| # taz.de -- Aus Le Monde diplomatique: Von Island lernen | |
| > Kurz vor der Parlamentswahl steht die Piratenpartei an der Spitze der | |
| > Wählergunst. Sie gilt wahlweise als libertär oder rätekommunistisch. | |
| Bild: In Island kann man es sich gut gehen lassen: Banken wurden verstaatlicht,… | |
| Bei schräg einfallendem Sonnenlicht und einer frischen Meeresbrise trafen | |
| Anfang September Vertreter aller politischen Parteien Islands in einem Zelt | |
| vor der Universität von Reykjavík zusammen. Keine Polizei, keine | |
| Anfeindungen, alles blieb ruhig. Die Kandidaten für die Parlamentswahl am | |
| 29. Oktober erläuterten ihre Ziele. Über die Zukunft der Verfassung wurde | |
| dabei leidenschaftlicher diskutiert als über die Zuwanderung; der | |
| Wohnungsbau weckte mehr Interesse als die Steuersätze. Auch Themen wie | |
| Datenschutz oder Klimawandel spielten bei den Gesprächen eine wichtige | |
| Rolle. Und die Krise … Welche Krise? | |
| Unter den Gletschern der Vulkaninsel brodelt immer noch die Lava der | |
| Finanzkatastrophe von 2008. Im April 2016 fegte der geballte Volkszorn | |
| Ministerpräsident Sigmundur Davíð Gunnlaugsson wegen seiner Verwicklung in | |
| die von den Panama Papers aufgedeckten Geschäfte innerhalb von 48 Stunden | |
| aus dem Amt. Auch Präsident Ólafur Ragnar Grímsson wurde von Enthüllungen | |
| über das in einer Steueroase versteckte Geld seiner Frau eingeholt. Nach | |
| zwanzig Jahren an der Macht konnte er im Juni dieses Jahres nicht mehr | |
| kandidieren. Wenige Wochen vor der Wahl sorgen die Umfragen für eine | |
| Überraschung: Sie sehen die Piratenpartei (Píratar) an der Spitze der | |
| Wählergunst. | |
| Vor acht Jahren, in den ersten Oktobertagen 2008, erlebten die 320.000 | |
| Einwohner Islands einen Albtraum: Die drei größten Banken des Landes, deren | |
| Vermögenswerte dem Neunfachen des Bruttosozialprodukts entsprachen, brachen | |
| zusammen. Die an der Börse gehandelten Unternehmen verloren über Nacht 90 | |
| Prozent ihres Werts, auch ein Teil der privaten Ersparnisse ging in Rauch | |
| auf. Der Staat intervenierte massiv: Die Verstaatlichung der Banken, die | |
| Einlagengarantie für die Einheimischen und eine strenge Kapitalkontrolle | |
| verhinderten das soziale Chaos und die Pleite der größten Unternehmen. | |
| Heute verzeichnet Island einen Haushaltsüberschuss, deutlich zurückgehende | |
| Staatsschulden, ein Wachstum von mehr als 3 Prozent und eine | |
| Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent. Es gehört weltweit zu den Ländern mit | |
| dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen und hat die höchste Beschäftigungsrate der | |
| Industrieländer mit 84,7 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter | |
| (zum Vergleich: in der Eurozone liegt die Beschäftigungsrate bei 64,5 | |
| Prozent, in Griechenland bei 50,8 Prozent). | |
| ## Erfolgreiche Kontrolle des Finanzsystems | |
| Der seinerzeit von Ministerpräsident Geir Haarde herbeigerufene | |
| Internationale Währungsfonds (IWF) leistete bis 2011 Finanzhilfe. Am Ende | |
| mussten die IWF-Ökonomen zugeben, dass Islands Erfolgsgeschichte vor allem | |
| den Eingriffen in das Finanzsystem zu verdanken ist – in erster Linie der | |
| Entscheidung der Regierung, den isländischen Einlegern den Vorzug gegenüber | |
| den Aktionären zu geben und sich nicht für die Verluste der Banken in die | |
| Pflicht nehmen zu lassen. Man hatte in Island die Bankenkrise völlig anders | |
| angepackt als in Irland. | |
| Nachdem die „Kochtopfrevolution“ die damals regierende konservative | |
