| # taz.de -- Ex-Verfassungsschutzchef Maaßen: CDU startet Ausschlussverfahren | |
| > Der CDU-Bundesvorstand will Maaßen aus der Partei werfen. Äußerungen wie | |
| > jene über „kleine Paschas“ könnten der Berliner CDU aber geholfen haben. | |
| Bild: Maaßen nach der Bundestagswahl 2021 | |
| Berlin taz | Friedrich Merz hätte wohl gerne vor allem über den Erfolg der | |
| Berliner CDU bei der Wiederholungswahl in Berlin geredet. „Wir haben einen | |
| großen Erfolg erzielt“, sagt der CDU-Chef, als er nach den Gremiensitzungen | |
| der Partei mit dem Berliner Spitzenkandidaten Kai Wegner am Montagmittag | |
| vor die Presse tritt. Die CDU hat bei der Wahl zum Berliner | |
| Abgeordnetenhaus mit 28 Prozent stark dazugewonnen und das beste Ergebnis | |
| von allen erzielt, sie liegt zehn Prozentpunkte vor SPD und Grünen. | |
| Das ist ein großer Erfolg – und für die CDU ein guter Start in das neue | |
| Wahljahr. Ob Wegner dies aber auch ins Rote Rathaus führt, ist noch völlig | |
| offen, weil es auch für eine Fortführung der rot-grün-roten Koalition | |
| reichen würde. Also macht Merz auch Druck auf SPD und Grüne: „Das Ergebnis | |
| zeigt, die Mehrheit in Berlin will den Wechsel“, sagt der CDU-Chef. SPD und | |
| Grüne sollten sich gut überlegen, das Risiko einzugehen, die alte Koalition | |
| fortzuführen. | |
| Doch Merz muss auch über Hans-Georg Maaßen reden. Denn auf der Tagesordnung | |
| der CDU-Gremien stand das [1][Ausschlussverfahren gegen] den nach rechts | |
| abgedrifteten ehemaligen Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz. | |
| Der Bundesvorstand habe einstimmig, „ohne Gegenstimmen, ohne Enthaltungen“ | |
| ein solches Verfahren beschlossen, sagt Merz. „Die Diskussion hat weniger | |
| als zehn Minuten gedauert.“ Maaßen würden „mit sofortiger Wirkung die | |
| Mitgliedsrechte entzogen“. | |
| Maaßen hatte zuvor eine [2][Frist verstreichen lassen], die ihm die CDU zum | |
| Austritt gesetzt hatte. In einer schriftlichen Stellungsnahme hatte er alle | |
| Vorwürfe parteischädigenden Verhaltens zurückgewiesen. Stattdessen schrieb | |
| er von einer „Schmutz- und Rufmordkampagne“ gegen ihn. Und dass die CDU | |
| eine „Brandmauer“ gegenüber all jenen errichten wolle, „die den | |
| links-grünen Kurs der Parteiführung nicht mittragen wollen“. | |
| Im dem Beschluss des Bundesvorstands heißt es: „Immer wieder gebraucht er | |
| die Sprache aus dem Milieu der Antisemiten und Verschwörungsideologen bis | |
| hin zu völkischen Ausdrucksweisen.“ Und weiter: „Für seine Äußerungen u… | |
| das damit zum Ausdruck gebrachte Gedankengut ist in unserer Partei kein | |
| Platz.“ Maaßen hatte zuletzt von einer „grün-roten Rassenlehre“ und ein… | |
| „eliminatorischen Rassismus gegen Weiße“ gesprochen. | |
| ## Merz fühlt sich durch das Wahlergebnis bestätigt | |
| Maaßen ist seit Ende Januar auch [3][Vorsitzender der Werteunion], einem | |
| Verein am rechten Rand der CDU, der jedoch keine offizielle | |
| Parteiorganisation ist. Nach eigenen Angaben sind 85 Prozent der 4.000 | |
| Mitglieder aber auch Mitglieder von CDU und CSU. Auch gegen die Werteunion | |
| habe der Bundesvorstand einen „politischen Beschluss“ getroffen, so Merz. | |
| Demnach sei die Mitgliedschaft in beiden unvereinbar. Ein formaler | |
| Unvereinbarkeitsbeschluss ist das nicht. Den kann nur ein Bundesparteitag | |
| beschließen, der nächste aber wird erst im kommenden Jahr stattfinden. | |
| Für das Parteiausschlussverfahren gegen Maaßen ist zunächst das | |
| Kreisparteigericht in Erfurt zuständig. Maaßen ist im Thüringer Wald | |
| Parteimitglied, seit vier Kreisverbände ihn dort erfolglos als | |
| Direktkandidaten für die Bundestagswahl aufgestellt hatten. Vor Ort sollen | |
| viele CDUler*innen weiter zu ihrem früheren Kandidaten stehen. | |
| Die klare Abgrenzung zu Maaßen heißt aber nicht, dass die CDU [4][dem | |
| Blinken nach rechts künftig abschwören will]. Es könnte sogar sein, dass | |
| der Erfolg bei der Wahl in Berlin eher zum Gegenteil führt. Manche in der | |
| CDU jedenfalls sind der Meinung, dass die Äußerungen von Merz, der | |
| arabische Jungs als „kleine Paschas“ bezeichnet hatte, und die Frage der | |
| Berliner CDU nach den [5][Vornamen von Tatverdächtigen] mit deutscher | |
| Staatsangehörigkeit aus der Silvesternacht, der Union in Berlin mehr | |
| genützt als geschadet haben. | |
| Das hätten Nachwahl-Befragungen gezeigt, sagt Wegner. In der Tat haben dort | |
| 83 Prozent der CDU-Wähler*innen laut Infratest Dimap angegeben, es gut zu | |
| finden, „dass die CDU Probleme mit Zuwanderern klar benennt“. 87 Prozentvon | |
| ihnen sind der Ansicht, dass die CDU in Berlin „besser für Recht und | |
| Ordnung sorgen“ würde. Fraktionsvize Jens Spahn hatte schon am Sonntagabend | |
| bei „Anne Will“ die Äußerungen Merz' verteidigt und gesagt: „Wenn man d… | |
| richtig einordnet, sieht man ja, es geht um eine in aller Regel kulturell | |
| vermittelte toxische Männlichkeit.“ | |
| Und Merz? Er fühle sich [6][durch das Wahlergebnis bestätigt], sagt der | |
| CDU-Chef. „Die Menschen wollen, dass wir die Probleme anspechen.“ | |
| 13 Feb 2023 | |
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| ## AUTOREN | |
| Sabine am Orde | |
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