| # taz.de -- EU kontra Trumps Iran-Sanktionen: Unternehmen zwischen den Fronten | |
| > Die USA plant, Handel mit Iran zu sanktionieren. Die EU will sich dagegen | |
| > wehren – mit einem Gesetz von 1996. Die Wirtschaft reagiert reserviert. | |
| Bild: Im Streit mit den USA über Sanktionen gegen den Iran geht die EU auf Kon… | |
| Berlin taz | Am Freitag hat die EU-Kommission damit begonnen, | |
| Abwehrmaßnahmen gegen Sanktionen der USA beim Handel mit dem Iran | |
| einzuleiten. Die deutsche Wirtschaft reagiert verhalten auf diesen Versuch, | |
| europäische Firmen gegen den Iran-Bann von US-Präsident Donald Trump zu | |
| schützen. Unternehmen drohen im [1][Streit zwischen EU und USA um das | |
| Atomabkommen mit dem Iran] zwischen die Fronten zu geraten. | |
| Die Maßnahmen der EU greifen innerhalb von zwei Monaten, wenn die | |
| Mitgliedsstaaten und das EU-Parlament keinen Einspruch erheben, teilte die | |
| Kommission mit. Der Hintergrund: Die RegierungschefInnen der EU-Staaten | |
| wollen nicht zulassen, dass europäische Firmen wegen ihrer Geschäfte mit | |
| dem Iran Schwierigkeiten mit den USA bekommen. Donald Trump hat die | |
| US-Maßnahmen gegen den Iran für allgemeinverbindlich erklärt, es handelt | |
| sich um sogenannte extraterritoriale Sanktionen. Das heißt: Sie gelten auch | |
| für nicht-amerikanische Firmen. Europäischen Unternehmen drohen Strafen in | |
| den USA, wenn sie sich nicht an die Sanktionen halten. | |
| Die EU will Unternehmen vor Strafen schützen. Deshalb haben die | |
| Regierungschefinnen [2][beim EU-Spitzentreffen in Sofia beschlossen, die | |
| sogenannte Blocking Regulation zu reaktivieren]. Dieses Gesetz wurde 1996 | |
| wegen eines Streits mit den USA unter Präsident Bill Clinton um | |
| extraterritoriale Sanktionen erlassen. Seinerzeit ging es ebenfalls um den | |
| Iran sowie um Libyen und Kuba. Es ist aber nicht in Kraft getreten, weil | |
| die EU und die USA ein Stillhalteabkommen vereinbarten. Aus diesem Grund | |
| gibt es weder Erfahrungen mit der Durchsetzung noch einschlägige | |
| Interpretationen. | |
| Das Gesetz verbietet europäischen Firmen, sich dem Handelsverbot der USA zu | |
| fügen. Unternehmen, die Niederlassungen im Iran schließen oder | |
| Geschäftsbeziehungen abbrechen, müssen mit Strafen rechnen. Gleichzeitig | |
| sieht die Blocking Regulation vor, dass Gerichtsentscheidungen zur | |
| Durchsetzung von US-Strafen wegen Missachtung der Sanktionen gegen den Iran | |
| in der EU nicht anerkannt werden. Außerdem ermöglicht sie Entschädigungen | |
| für Unternehmen, die von den USA bestraft werden. Jetzt besteht die Gefahr, | |
| dass Firmen in eine Zwickmühle geraten: Ignorieren sie die Sanktionen, | |
| kommen sie in den USA in die Bredouille. Folgen sie Trump, droht Ärger in | |
| der EU. | |
| ## Industrie gegen konkurrierende Gesetze | |
| Wirtschaftsvertreter sehen das Vorhaben deshalb mit gemischten Gefühlen. | |
| „Für die Bundesregierung und die EU muss vorrangiges Ziel sein, | |
| konkurrierende Gesetzeslagen in Europa und den USA zu vermeiden“, sagt | |
| Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie. Dass | |
| die EU das Blocking-Gesetz reaktiviere, sei nachvollziehbar. Wie es sich | |
| auswirke, sei aber unklar, kritisierte er. | |
| Zu den Unternehmen, die bislang Geschäfte im Iran betreiben und in den USA | |
| aktiv sind, gehören vor allem deutsche Maschinenbauer. Ihr Verband, der | |
| VDMA, begrüßt zwar die Entscheidung der EU, das Problem der | |
| extraterritorialen Sanktionen anzugeben. Verbandsvertreter sind aber | |
| skeptisch, auch weil das Gesetz noch nie angewandt wurde. | |
| Unternehmen können deshalb nicht einschätzen, was auf sie zukommt. „Bei | |
| solchen Regeln steckt der Teufel oft im Detail“, sagt Ulrich Ackermann, | |
| Leiter der VDMA-Abteilung Außenwirtschaft. „Wir werden die Verordnung nun | |
| analysieren, um ihre Auswirkungen belastbar beurteilen zu können.“ Es sei | |
| aber klar, dass die Blocking Regulation keinen allumfassenden Schutz | |
| gewährleiste. „Sie soll die am Irangeschäft interessierten EU-Unternehmen | |
| unterstützen und ihre Risiken reduzieren. Eine vollständige Kompensation | |
| der möglichen finanziellen Verluste durch US-Sanktionen wird es aber nicht | |
| geben“, erklärte Ackermann. | |
| 18 May 2018 | |
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| ## AUTOREN | |
| Anja Krüger | |
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