| Unabhängigkeitspartei (in einer Koalition mit den Sozialdemokraten) aus dem | |
| Amt gejagt hatte, setzte die im April 2009 gewählte linke Mehrheit | |
| (Sozialdemokraten und Links-Grün) Sparmaßnahmen durch. Sie bemühte sich | |
| jedoch, die Kreditlast für Privatpersonen zu beschränken, indem sie | |
| Immobilienschulden strich, die den Wert des Grundeigentums überstiegen, und | |
| Steuereinnahmen nutzte, um die Auswirkungen der Rezession auf die privaten | |
| Haushalte abzumildern. | |
| Die Sozialprogramme für Geringverdiener wurden ausgebaut (zwischen 2008 und | |
| 2009 stiegen die Zahlungen an Familien und in die sozialen | |
| Sicherungssysteme, mit Ausnahme der Renten, von 15 Prozent des BIPs auf | |
| 19,5 Prozent). Zugleich wurden die höchsten Einkommen deutlich stärker | |
| besteuert (für die reichsten 10 Prozent stieg die Einkommensteuer zwischen | |
| 2008 und 2010 von 24 Prozent auf 31,8 Prozent). Der Weg aus der Krise wurde | |
| also nicht nur durch die schnelle Rückkehr des Wachstums und eine sinkende | |
| Arbeitslosigkeit, sondern auch durch eine Verringerung der Ungleichheit | |
| gebahnt. | |
| „Wir haben Privatisierungen abgelehnt und viele Qualifizierungsmaßnahmen | |
| für Leute angeboten, die ihre Arbeit verloren hatten“, sagt die damalige | |
| Bildungsministerin Katrín Jakobsdóttir, die heute Vorsitzende der | |
| Links-Grünen Bewegung ist. Ihrer Meinung nach war es entscheidend, dass man | |
| die Möglichkeit hatte, die Isländische Krone abzuwerten – und dass Island | |
| nicht Mitglied der EU ist: „Die Europäische Zentralbank ist in ihrer | |
| Wirtschaftspolitik zu sehr auf die Bekämpfung der Inflation fixiert. | |
| Angesichts der extrem hohen Arbeitslosigkeit in Griechenland, Spanien oder | |
| Portugal wächst in der Bevölkerung die Wut über die Sparmaßnahmen. Und das | |
| kann in eine sehr gefährliche Richtung gehen. Wir meinen, dass die | |
| Wirtschaftspolitik sich wieder mehr auf den Keynesianismus besinnen | |
| sollte.“ | |
| ## Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit wuchs | |
| Jahrzehntelang hatten die Isländer Verfechter von Deregulierung und | |
| Bankenprivatisierung in die Parlamente gewählt, weil sie hofften, damit | |
| reich zu werden. Nun standen sie vor den Abgründen der Finanzökonomie. Ihr | |
| Erfolgsstreben und der unter den Bedingungen einer unwirtlichen Insel | |
| geformte Pioniergeist traten in den Hintergrund, während die Abscheu gegen | |
| Betrug und die Sehnsucht nach Gerechtigkeit wuchsen. | |
| „Vielen Menschen, die alles verloren hatten, konnte es nicht schnell genug | |
| gehen mit der Strafverfolgung. Aber die Verfolgung von Finanzkriminalität | |
| ist wesentlich komplizierter als die von anderen Straftaten“, erinnert sich | |
| Ragna Árnadóttir, die auf dem Höhepunkt der Krise Justizministerin wurde | |
| und heute stellvertretende Direktorin der Staatlichen Elektrizitätswerke | |
| ist. Die Erfahrungen jener Monate beschäftigen sie offenbar immer noch. | |
| „Wenn die Menschen nicht mehr an das System glauben, muss das System einen | |
| Weg finden, das Vertrauen zurückzugewinnen. Ob uns das gelungen ist, weiß | |
| ich nicht.“ | |
| Immerhin brachten die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei | |
| mehrere Bankmanager ins Gefängnis und führten zur Verurteilung von | |
| Ministerpräsident Geir Haarde (allerdings ohne Strafe). Der Europäische | |
| Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, bei dem Haarde Berufung | |
| eingelegt hat, hat bis heute nicht entschieden, ob er das | |
| Berufungsverfahren eröffnet. Die meisten Banker sind längst wieder gut im | |
