| # taz.de -- Koalitionsverhandlungen in Berlin: R2G definiert Warten neu | |
| > Die Wartezeit für einen Bürgeramtstermin soll höchstens 14 Tage betragen, | |
| > verspricht die künftige Koalition. Zwei Staatssekretäre sollen sich um | |
| > die Verwaltung kümmern. | |
| Bild: Das soll bald schneller gehen: Warteschlange am Bürgeramt Neukölln. | |
| SPD, Linke und Grüne haben sich so weit wie bislang noch nicht aus dem | |
| Fenster gelegt und am Donnerstag nach der jüngsten rot-rot-grünen | |
| Verhandlungsrunde ein baldiges Ende der Terminnot in den Bürgerämtern | |
| versprochen „Noch im Laufe des Jahres 2017 soll es möglich sein, dass die | |
| Bürger ihr Anliegen binnen 14 Tagen im Bürgeramt erledigen können“, legte | |
| sich Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen für die SPD vor Journalisten fest | |
| – und neben ihm mühten sich auch die Koalitionsverhandlerinnen von | |
| Linkspartei und Grünen, überzeugte Gesichter zu machen. | |
| Mehr Beschäftigte sollen dazu in den Bürgerämtern nach den jüngsten | |
| Verstärkungen nicht nötig sein: „Es ist genug Personal da“, sagte | |
| Kollatz-Ahnen. Als Beleg dafür verwies er auf eine Untersuchung zu | |
| Organisationsabläufen, die nicht fehlende Mitarbeiter, sondern stark | |
| verbesserungswürdige Abläufe als Grund für lange Wartezeiten und | |
| Terminmangel ausmachte. Selbst bei einem absehbaren weiteren | |
| Bevölkerungsanstieg soll die jetzige Mitarbeiterzahl in den Bürgerämtern | |
| noch einige Jahre ausreichen – meint jedenfalls Kollatz-Ahnen. | |
| ## Mehr Lehrer gesucht | |
| Anders als jetzt sollen sich auch viele Dinge online und ohne Behördengang | |
| erledigen lassen – bislang sei das nur bei wenigen möglich. Beispielhaft | |
| gilt die Finanzverwaltung. | |
| In anderen Bereichen will Rot-Rot-Grün durchaus mehr Leute in den | |
| Landesdienst holen: „Wir werden in den kommenden Jahren 5.000 bis 6.000 | |
| Leute jährlich einstellen müssen“, kündigte Linkspartei-Fraktionschefin | |
| Carola Bluhm an. Der Großteil davon ersetzt lediglich jetzige Beschäftigte, | |
| die in nächster Zeit in großer Zahl in Rente gehen. Wirklich zusätzliche | |
| neue Stellen soll es rund 1.000 geben. | |
| Wobei das laut Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop auch mal 1.200 oder 1.400 | |
| werden können. Der größere Teil davon sollen wegen der stark wachsenden | |
| Schülerzahl Lehrer sein. Diese Neueinstellungen sollen, anders als viele | |
| andere kostenintensiven Beschlüsse, feststehen und nicht in der alles | |
| entscheidenden Schlussrunde der Koalitionäre am Mittwoch gekippt oder | |
| gekürzt werden können. | |
| Um derart viele neue Landesbedienstete auch tatsächlich auf dem | |
| Arbeitsmarkt zu finden, soll neben den Arbeitsbedingungen auch das | |
| Einstellungsverfahren deutlich verbessert werden: Laut Bluhm dauert das | |
| derzeit durchschnittlich 38 Wochen – künftig sollen es nur noch 13 sein. | |
| Bessere Abläufe, vor allem zwischen den Senats- und den | |
| Bezirksverwaltungen, zeitgemäßere Computersoftware und eine zentrale | |
| Bündelung von Kompetenzen sollen generell für weniger Reibungsflächen | |
| sorgen. Damit etwa der geplante Radwegausbau nicht am Übergang vom einen | |
| Stadtbezirk zum nächsten endet, soll sich landesweit eine noch zu gründende | |
| Velo GmbH darum kümmern. Der gleiche Ansatz soll bei Flüchtlingsanliegen | |
| kommen, um die sich laut Carola Bluhm neben dem neuen Landesamt für | |
| Flüchtlinge weiterhin auch die Bezirke und die Senatsverwaltung für | |
| Soziales kümmern. | |
| „Das ist wahrscheinlich das erste Mal, das man in so einer Dichte die | |
| Verwaltungsreform in einen Koalitionsvertrag aufnimmt“, sagte Ramona Pop. | |
| Mit zwei Staatssekretären für diesen Aufgabenbereich will Rot-Rot-Grün | |
| dafür sorgen, dass aus dem seit vielen Jahren diskutierten und alles andere | |
| als neuen Projekt Verwaltungsreform in der neuen Wahlperiode wirklich etwas | |
| wird: Ein Staatssekretär soll für sämtliche Personalangelegenheiten | |
| zuständig sein. Dieser Bereich ist bislang auf zwei Senatsverwaltungen – | |
| Finanzen und Inneres – verteilt, was immer wieder zu Problemen führt. | |
| Ein Personal-Staatssekretär galt schon zu Beginn der vergangenen | |
| Wahlperiode als immens wichtig, doch die damaligen Koalitionäre SPD und CDU | |
| konnten sich darauf nicht einigen. Ein weiterer Staatssekretär soll sich | |
| mit mehr Kompetenzen als bislang um Informations- und Kommunikationstechnik | |
| kümmern. | |
| 10 Nov 2016 | |
| ## AUTOREN | |
| Stefan Alberti | |
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