Introduction
Introduction Statistics Contact Development Disclaimer Help
# taz.de -- Straße wird umbenannt: Berlin streicht endlich das M-Wort
> Nach über 30 Jahren Protest wird in Berlin die Anton-Wilhelm-Amo-Straße
> eingeweiht. Ein Sieg für die, die gegen kolonialrassistische Denkmäler
> kämpfen.
Bild: Was lange währt, wird endlich umbenannt: das Strassenschild vor der Umbe…
Berlin taz | Was lange währt, wird endlich umbenannt. Am 23. August 2025
wird die [1][Anton-Wilhelm-Amo-Straße] eingeweiht. Seit über dreißig Jahren
streiten Berliner*innen für diese Umbenennung dieser Straße in Mitte,
die von den meisten entweder „Möhrenstraße“ oder schlicht „M-Straße“
genannt wird.
Die Umbenennung ist eine große Erleichterung und ein Erfolg, der gefeiert
werden muss. Es ist aber auch ein Abschied. Viele Menschen hat das
[2][Streiten] für die Umbenennung über die Jahre zusammengebracht.
Inzwischen hat das auch Generationen verbunden. Aktionen, Kunstwerke und
wissenschaftliche Arbeiten sind entstanden. Der Protest gegen
kolonialrassistische Straßennamen hat sich in die Kultur der Stadt
eingeschrieben.
Im Falle der zukünftigen Amo-Straße reicht dieser Protest mindestens bis in
die 90er Jahre zurück. Legendär und häufig zitiert ist das Video der
afrodeutschen Lyrikerin [3][May Ayim], die Anfang der 90er vor dem Schild
zum gleichnamigen U-Bahnhof einen weißen Schaumkuss verspeist.
Der Straßenname wurde in Theaterstücken und Ausstellungen thematisiert. Es
entstanden dekoloniale Stadtführungen, Audiowalks, ein Picknick im
U-Bahnhof und Fotoserien mit alternativen Straßennamen. Das ethnologische
Institut der Humboldt-Universität lud gemeinsam mit der
Nachbarschaftsinitative Anton-Wilhelm-Amo-Straße zum dekolonialen Flanieren
ein.
Während der Black-Lives-Matter-Proteste gingen große Demonstrationen,
hauptsächlich von jungen Erwachsenen und Schüler*innen gestaltet,
bewusst durch diese Straße und überklebten symbolisch ihren Namen.
## Schluss mit Möhrchen
Seit 2013 lädt das Bündnis Decolonize Berlin jährlich am 23. August, dem
internationalen Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen
Abschaffung, zum Umbenennungsfest. Dieses Jahr findet die Umbenennung
wirklich statt. Ö-Striche über das O zu malen war ein beliebter
Mikroaktivismus von Passant*innen. Jetzt ist Schluss mit Möhrchen.
Das Bewusstsein dafür, dass man rassistische Straßennamen auch ändern kann,
ist in den vergangenen dreißig Jahren gestiegen. Besonders Schwarze
Wissenschaftler*innen, Organisationen wie die Initiative Schwarze Menschen
in Deutschland, aber auch Künstler*innen haben dazu beigetragen, das
Problembewusstsein zu schärfen und Alternativen aufzuzeigen.
Straßenschilder sind eben nicht nur Orientierungspunkte in der Stadt. Der
Name auf einem Straßenschild zeigt uns nicht nur, wo wir gerade stehen,
sondern auch, wer wir sind oder welche Gesellschaft wir sein wollen. Wen
wir ehren.
Anton Wilhelm Amo, um 1703 geboren, war der erste bekannte Philosoph
afrikanischer Herkunft in Deutschland. Die Namensgebung kommt der Forderung
nach, Straßen nicht einfach umzubenennen, sondern den Kontext beizubehalten
und die Perspektive zu wechseln. Geschichte soll eben nicht unsichtbar
gemacht werden, sondern sichtbar. Deshalb sollen zusätzlich eine
Gedenktafel und eine Infosäule installiert werden.
Veranstaltungen rund um die Amo-Straße und Aufklärung zu kolonialen Spuren
im öffentlichen Raum wird es weiter geben. Ab jetzt gibt es aber auch eine
Protestgeschichte zu erzählen. Und das ist eine Erfolgsgeschichte. Wer
bisher Striche über das O gemalt hat, kann zukünftig ein paar Herzchen für
Amo dalassen.
21 Aug 2025
## LINKS
[1] /M-Strasse-wird-Amo-Strasse/!6104943
[2] /Bildungsreferentin-ueber-Kolonialismus/!6097056
[3] /Rassismus-und-Black-History-Month/!5829456
## AUTOREN
Simone Dede Ayivi
## TAGS
Kolumne Diskurspogo
Kolonialgeschichte
Straßennamen
Dekolonisierung
Social-Auswahl
Reden wir darüber
Schwerpunkt Stadtland
Rewe
Deutscher Kolonialismus
Deutscher Kolonialismus
## ARTIKEL ZUM THEMA
M-Straßen-Debatte in Berlin: Der Furor der Ewiggestrigen
Berlin soll ab Samstag einen Straßennamen weniger haben mit
kolonial-rassistischem Bezug. Dass die Umbenennung kurzfristig gestoppt
wurde, ist bitter.
Gewalt im Supermarkt: Rewe. Dein Rassismus
In einem Berliner Rewe soll ein Mitarbeiter eine Kundin geschlagen haben.
Die Betroffene glaubt an ein rassistisches Motiv, die Polizei ermittelt.
Dekolonisierung von Straßennamen: Ein Anfang ist gemacht
Nach langem Kampf bekommen eine nach Kolonialverbrechern benannte Straße
und ein Platz im „Afrikanischen Viertel“ in Wedding neue Namen.
Straßenumbenennung in Berlin: Koloniale Atmosphäre ist verpufft
Vom Hermannplatz zweigt nun die Lucy-Lameck-Straße ab. Damit ist die nach
einem Kolonialverbrecher benannte Wissmannstraße in Neukölln Geschichte.
You are viewing proxied material from taz.de. The copyright of proxied material belongs to its original authors. Any comments or complaints in relation to proxied material should be directed to the original authors of the content concerned. Please see the disclaimer for more details.