| Geschäft. Und im Zusammenhang mit den Enthüllungen durch die Panama Papers | |
| ermitteln bislang nur die Steuerbehörden. | |
| „Wir haben nicht alles umgesetzt, was die Menschen von uns erwartet haben, | |
| vor allem nach dem aufschlussreichen Bericht der parlamentarischen | |
| Untersuchungskommission, über das, was in der Politik und im Bankensektor | |
| schiefgelaufen ist“, erklärt Birgitta Jónsdóttir, Symbolfigur der | |
| Piratenpartei, die gern den Vorsitz im Althing, im Parlament, übernehmen | |
| würde. Die Künstlerin, WikiLeaks-Aktivistin und Umweltschützerin ist 2009 | |
| mit der Bürgerbewegung in die Politik gekommen. Seitdem sitzt sie im | |
| Parlament, 2012 hat sie die Piratenpartei mitgegründet. „Zum Beispiel haben | |
| wir immer noch keine Trennung zwischen den klassischen Geschäftsbanken und | |
| den Kasinobanken. Die Erarbeitung der neuen Verfassung war ein schöner | |
| Moment. Wir haben einen guten Verfassungsentwurf, der eine konsequente | |
| Gewaltenteilung sowie Transparenz und Verantwortlichkeit vorsieht, aber | |
| trotz der Annahme durch das Referendum blockiert unser Parlament seit 2013 | |
| das Inkrafttreten.“ | |
| ## Zuflucht für Whistleblower | |
| Im Juni 2010 erreichte Jónsdóttir im Parlament die einstimmige Annahme | |
| einer „Initiative zur Modernisierung der Medien“, die Island zu einem | |
| Paradies der Meinungsfreiheit und einer Zuflucht für Whistleblower machen | |
| sollte: „Auch so ein unvollendetes Projekt. Die Durchführungsbestimmungen | |
| müssen vom Parlament erst noch beschlossen werden. Die Technologien | |
| entwickeln sich so schnell, und wir kommen mit den Gesetzen nicht | |
| hinterher.“ | |
| Die Rückkehr der Konservativen an die Macht im April 2013 hat den | |
| politischen Neuanfang gestoppt. Die Linke hatte es nicht geschafft, die | |
| Hoffnung auf mehr Demokratie und die Lösung konkreter Probleme – Beispiel | |
| Wohnungsmangel – zu erfüllen. Sie musste vor allem für ihre | |
| europafreundliche Haltung und die Entschädigung der ausländischen Sparer | |
| büßen. | |
| Seit den 2000er Jahren hatten die sozialdemokratische Allianz und die | |
| Isländische Arbeiterföderation – die größte Gewerkschaft des Landes – f… | |
| die Einführung des Euro gekämpft, um Währungsschwankungen zu vermeiden. | |
| Kristján Guy Burgess, Generalsekretär der Gewerkschaft, erklärt: „Als wir | |
| 2009 den Beitritt zur EU in Angriff nahmen, hielten wir es für möglich, ein | |
| gutes Abkommen zu erreichen, trotz so extrem schwieriger Themen wie dem | |
| Schutz unserer Fischerei und Landwirtschaft. Heute fehlt uns immer noch | |
| eine nachhaltige Lösung des Währungsproblems, um die Kapitalkontrolle | |
| aufheben zu können. Dass wir die Isländische Krone abwerten konnten, war | |
| während und nach dem Crash sicher ein Vorteil, aber ihre Volatilität war | |
| auch eine Ursache für die Krise, weil sie Zinssatzspekulationen zugelassen | |
| hat, gegen die auch unsere Zentralbank nicht vorgegangen ist.“ | |
| Nachdem am 7. Oktober 2008 die Direktbank Icesave, eine Landsbanki-Tochter, | |
| bei der auch rund 400.000 britische und niederländische Sparer Geld | |
| angelegt hatten, Insolvenz anmelden musste, verlor die Bevölkerung das | |
| Vertrauen in die Regierung. Großbritannien und die Niederlande forderten | |
| die Einlagen ihrer Staatsbürger zurück. Unter dem Druck der EU erklärte | |
| sich die isländische Regierung offen für einen Kompromiss, der für die | |
| Steuerzahler sehr teuer geworden wäre. Daraufhin versuchte Staatspräsident | |
| Grímsson – unter Missachtung seiner Neutralitätspflicht – die Empörung d… | |
