| # taz.de -- Geschwärzte NSA-Akten: Aufklärung wird verhindert | |
| > Mitarbeiter des NSA-Untersuchungsausschusses beklagen sich: An brisanten | |
| > Stellen sind viele zentrale Dokumente geschwärzt. | |
| Bild: Was wurde geschwärzt? | |
| BERLIN taz | Es klang nach viel Arbeit: Etwa tausend Ordner hatte die | |
| Bundesregierung in den vergangenen Monaten an den Untersuchungsausschuss | |
| zur NSA-Affäre geliefert. Eine Menge Lesestoff für die | |
| Bundestagsabgeordneten und deren Referenten. Doch beim Blick in die | |
| brisanteren, als „geheim“ eingestuften Papiere erlebten sie eine | |
| Überraschung: Die Lektüre war schneller zu schaffen als gedacht. Denn viele | |
| vertrauliche Akten waren bis zur Unkenntlichkeit geschwärzt – obwohl das | |
| Parlament doch mit diesen Unterlagen den größten Geheimdienstskandal der | |
| jüngeren Geschichte erhellen soll. | |
| Ganz ungewöhnlich ist es nicht, dass in Ausschussakten einzelne Namen oder | |
| Passagen unlesbar gemacht werden. Die Behörden sind sogar dazu verpflichtet | |
| – etwa aus Datenschutzgründen oder weil Abschnitte nicht das Thema | |
| betreffen. In der NSA-Affäre aber scheint der Eifer der Regierung | |
| rekordverdächtige Ausmaße angenommen zu haben. Das jedenfalls beklagen | |
| Mitglieder des Ausschusses. „Überall da, wo es interessant wird, gibt es | |
| sehr weitgehende Schwärzungen“, sagt Konstantin von Notz, der | |
| Grünen-Vertreter im NSA-Ausschuss. | |
| Die Geheimunterlagen für das Gremium lagern in speziell gesicherten | |
| Bundestagsbüros im Safe, nur wenige Mitarbeiter haben den Zugangscode. | |
| Trotz dieser Sicherheitsvorkehrungen hielt die Regierung es wohl für nötig, | |
| großflächig mit Schwarz nachzuarbeiten und Dokumente zu überpinseln – | |
| blockweise, Seite für Seite, von der Anrede bis zur Grußformel am Schluss. | |
| Sogar der Vorsitzende des NSA-Untersuchungsausschusses, Patrick Sensburg | |
| (CDU), beklagt einen „erheblichen“ Anteil von Schwärzungen. | |
| Sensburg habe mit dem Ausschusssekretariat in der Sommerpause angefangen, | |
| eine Liste mit den unlesbar gemachten Seiten anzulegen, die er für | |
| problematisch hält: „Es ist eine relativ große Tabelle geworden.“ Auch | |
| Sensburg verlangt, dass die Regierung „ihre Sicht der Dinge korrigiert“ und | |
| „deutlich nachbessert“. Ein erstes Gespräch habe bereits stattgefunden. Zum | |
| Teil handele es sich nur um „technische“ Fehler. Der CDU-Politiker ist | |
| deshalb zuversichtlich, dass die Regierung bald einlenkt. | |
| ## Informationen notfalls einklagen | |
| Diesen Optimismus teilt die Opposition nicht. Der Grünen-Politiker | |
| Konstantin von Notz sieht den „Kernauftrag“ des Ausschusses betroffen. „D… | |
| Bundesregierung will, dass grundsätzlich nicht aufgeklärt werden kann.“ | |
| Schwärzungen in diesem Umfang seien „verfassungswidrig“. Notfalls werde man | |
| die Informationen beim Verfassungsgericht in Karlsruhe einklagen. | |
| Das haben Abgeordnete vor Jahren schon einmal gemacht – beim | |
| BND-Untersuchungsausschuss. Damals bekamen die Parlamentarier recht. | |
| Allerdings kam das Urteil so spät, dass der Ausschuss seine Arbeit bereits | |
| fast abgeschlossen hatte – ohne die relevanten Akten. | |
| Auch deswegen halten Union und SPD den Klageweg nicht für sinnvoll. „Statt | |
| andauernd mit dem Gang nach Karlsruhe zu drohen, sollten wir zunächst | |
| versuchen, selbst eine politische Lösung in Berlin zu finden“, sagt der | |
| SPD-Vertreter im NSA-Ausschuss, Christian Flisek. Gemeinsam mit der | |
| Opposition habe man bereits rund hundert geschwärzte Dokumente | |
| zusammengestellt, über die man mit der Bundesregierung „noch einmal reden“ | |
| wolle. Es seien aber ohnehin „weit weniger“ Akten geschwärzt worden, als | |
| die Opposition behaupte. | |
| Vor einem Jahr, als die SPD noch zur Opposition zählte, hörte sich das | |
| anders an. Thomas Oppermann, damals Chef des Parlamentarischen | |
| Kontrollgremiums, twitterte das Foto einer großflächig geschwärzten Akte | |
| zum NSA-Skandal, die der ehemalige Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) | |
| den Geheimdienstkontrolleuren vorgelegt hatte. Oppermanns Sprecher urteilte | |
| knapp: „Der Erkenntnisgewinn liegt bei null.“ | |
| 10 Sep 2014 | |
| ## AUTOREN | |
| Astrid Geisler | |
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