| # taz.de -- Haushalt: Sparen soll nicht mehr quietschen | |
| > Senat beschließt Etat-Entwurf für 2015/16 mit mehr Investitionen und mehr | |
| > Personal. Grüne: „Fettester Wahlkampfhaushalt seit 20 Jahren“ | |
| Bild: Scheine über Scheine - bei pro Jahr gut 25 Milliarden Euro im Berliner L… | |
| Mehr Geld für fast alles, vor allem mehr Wohnungen und mehr Personal für | |
| eine wachsende Stadt und trotzdem noch Schulden abbauen – so stellt sich | |
| dank stark gestiegener Steuereinnahmen der rot-schwarze Senat die | |
| Landesfinanzen in den nächsten beiden Jahren vor. Am Dienstag beschloss er | |
| den Entwurf des Haushaltsplans 2015/16 mit 24,9 beziehungsweise 25,7 | |
| Milliarden Euro. Er geht nun ins Abgeordnetenhaus, das ihn voraussichtlich | |
| Mitte Dezember beschließen soll. | |
| „Einen großen Schritt nach vorn“ sah Regierungschef Michael Müller (SPD) | |
| vor Journalisten in dem vorliegenden Entwurf. Er kündigte an, die | |
| Verschuldung des Landes, die nach Tilgung in den vergangenen Jahren im | |
| Januar bei rund 60,8 Milliarden Euro lag, weiter zu senken: „Es ist mein | |
| Ziel, dass am Ende der Legislatur (September 2016 – Anm. d. Red.) eine 5 | |
| vorne steht bei der Verschuldung“, sagte Müller. Das soll auch bei deutlich | |
| wachsenden Ausgaben möglich sein: Der aktuelle Entwurf sieht gegenüber 2014 | |
| im nächsten Jahr eine Steigung um 5,2 Prozent vor, für 2017 sogar um rund 8 | |
| Prozent. | |
| ## Mehr Lehrer und Polizisten | |
| Dieses zusätzliche Geld soll zu einem guten Teil in mehr Lehrer, | |
| Polizisten, Feuerwehrleute und Mitarbeiter in den Bezirken und | |
| Senatsverwaltungen fließen. Die über lange Zeit schier untastbare Zahl von | |
| nur 100.000 vollen Stellen ist gekippt. „Sie passt nicht zu Dynamik und | |
| Wachstum in der Stadt“, sagte Innensenator und CDU-Landeschef Frank Henkel, | |
| der sich zufrieden zeigte. | |
| Dabei teilte Henkel gegen den harten Sparkurs früherer Jahre von | |
| Ex-Regierungschef Klaus Wowereit aus, der mit dem Spruch „Sparen, bis es | |
| quietscht“ verbunden ist. „Was quietscht, läuft eben nicht wie geschmiert�… | |
| sagte Henkel. | |
| Der CDU-Frontmann mühte sich wie Regierungschef Müller, ein gutes Bild der | |
| Koalition zu vermitteln. Henkel sprach von „vertrauensvoller | |
| Zusammenarbeit“, Müller von einem „sehr konstruktiven Dialog“. Noch vor | |
| vier Wochen schien die Koalition wegen des Streits um die Homo-Ehe vor dem | |
| Ende. | |
| Ein beträchtlicher Teil der steigenden Investitionen fließen allerdings in | |
| den Großflughafen BER: Als Berliner Anteil am neuerlichen Nachschlag sind | |
| erst 183, dann 135 Millionen vorgesehen. „Es ist nicht möglich, den | |
| Flughafen irgendwann zu eröffnen, ohne ihn fertig zu stellen“, | |
| rechtfertigte Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) die Kosten. | |
| Er deutete an, dass sich noch weiterer Spielraum auch für die | |
| Schuldentilgung ergeben könnte. Denn bislang sieht der Entwurf keine | |
| zusätzlichen Zahlungen der Bundesregierung für die Flüchtlinge in Berlin | |
| vor. Derzeit finanziert der Bund nur 6 Prozent der Landes von rund 445 | |
| Millionen Euro. Kollatz-Ahnen geht aber davon aus, dass sich das ändert, | |
| weil alle Bundesländer darauf drängen. Die Opposition sieht in dem | |
| Etat-Entwurf den Versuch, sich Wählerstimmen für die Abgeordnetenhauswahl | |
| 2016 zu sichern. „Das ist der fetteste Wahlkampfhaushalt“, seit 20 Jahren�… | |
| reagiert Grünen-Finanzexperte Jochen Esser. | |
| Die Berliner sollten sich aber nicht täuschen lassen: Die hohen Ausgaben | |
| können aus Essers Sicht nicht von Dauer sein – der Finanzsenator habe | |
| Haushaltsüberschüsse nun weitgehend abgeräumt. | |
| Grundsätzlich allerdings begrüßen die Grünen höhere Investitionen. „Umso | |
| ärgerlich ist es, dass Rot-Schwarz 500 Millionen Euro im Milliardengrab BER | |
| und in der Staatsoper-Baustelle versenkt“, kritisiert Esser. | |
| Der Linkspartei-Abgeordnete Manuela Schmidt fehlt zudem weiterhin ein | |
| strategisches Personalkonzept. Hier macht auch die Industrie- und | |
| Handelskammer ein Manko aus: Ihr Chef Jan Eder begrüßt zwar zusätzliches | |
| Personal in wichtigen Bereichen, vermisst aber eine genaue Analyse, wie | |
| viele Leute wofür gebraucht werden. | |
| 7 Jul 2015 | |
| ## AUTOREN | |
| Stefan Alberti | |
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