| Bevölkerung gegen die Briten und Niederländer zu richten, mit Erfolg. | |
| Zweimal, im März 2010 und im April 2011, lehnten die Wählerinnen und Wähler | |
| in Referenden ein vom Parlament beschlossenes Abkommen ab, dem Grímsson | |
| zuvor seine Unterschrift verweigert hatte. | |
| ## Naive Spekulanten entschädigt | |
| Die Europäische Kommission beharrte darauf, die Isländer zur Kasse zu | |
| bitten, und brachte den Fall vor das Internationale Gericht der Europäische | |
| Freihandelsassoziation (Efta), das am 28. Januar 2013 gegen die EU | |
| entschied. Das Gericht war der Meinung, der isländische Staat habe die | |
| Regeln des Europäischen Wirtschaftsraums nicht verletzt, indem er nicht für | |
| die Einlagen ausländischer Staatsbürger bürgte. Inzwischen wurden diese | |
| naiven Spekulanten allerdings durch den Verkauf von Vermögenswerten der | |
| Landsbanki doch teilweise entschädigt. | |
| Die Fortschrittspartei (Mitte-rechts, ursprünglich bäuerlich) und die | |
| Unabhängigkeitspartei versprachen, die Entschuldung der Privathaushalte zu | |
| unterstützen, und stellten sich hinter den Staatspräsidenten, der | |
| Referenden gegen das Parlament einsetzte. Damit konnten sie bei den Wählern | |
| punkten und wieder an die Macht kommen. | |
| Dass Island sich relativ schnell von der Krise erholt hat, hat auch mit | |
| anderen Gegebenheiten zu tun: Aufgrund der Erwärmung der Ozeane ziehen | |
| inzwischen riesige Makrelenschwärme Richtung Norden und landen in den | |
| Netzen der isländischen Fischer. Und als 2010 wegen der Aschewolke des | |
| Vulkans Eyjafjallajökull der Flugverkehr über mehrere Tage unterbrochen | |
| war, wurde Island auf einmal zum beliebten Reiseziel für Abenteurer. | |
| Seitdem hat der Tourismus sogar noch die Fischerei als bisher wichtigsten | |
| Wirtschaftszweig überholt. Geysire, Wasserfälle, Polarlichter und andere | |
| Naturschauspiele ziehen inzwischen so viele Touristen an, dass die | |
| Flughäfen an ihre Kapazitätsgrenzen kommen. | |
| Auch in Island haben die meisten Parteien Vorwahlen eingeführt. Die | |
| konservativen Wähler versammelten sich Anfang September in dem edlen, | |
| modernen Gebäude, in dem die Unabhängigkeitspartei ihre Zentrale hat, um | |
| die Kandidaten für die 63 Sitze im Parlament zu küren. Vor dem Haus standen | |
| teure Autos, die Damen trugen Schmuck und elegante Schuhe, die Herren | |
| tadellose Anzüge und teure Uhren – fast wie auf einer Karikatur. Im | |
| Festsaal erinnern große Porträts an die beherrschende Rolle der Partei im | |
| politischen Leben seit der Unabhängigkeit 1944. | |
| ## Libertär und rätekommunistisch | |
| Die Konservativen hatten erkannt, dass sich die ärmeren Wähler nach dem | |
| Ärger mit Griechenland und dem Euro eher von den Befürwortern eines | |
| EU-Beitritts (vor allem Sozialdemokraten) abwenden würden als von ihnen – | |
| obwohl sie gerade Steuersenkungen für die Reichen beschlossen hatten. Die | |
| Parteiführung, euroskeptisch im Interesse ihrer betuchten Klientel (vor | |
| allem der Reeder), schrieb im März 2015 an die Europäische Kommission, | |
| Island wolle „nicht mehr als Beitrittskandidat betrachtet werden“. | |
| Damit löste sie jedoch neue Aufregung aus. Zwar will die Mehrheit der | |
| Wähler keinen Beitritt, aber die Regierung hatte ein Referendum | |
| versprochen. Der Bruch dieses Wahlversprechens hatte eine Abspaltung | |
| innerhalb der Konservativen und die Gründung der neuen, europafreundlichen | |
| Mitte-rechts-Partei Viðreisn zur Folge – und die könnte bei der Bildung der | |
