| # taz.de -- Finanzierung des Atomausstiegs: Atomschreck Trittin mischt mit | |
| > Als Umweltminister verhandelte Trittin über den Atomausstieg. Nun soll er | |
| > sicherstellen, dass Betreiber für AKW-Abrisse und Endlagerung zahlen. | |
| Bild: Einst Feindbild der Union, darf Trittin jetzt die Folgekosten der Atomkra… | |
| BERLIN taz | Es klingt wie eine Zeitreise ins Jahr 2000: Über die | |
| finanzielle Zukunft der Atomkonzerne entscheidet ab sofort wieder Jürgen | |
| Trittin. Unterstützt wird der Exumweltminister der Grünen vom ehemaligen | |
| Hamburger CDU-Bürgermeister Ole von Beust und dem früheren Brandenburger | |
| SPD-Ministerpräsidenten Matthias Platzeck. Gemeinsam leiten sie eine | |
| Kommission, die die Finanzierung des Atomausstiegs überprüfen soll. Das | |
| beschloss das Bundeskabinett am Mittwoch. | |
| Auch ansonsten finden sich unter den 19 Mitgliedern der Kommission viele, | |
| die bereits im letzten Jahrtausend mit dem Thema befasst waren, etwa Monika | |
| Griefahn, Ex-Greenpeace-Vorstand und Ex-SPD-Ministerin, oder Gerald | |
| Hennenhöfer, der wegen seines Wechsels von der Atomaufsicht zu einem | |
| Atomkonzern und zurück umstritten ist. Dazu kommen Vertreter der | |
| Wirtschaft, der Kirche, von Umweltorganisationen, Gewerkschafter sowie | |
| Abgeordnete von Union, SPD und Grünen. Die Linke ist nicht vertreten. | |
| Wie sich die [1][Rückstellungen der Konzerne] für den Abriss der AKWs und | |
| die Endlagerung des Atommülls dauerhaft sichern lassen, darüber dürften die | |
| Ansichten in diesem Kreis weit auseinandergehen. Das ahnt auch Trittin, der | |
| als Bundesumweltminister zunächst als Atom-Schreck galt, dann aber mit dem | |
| Konzernen im Konsens den Ausstieg regelte. „Die Kommission wird für alle | |
| eine Herausforderung“, sagte er. | |
| Ziel sei auch diesmal wieder „ein möglichst breiter Konsens“. Mit konkreten | |
| inhaltlichen Aussagen hielt er sich am Mittwoch zurück; in der | |
| Vergangenheit hatte Trittin sich für die Überführung der finanziellen | |
| Rückstellungen der Konzerne in einen öffentlich-rechtlichen Fonds | |
| ausgesprochen. Das lehnen die Betreiberkonzerne aber strikt ab. | |
| ## „Eltern haften für ihre Kinder“ | |
| Die Kommission soll bis zum Februar 2016 Empfehlungen ausarbeiten, über | |
| deren Umsetzung dann der Bundestag entscheidet. Bereits zuvor soll dort ein | |
| Gesetz verabschiedet werden, mit dem den Unternehmen die Möglichkeit | |
| genommen wird, der Haftung für ihre AKWs zu entgehen, indem sie diese in | |
| eine Tochtergesellschaft auslagern. | |
| Den Entwurf dafür verabschiedete das Kabinett am Mittwoch. „Das Gesetz | |
| steht unter der Überschrift ‚Eltern haften für ihre Kinder‘ “, erklärte | |
| Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). „Es stellt sicher, dass | |
| Muttergesellschaften für die Verbindlichkeiten ihrer Töchter für Rückbau- | |
| und Entsorgungskosten langfristig haften.“ | |
| Unmittelbar davon betroffen ist Eon, der seine Reaktoren in ein neues | |
| Unternehmen namens Uniper überführen wollte. Diesen Plan hatte Eon | |
| zurückgenommen, nachdem Gabriel das Gesetz angekündigt hatte. Allerdings | |
| wird das Unternehmen trotzdem aufgespalten, so dass sich das Vermögen, das | |
| für die Finanzierung der Atomlasten zur Verfügung steht, dennoch | |
| verringert. Die Grünen kritisierten darum, das neue Gesetz habe bereits | |
| „eine Lücke“. | |
| Atomkraftgeger stellten zudem infrage, ob die bisher angesetzten Kosten für | |
| Rückbau und Endlagerung überhaupt ausreichen. Zumindest dafür gibt es in | |
| der Kommission einige Kompetenz: „Matthias Platzeck und Ole von Beust sind | |
| ausgewiesene Kenner von Kostenexplosionen bei Großprojekten“, stichelte | |
| Jochen Stay von der Initiative Ausgestrahlt, „Stichwort Elbphilharmonie und | |
| Hauptstadtflughafen.“ | |
| 14 Oct 2015 | |
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| Malte Kreutzfeldt | |
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