| # taz.de -- Kommentar GroKo und Wohnen: Die neue soziale Frage | |
| > Die SPD hat sich in den GroKo-Verhandlungen beim Thema Mietrecht | |
| > durchgesetzt. An der Vertreibungsangst wird das aber nur wenig ändern | |
| > können. | |
| Bild: Nach der Mietzahlung bleibt bei vielen Menschen nicht viel Geld übrig | |
| Wunder wird es nicht geben, aber die künftige große Koalition hat offenbar | |
| erkannt, [1][dass Wohnungs- und Mieterprobleme die neue soziale Frage | |
| sind]. Nur so ist es zu erklären, dass sich die SPD in diesem Gebiet mit | |
| einigen ihrer wichtigsten Forderungen durchgesetzt hat: Der Bund wird sich | |
| wieder auf Dauer gemeinsam mit den Ländern am sozialen Wohnungsbau | |
| beteiligen, eine Grundgesetzänderung soll gegebenenfalls kommen. | |
| Mieterhöhungen nach Modernisierung werden gedämpft. Vermieter sollen beim | |
| Mietvertragsabschluss unaufgefordert die Vormiete nennen müssen, so dass | |
| ungerechtfertige überhöhte Mieten sofort transparent werden. | |
| All das löst natürlich nicht die Probleme in den Metropolen, wo es an | |
| Neubauwohnungen mangelt, weil die Nachfrage groß und Grundstücke rar sind. | |
| Wohnungsbau ist teuer. Deswegen können auch zwei Milliarden Euro | |
| Fördersumme für den sozialen Wohnungsbau nicht zu den erforderlichen | |
| Hunderttausenden von bezahlbaren Neubauwohnungen in den Metropolen führen. | |
| Die soziale Schichtung über die Wohnungsfrage wird bleiben: Wer wenig Geld | |
| hat, muss weiter raus ziehen und viel pendeln, muss sich bei der Raumgröße | |
| bescheiden oder soviel Einkommen für das Wohnen aufwenden, dass daneben nur | |
| noch wenig Mittel zum Leben übrig sind. | |
| Trotzdem setzt die Einigung ein Signal für MieterInnen. Wie gesagt: Bei | |
| einer Wiedervermietung muss der Hausbesitzer künftig ohne vorherige | |
| Aufforderung die Vormiete offenlegen. Ungerechtfertigte Mietsprünge werden | |
| damit transparent. Zudem soll die Umlage der Modernisierungskosten auf die | |
| Miete zumindest in Gebieten mit angespannter Wohnungslage etwas abgesenkt | |
| werden. Mieterhöhungen nach einer Modernisierung fallen damit um ein gutes | |
| Viertel niedriger aus. | |
| All dies sind keine Wundermittel gegen die Vertreibungsangst. Die | |
| gefürchteten Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen bleiben. Und auch | |
| eine Mieterhöhung von 150 Euro im Monat nach einer Modernisierung kann die | |
| Haushaltskalkulation einer Geringverdienerin durcheinander bringen, weil | |
| man sich dann neben der Miete keine Reise, kaum noch Zahnersatz, keine | |
| Extras mehr leisten kann. | |
| Die SPD hat aber einen Einstieg geschafft, die Wohnungsfrage als neue | |
| soziale Frage zu etablieren, deren Beantwortung die Bundespolitik nicht | |
| mehr den Ländern oder dem Markt alleine überlassen kann. Die Einigung ist | |
| ein erster Schritt. Und der war dringend nötig. | |
| 5 Feb 2018 | |
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| ## AUTOREN | |
| Barbara Dribbusch | |
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