| nächsten Regierung das Zünglein an der Waage sein. Die Piratenpartei als | |
| Verfechter der direkten Demokratie legte während der Affäre in Umfragen auf | |
| mehr als 40 Prozent zu, fiel dann aber wieder auf 20 bis 30 Prozent zurück. | |
| Eine gänzlich andere Atmosphäre als im Haus der Konservativen herrscht bei | |
| der Piratenpartei. Eine violette Fahne flattert in einem halbfertigen | |
| Gewerbegebiet über einem Haus mit engen Büros auf zwei Ebenen und Blick auf | |
| das Meer (und die Wale). Drinnen kleine Piratenwimpel, Piratenbierkrüge, | |
| eine Spielecke mit Piratenschiff, ein Regal voller Gesellschaftsspiele. Das | |
| Durchschnittsalter der Kandidaten: um die dreißig. Sind sie bereit für die | |
| Macht? „Wir sind bereit, die Macht neu zu verteilen“, antwortet Björn Leví | |
| Gunnarson, der als Informatiker im Bildungswesen arbeitet. „Wir haben eine | |
| internationale Verantwortung: Wir müssen Hoffnung wecken, dass es eine | |
| andere Politik geben kann“, ergänzt der junge Politikwissenschaftler Viktor | |
| Orri Valgarðsson. | |
| Sind sie links oder rechts? Falsche Frage! „Wir sind antirassistisch, | |
| internationalistisch, für den nordischen Wohlfahrtsstaat, für den Zugang zu | |
| Bildung und Gesundheitswesen, unabhängig von Einkommen oder Wohnort“, | |
| antwortet Valgarðsson. „Wir wollen die Monopole und den Protektionismus | |
| überwinden. Wir kämpfen gegen Korruption und Betrug, aber wir glauben | |
| nicht, dass es die Aufgabe des Staats ist, die Welt egalitärer zu machen. | |
| Das bedeutet für mich: Wenn ein Reicher auf ehrliche Weise reich geworden | |
| ist, ist das okay.“ Seine Mitstreiter setzen etwas andere Akzente, aber im | |
| Prinzip gilt die Partei wahlweise als „libertär“ – wegen ihres Eintretens | |
| für weitreichende Wirtschaftsfreiheit – oder als „rätekommunistisch“ – | |
| wegen ihrer Verteidigung der direkten Demokratie. | |
| ## Für ein bedingungsloses Grundeinkommen | |
| Ein Hauptprojekt der Piraten ist das bedingungslose Grundeinkommen, | |
| allerdings nicht die Version à la Milton Friedman mit einer negativen | |
| Einkommensteuer, sondern in einer mehr solidarischen, linken Version. | |
| Daneben geht es vor allem um den Kampf für Internetneutralität und den | |
| Schutz der persönlichen Daten. | |
| Die Konservativen haben bereits angekündigt, dass sie nicht mit den Piraten | |
| regieren wollen. Möglich scheint hingegen eine Koalition aus Piratenpartei, | |
| der neuen Zentrumspartei Viðreisn, den Sozialdemokraten und der | |
| Links-Grünen Bewegung. Es wäre eine Koalition, in der viele Streitpunkte | |
| vorprogrammiert sind, angefangen vom Verhältnis zu Europa über die Frage | |
| der Umverteilung bis hin zum wirtschaftlichen Protektionismus und dem | |
| Nato-Austritt, für den sich die Links-Grünen wiederholt ausgesprochen | |
| haben. | |
| Deren Parteivorsitzende Katrín Jakobsdóttir gilt im Fall eines | |
| Machtwechsels als Favoritin für den Posten der Ministerpräsidentin. Sie hat | |
| keine Angst vor den neuen Parteien: „Wie überall in Europa wird auch in | |
| Island die politische Landschaft sehr unbeständig. Aber wir müssen uns zum | |
| Glück nicht mit rechtsextremen Parteien herumschlagen. Die Piraten äußern | |
| die Ablehnung des Systems auf ihre Art. Das ist in Ordnung, das sind Leute, | |
| mit denen wir arbeiten können. Natürlich sind wir uns nicht einig, wenn es | |
| um Steuerpolitik oder Staatsausgaben geht. Aber bei der Aufnahme der | |
| Flüchtlinge, bei der Demokratie, den Menschenrechten und der Transparenz | |
| ziehen wir am gleichen Strang. Ich mache mir trotzdem Sorgen, weil überall | |
