten getroffen wird. | |
taz: Tatsächlich? | |
Göpel: Ja, das hat ja in Europa, glaube ich, noch kaum einer verstanden. | |
Das sieht gar nicht nett aus, ich war im Sounding Board des European | |
Climate Risk Assessment, der 2024 die Effekte des Nichthandelns | |
zusammengetragen hat. Man braucht nicht weiter von Versorgungssicherheit | |
und Wettbewerbsfähigkeit reden, wenn die Schienen und ganze Infrastrukturen | |
einfach wegrutschen und Nahrungsmittelproduktion bedroht ist. Umso mehr | |
sich also imperialistische Ideen der Weltmächte breitmachen, umso wichtiger | |
ist es doch, an den zwei zentralen Strategien, Dekarbonisierung und | |
Kreislaufwirtschaft, festzuhalten. Dazu gehört auch der Wiederaufbau des | |
Naturkapitals, der Biodiversität und Resilienz unserer Böden. Stattdessen | |
höre ich nun schon hinter den Kulissen „ach den ETS hält eh keiner | |
politisch durch. Wenn die Preise erst mal steigen, dann wird das eh wieder | |
kassiert.“ | |
taz: ETS ist das EU-Emissionshandelssystem, das die Treibhausgasemissionen | |
innerhalb der Europäischen Union senken soll, indem eine Obergrenze | |
festegelegt wird, die dann nach und nach auf null sinken soll. | |
Göpel: Genau. Und gerade die Parteien, die Klimaschutz primär über den | |
Preis steuern wollen, brauchen dieses Instrument. Ich hoffe, dass die | |
Wirtschaft da klar sagt: Liebe Leute, ihr hört auf, das zu hintertreiben, | |
macht das jetzt mit der Bepreisung und dem Weg nach vorne, sonst gibt es | |
keine Klarheit, keine Zukunftsvision, und vor allem verlieren wir die | |
technologische Führerschaft an China und die USA. Es bleibt noch offen, ob | |
Trump wirklich auch die Technologieförderung zurückdreht, der Inflation | |
Reduction Act wirkt ja auch gerade in roten Bundesstaaten für Beschäftigung | |
und Wirtschaft. Und demokratische Bundesstaaten wie Kalifornien sind da | |
ganz anders aufgestellt und allein schon die siebtgrößte Volkswirtschaft. | |
Deshalb waren die Stimmen der Wirtschaft auch schon im Wahlkampf wichtig, | |
egal ob von Herrn Krebber von RWE zu den Behauptungen über Atomkraftrevival | |
oder die Wärmepumpenbranche, die Herrn Spahn davor warnte, das | |
Gebäudeenergiegesetz schlicht wieder zurückzudrehen. Ich kann mich nicht an | |
einen Wahlkampf erinnern, in der Wirtschaftsakteure der Union so oft in die | |
Parade gefahren sind. | |
taz: Bei der Wahl haben die unter 30-Jährigen zur Hälfte AfD und | |
Linkspartei gewählt, was heißt das? | |
Göpel: Es heißt, dass wir mit einer gewissen Ernsthaftigkeit fragen müssen, | |
warum uns die jungen Menschen in die Extreme rutschen und wie wir | |
interessante Allianzen finden mit den Älteren, die noch sehr stark bei der | |
SPD sind und auch noch bei der CDU. Ohne einen klaren Fahrplan für eine | |
nachhaltige Wirtschaft, ein Update des Rentensystems, der | |
Pflegeversicherung und mit Mietpreisen als große Sorge aller weniger gut | |
Verdienenden, kriegen wir das nicht hin. Wo ist das Bild eines künftigen | |
Wohlstandsmodells, in dem junge Menschen sich ernsthaft berücksichtigt | |
sehen? | |
taz: Sehen Sie AfD und Linkspartei zukunftspolitisch ähnlich desaströs? | |
Göpel: Nein, überhaupt nicht. Ich würde die Linke niemals | |
[15][hufeisenmäßig] einordnen, allein schon deshalb, weil sie nicht | |
extremistisch ist in ihren Umgangsformen oder Ideen, wie Demokratien | |
möglichst effektiv torpediert werden können. Das sehen wir bei der AfD in | |
ihrem Auftreten in ostdeutschen Regierungskontexten beides schon deutlich. | |
Ja, einige inhaltliche Forderungen sind ähnlich unrealistisch, wenn es um | |
Verteidigung und Wirtschaft geht, aber sie sind auch nicht als Mitte-Partei | |
angetreten, sondern als Gegengewicht. Wichtig ist, dass auch mit den Linken | |
an der Sorge gearbeitet werden kann, die alle Wähler:innen der fünf | |
