| # taz.de -- Luft schnappen: Fahrverbot – vielleicht | |
| > Senat will bis zum 30. Juni einen Luftreinhalteplan vorlegen. Den Streit | |
| > um Fahrverbote dürften Gerichte entscheiden | |
| Bild: Gestank lässt sich vermeiden. Der Senat müsste es nur wollen | |
| HAMBURG taz | Fahrverbote und andere verkehrsbeschränkende Maßnahmen sind | |
| weiterhin ein Thema in Hamburg – zumindest theoretisch. Zu belastbaren | |
| Aussagen will sich die Umweltbehörde des grünen Senators Jens Kerstan aber | |
| zur Zeit noch nicht hinreißen lassen: „Wir halten am Zeitplan fest, bis zum | |
| 30. Juni einen durchgerechneten neuen Luftreinhalteplan vorzulegen“, sagt | |
| Kerstans Sprecher Jan Dube. Dann erst lasse sich klar benennen, „mit | |
| welchen Maßnahmen“ die Ziele des Plans zu erreichen seien – eine | |
| Formulierung, die Fahrverbote für Dreckschleudern nicht ausschließt. | |
| Fahrverbote für Diesel hatte Kerstan bereits im Juli vorigen Jahres ins | |
| Gespräch gebracht, damit aber Widerspruch von Bürgermeister Olaf Scholz | |
| (SPD) provoziert: „Fahrverbote sind mit mir nicht zu machen“, stellte der | |
| klar. In letzter Konsequenz aber werden nicht Politiker, sondern Richter | |
| darüber befinden, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. | |
| Denn im November 2015 hatte das Verwaltungsgericht Hamburg auf Klage der | |
| Umweltorganisation BUND die Stadt verurteilt, bis zum 30. Juni 2017 den | |
| bisherigen Luftreinhalteplan so fortzuschreiben, dass dieser „die | |
| erforderlichen Maßnahmen zur schnellstmöglichen Einhaltung“ des Grenzwerts | |
| für Stickstoffdioxid (NO2) in der Atemluft einleite (siehe Kasten). Dies | |
| habe die Stadt bisher versäumt, stellte das Gericht fest. | |
| Nach Berechnungen des BUND leiden mehr als 200.000 HamburgerInnen unter | |
| gesundheitsschädlicher Atemluft. Im Jahresdurchschnitt liegt die Belastung | |
| an den Messstationen Habichtstraße (Barmbek) und Max-Brauer-Allee (Altona) | |
| bei mehr als 60 Mikrogramm pro Kubikmeter Atemluft, an der Kieler Straße | |
| (Stellingen) und an der Stresemannstraße (Altona) knapp unter 50 | |
| Mikrogramm. Der EU-Grenzwert liegt bei lediglich 40 Mikrogramm. | |
| Als erstes Bundesland hatte sich die grün-schwarze Landesregierung in | |
| Baden-Württemberg Anfang vergangener Woche auf zeitweilige Fahrverbote für | |
| die Landeshauptstadt Stuttgart geeinigt. Ab 2018 werden an Tagen mit extrem | |
| hoher Feinstaubstoffbelastung etliche Straßen im Zentrum von Stuttgart für | |
| Dieselfahrzeuge gesperrt, die nicht über die strengste Abgasnorm Euro 6 | |
| verfügen. | |
| Die Situation in Stuttgart sei nicht auf Hamburg übertragbar, sagt | |
| Umweltbehördensprecher Dube. Hamburg habe kein Problem mit Feinstaub, der | |
| hauptsächlich aus Dieselmotoren stammt, sondern mit Stickstoffdioxid. Wie | |
| die Grenzwerte dafür eingehalten werden können, „lässt sich erst sagen, | |
| wenn alle Berechnungen vorliegen und diese ausgewertet sind“. Das werde | |
| voraussichtlich im April der Fall sein. | |
| 28 Feb 2017 | |
| ## AUTOREN | |
| Sven-Michael Veit | |
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