| das Gefühl wächst, zwischen links und rechts gebe es eigentlich keinen | |
| Unterschied. Für mich war er nie so groß wie heute: Überall kann man sehen, | |
| wie die Ungleichheit zunimmt.“ | |
| Aus dem Französischen von Claudia Steinitz | |
| 28 Oct 2016 | |
| ## AUTOREN | |
| Philippe Descamps | |
| ## TAGS | |
| Island | |
| Parlamentswahl | |
| Piratenpartei | |
| Schwerpunkt Finanzkrise | |
| Sozialpolitik | |
| Jair Bolsonaro | |
| Piratenpartei | |
| Panama Papers | |
| Island | |
| Schwerpunkt Brexit | |
| Island | |
| Island | |
| Lesestück Recherche und Reportage | |
| Island | |
| Island | |
| Schwerpunkt Fußball-EM 2024 | |
| Island | |
| Island | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| Efta-Abkommen mit Nicht-EU-Ländern: Im Zeichen des Rauchs | |
| Während der Regenwald brennt, schließen Norwegen, Island, Liechtenstein und | |
| die Schweiz ein Abkommen mit den Mercosur-Staaten ab. | |
| Absage nach Polizei-Tweet: Wahl ohne Brandenburgs Piraten | |
| Der Tweet eines Bundestagskandidaten über die Schüsse auf eine Polizistin | |
| hat für Ärger gesorgt. Nun zieht der Landesverband seine Kandidatur zurück. | |
| Regierungsbildung in Island: Piraten und Grüne bleiben außen vor | |
| In Reykjavik wird ein Mitte-Rechts-Dreierbündnis regieren. Der neue Premier | |
| ist in den Skandal um die Panama-Papers verwickelt. | |
| Nach Parlamentswahlen in Island: „Teflon-Haut“ will Regierung bilden | |
| Ihre Mitte-Rechts-Regierung haben die Isländer aus dem Amt gescheucht. Die | |
| Konservativen bleiben stärkste Partei, suchen jetzt aber neue Partner. | |
| Streitschrift zur Reformierung der EU: Europa, bitte links abbiegen | |
| Rechtspopulisten sind im Aufwind. Und die EU schwächelt. Mit einer | |
| Streitschrift wollen Rot-Rot-Grüne ein solidarisches und demokratisches | |
| Europa kreieren. | |
| Nach der Parlamentswahl: Islands Regierungschef tritt zurück | |
| Die Isländer haben ihre Regierung abgesägt – die Bildung der neuen wird | |
| schwierig. Dass zwei Parteien keine Mehrheit bilden können, ist völlig | |
| ungewohnt. | |
| Island hat gewählt: Reicht für niemanden | |
| Ihre Regierung haben die Isländer abgewählt. Doch auch einer von den | |
| Piraten angeführten Koalition fehlt wohl die Mehrheit. Wer übernimmt nun? | |
| Das Gesicht der Piraten in Island: Eigensinnig und ganz weit vorne | |
| In anderen Ländern Europas schmiert die Piratenpartei ab. In Island wird | |
| Birgitta Jónsdottír vor der Wahl sogar als Regierungschefin gehandelt. | |
| Stillende Abgeordnete im Parlament: Brust statt Frust! | |
| Die isländische Abgeordnete Unnur Bra Konradsdottir stillt während einer | |
| Rede, die sie selbst hält, ihr Kind. Schön für die Frauen in Island. | |
| Elfenexperte über Bauarbeiten in Island: „Auf mich wirkt das sehr rational“ | |
| In Island mussten Bauarbeiter einen Felsen freilegen und putzen, um die | |
| darin vermuteten Elfen zu besänftigen. Verrückt? Ach was, meint Wolfgang | |
| Müller. | |
| EMtaz: Das ultimative Island-ABC: Von Asgeir bis Zlatan | |
| Super-Fußballer, Super-Schafe, Super-Politiker, Super-Sänger, | |
| Super-Isländer: Kein Wunder, dass sie jetzt EM-Favoriten sind. Ein A-Z vom | |
| EMtaz-Team. | |
| Präsidentschaftswahl in Island: Historiker Jóhannesson wird's | |
| Island hat einen neuen Präsidenten gewählt: Politik-Neuling Gudni Th. | |
| Jóhannesson. Er galt bereits vor der Wahl als klarer Favorit. | |
| Island und die Panama Papers: Erstes hochnotpeinliches Opfer | |
| Ministerpräsident Gunnlaugsson muss den Hut nehmen. Jetzt könnte die | |
| Piratenpartei den nächsten Regierungschef stellen. |