Parteien, die künftig im Bundestag vertreten sind, in ihren Top 5 hatten. | |
taz: Nämlich? | |
Göpel: Die Sorge, dass es keine stabile Regierung geben wird. Das muss in | |
dieser Zeit die Hauptbotschaft sein, dass die demokratischen Parteien sich | |
zusammenreißen, aufhören mit diesen abtörnenden persönlichen Attacken und | |
die autoritären Fantasien beiseitelegen, dass sie in Mehrparteiensystemen | |
so überheblich und bossy auftreten können wie in einem Zwei-Parteiensystem. | |
Und – wichtig für die Ausgangsfrage: Bei den Sorgen kommt dann schon | |
mangelnder Klimaschutz als verbindendes Element. Das war bei den Grünen | |
Wählern Top 1, bei den Linken und der SPD Top 2. | |
taz: Wie sehen Sie in der Hinsicht Union und AfD? | |
Göpel: Bei deren Wähler:innen hat es das Thema nicht in die | |
Prioritätenliste geschafft – was aber auch nicht verwundert, wenn die eine | |
Partei den Klimawandel leugnet und die andere das Thema komplett ignoriert | |
hat in ihrer Oppositionsarbeit – aus Bayern wurde das dann gerne noch als | |
„grüne Ideologie“ bezeichnet. Aber wenn man klar kommunizieren würde, wie | |
stark Klimapolitik mit der wirtschaftlichen und damit eben auch der | |
sozialen Sicherheit zu tun hat, dann dürfte das bei CDU-Wählern kein | |
Anschlussproblem mehr sein, denn das ist ja das, was Sicherheit ausmacht: | |
die starke Wirtschaft und verlässliche Rahmenbedingungen. Wenn die Union | |
also eine klare Abgrenzung gegenüber der AfD sucht, dann liegt sie hier: | |
alle demokratischen Parteien nehmen Naturwissenschaften, Risikovermeidung | |
und die Lebenswirklichkeit unserer Kinder ernst. | |
taz: Steile These. | |
Göpel: Erst mal geben die Wählerbefragungen das her. Für mich ist das eine | |
erleichternde Botschaft, dass Menschen in Deutschland nicht so bereitwillig | |
sagen: „Och, Naturwissenschaft sind überbewertet und die Orientierung an | |
Fakten und vernünftigen Umgangsformen auch.“ Das nehmen wir doch auch jetzt | |
in der Diskussion über das Wie der Schuldenpakete wahr. | |
taz: Vizekanzler Robert Habeck wurde für manche Medien und Milieus zur | |
Hassfigur, weil er das Klimaabkommen von Paris einhalten wollte. Wie | |
erklären Sie sich das? | |
Göpel: Wir sehen in allen Studien zur Akzeptanz von Klimapolitik, dass | |
Gegenreaktionen dann entstehen, wenn die Wirkung der Maßnahmen nicht | |
überzeugend erscheint, genauso wie die Verteilung von Kosten und Nutzen. | |
Fairness ist da ein zentraler Kompass, auch mit Rücksicht auf die Ärmsten – | |
zumindest noch im eigenen Land. Das ist ja auch wieder eine positive | |
Nachricht im Sinne des Menschenbilds. Es ist die Aufgabe der Politik und | |
der Medien, das so zu stricken und zu erklären, dass die sozialen Sorgen | |
direkt adressiert werden und gerade auch die langfristigen Effekte viel | |
besser herausgestellt werden. | |
taz: Der Umbau ins Postfossile wird die Leute, also uns, etwas kosten, das | |
ist doch so? | |
Göpel: Ja, natürlich. Das tut der Umbau ins Digitale auch, und da sehe ich | |
jetzt schon viel mehr Risiken als beim Klimaschutz. Nur lassen sich damit | |
großartige Summen an Geld verdienen, deshalb dominiert in den Erzählungen | |
immer die Versprechung. Umgekehrt wird bei der Dekarbonisierung sehr aktiv | |
Mis- und Fehlinformation gestreut, deshalb gibt es nun die Global | |
Initiative for Information Integrity on Climate Change der Vereinten | |
Nationen, unterstützt von der OECD und UNESCO. Das wird jetzt richtig | |
spannend, weil libertäre Staatslenker wie Javier Milei und nun Donald Trump | |
mit Musk offen den Klimawandel leugnen oder gar die Erwähnung auf | |
Regierungsseiten und in Forschungsprogrammen verbieten. Mittelalter ist ja | |
wohl keine Option für Europa, der Geburtsstätte naturwissenschaftlicher | |
Aufklärung? | |
11 Mar 2025 | |
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