| # taz.de -- Urteil gegen „Faust des Ostens“: Hooligans kommen glimpflich da… | |
| > 2013 wurden Rädelsführer der rechten Hooligantruppe „Faust des Ostens“ | |
| > angeklagt, ihr Prozess aber verschleppt. Nun fiel ein mildes Urteil. | |
| Bild: Nach acht Jahren doch noch vor Gericht: Einer der Angeklagten im Landgeri… | |
| BERLIN/DRESDEN taz/epd | Die Taten liegen schon weit zurück. Vor gut zehn | |
| Jahren sollen die drei Männer führender Teil der rechtsextremen Dresdener | |
| Hooligangruppe „[1][Faust des Ostens]“ gewesen sein, sich an Übergriffen | |
| oder Diebstählen beteiligt haben. Schon 2013 wurde dazu Anklage erhoben, | |
| der Prozess aber über Jahre verschleppt. Am Dienstag fiel nun doch noch ein | |
| Urteil: Die Männer, 30 bis 37 Jahre alt, wurden zu Geldstrafen und einer | |
| Bewährungsstrafe verurteilt. | |
| Die „Faust des Ostens“ gründeten Fans von Dynamo Dresden am [2][20. April | |
| 2010], dem Jahrestag des Hitler-Geburtstags. Zeitweilig zählte die Gruppe | |
| rund 180 Mitglieder. Sie machten [3][Jagd auf andere Fußballfans], | |
| Polizist:innen und Migranten. So sollen 50 Anhänger im April 2011 auf | |
| eine 15-köpfige Gruppe von Türken, Vietnamesen, Libanesen und Iranern nahe | |
| zweier Diskotheken in Dresden eingeprügelt haben, samt „Sieg Heil“-Rufen. | |
| Drei Opfer wurden verletzt. | |
| Die Gruppe finanzierte sich auch durch Ladendiebstähle, kistenweise soll | |
| Champagner geklaut worden sein. Auch der sächsische Verfassungsschutz | |
| stufte „Faust des Ostens“ als rechtsextrem ein. | |
| ## Angeklagt und kein Prozess, aber weitere Straftaten | |
| Einige der Mitglieder erhielten später Stadionverbote. Im Frühjahr 2012 | |
| ging auch die Polizei mit Razzien gegen die Gruppe vor. Im Juli 2013 folgte | |
| die Anklage gegen fünf Rädelsführer, darunter die drei jetzt Verurteilten. | |
| Die Gruppe war danach nicht mehr offen aktiv. | |
| Zu einem Prozess aber kam es über Jahre nicht: Das Landgericht Dresden | |
| verwies auf seine Arbeitsbelastung und vorrangige Fälle, bei denen | |
| Beschuldigte in U-Haft saßen. Gegen zwei Angeklagte wurde das Verfahren | |
| schließlich eingestellt, in einem Fall gegen Zahlung einer Geldauflage. | |
| Das Quintett fiel dennoch bis 2017 mit weiteren Straftaten auf: | |
| Landfriedensbrüche, Betrug oder Wohnungseinbruch. Andere frühere Mitglieder | |
| der „Faust des Ostens“ beteiligten sich 2016 wiederum an einem | |
| Neonazi-Angriff auf eine Straßenzug in [4][Leipzig-Connewitz] oder an einem | |
| Angriff auf eine Gruppe Iraker am Rande des Dresdner Stadtfests. Ein | |
| weiteres Mitglied wurde Teil der rechtsterroristischen [5][Gruppe Freital], | |
| die 2015 Anschläge auf Asylunterkünfte und Linke verübte. | |
| ## Die Angeklagten schoben Alkohol vor | |
| Seit März diesen Jahres wurde nun endlich gegen die restlichen drei | |
| Beschuldigten verhandelt: Felix K., Florian M. und Veit K. Das Trio gestand | |
| im Prozess die Mitgliedschaft bei der „Faust des Ostens“ und schob vor, | |
| stets betrunken mit der Gruppe unterwegs gewesen zu sein. Heute hätten sie | |
| sich aus der Szene gelöst und lebten in stabilen Verhältnissen. | |
| Das Gericht verurteilte das Trio am Dienstag wegen Mitgliedschaft in einer | |
| kriminellen Vereinigung, teils auch schweren Bandendiebstahls oder | |
| gefährlicher Körperverletzung für den rassistischen Angriff vom April 2011. | |
| Felix K. und Florian M. erhielten Geldstrafen von je 1.500 Euro, bei ihnen | |
| kam Jugendstrafrecht zur Anwendung. Veit K. erhielt eine Bewährungsstrafe | |
| von sieben Monaten, von denen fünf bereits als vollstreckt gelten. Die | |
| lange Verfahrensdauer wertete das Gericht als strafmindernd. | |
| Michael Nattke vom Kulturbüro Sachsen kritisierte die Behörden: „Die | |
| niedrigen Strafen waren nach so vielen Jahren nicht anders zu erwarten. Es | |
| ist ein Armutszeugnis für die sächsischen Behörden, dass es mehr als zehn | |
| Jahre gedauert hat, um die Mitglieder dieser rechtsextremen, kriminellen | |
| Vereinigung zu verurteilen.“ Dies liege wohl auch an einer falschen | |
| Prioritätensetzung der Ermittlungsbehörden, die viele Ressourcen in der | |
| Verfolgung eines „vermeintlichen Linksextremismus“ steckten, so Nattke. | |
| „Andere Neonazis werden durch die jahrelange Prozessverschleppung geradezu | |
| motiviert, Straftaten und Gewalt auszuüben.“ | |
| 11 May 2021 | |
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| ## AUTOREN | |
| Konrad Litschko | |
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