| # taz.de -- Asylpaket der Koalition: Kompromiss im Kanzleramt | |
| > Die Verfahren sollen insgesamt beschleunigt werden, sagte Kanzlerin | |
| > Angela Merkel. Dazu kommen Registrierungszentren und „verschärfte | |
| > Residenzpflicht“. | |
| Bild: Haben sich unter anderem auf Registrierzentren für Flüchtlinge geeinigt… | |
| Berlin dpa | Die Spitzen der schwarz-roten Koalition haben sich nach | |
| wochenlangem Streit auf Grundzüge zur Beschleunigung von Asylverfahren | |
| geeinigt. Aus Koalitionskreisen hieß es am Donnerstag, Kanzlerin Angela | |
| Merkel (CDU), SPD-Chef Sigmar Gabriel und der CSU-Vorsitzende Horst | |
| Seehofer hätten sich verständigt, besondere Aufnahmeeinrichtungen zu | |
| schaffen. Dort soll für Flüchtlinge mit geringen Bleibechancen eine | |
| „verschärfte Residenzpflicht“ gelten. Vorgesehen sind drei bis fünf | |
| Standorte in ganz Deutschland, davon die ersten beiden in den bayerischen | |
| Städten Bamberg und Manching. | |
| Weitere Punkte, auf die sich CDU, CSU und SPD geeinigt haben: | |
| – Aufnahmeeinrichtungen: Asylbewerber mit geringen Bleibechancen sollen den | |
| Landkreis nicht verlassen dürfen, in dem diese besonderen Zentren liegen. | |
| Sonst würden Leistungen gestrichen. SPD-Kreise werteten dies als Abkehr von | |
| den von der Union verlangten Transitzonen. Es werde keine Haft und keine | |
| haftähnlichen Bedingungen geben, die von den Sozialdemokraten strikt | |
| abgelehnt worden waren. Auch die Union hatte betont, es gehe nicht um Haft, | |
| sondern eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit. | |
| – Betroffene Flüchtlinge: In den drei bis fünf Zentren sollen beschleunigte | |
| Verfahren für Bewerber aus sicheren Herkunftsländern wie den Balkanstaaten | |
| abgewickelt werden. Bestimmt sind die Einrichtungen auch für Flüchtlinge | |
| mit einer Wiedereinreisesperre, wenn sie Folgeanträge stellen oder keine | |
| gültigen Ausweispapiere haben. | |
| – Familiennachzug: Wie von der Union verlangt, soll für eine bestimmte | |
| Flüchtlingsgruppe für zwei Jahre der Nachzug von Angehörigen ausgesetzt | |
| werden. Dies gilt demnach für Menschen, die nicht nach der Genfer | |
| Flüchtlingskonvention oder dem Asyl-Grundrecht anerkannt werden, aber in | |
| der Bundesrepublik bleiben dürfen. Sie erhalten nur einen sogenannten | |
| „subsidiären Schutz“ in Deutschland. | |
| – EU-Außengrenzen/Afghanistan: Union und SPD betonen den dpa-Informationen | |
| zufolge die Notwendigkeit eines strikten Schutzes der EU-Außengrenzen. Die | |
| Koalitionspartner unterstreichen den Willen Deutschlands, sich gemeinsam | |
| mit den USA weiter an der Stabilisierung Afghanistans zu beteiligen. Die | |
| von der Union angepeilte Einrichtung spezieller Schutzzonen in dem Land, in | |
| die abgelehnte Asylbewerber zurückgeschickt werden könnten, kommt demnach | |
| in einem gemeinsamen Papier beider Seiten nicht vor. | |
| ## Treffen mit Ministerpräsidenten | |
| Der Beginn des ursprünglich für 17.30 Uhr geplanten Treffens mit den | |
| Ministerpräsidenten wurde auf 19.15 Uhr verschoben. Offen blieb, ob Merkel, | |
| Gabriel und Seehofer anschließend erneut zu weiteren Beratungen im kleinen | |
| Kreis zusammenkommen wollten. | |
| Der große Flüchtlingsandrang bringt die offizielle Prognose von 800.000 | |
| Asylbewerbern in diesem Jahr in Deutschland immer stärker ins Wanken. | |
| Bisher wurden schon 758.000 Flüchtlinge registriert, wie das | |
| Bundesinnenministerium am Donnerstag in Berlin mitteilte. Wichtigste | |
| Herkunftsländer der bisher registrierten 758.000 Flüchtlinge waren Syrien, | |
| Albanien, Afghanistan, der Irak und das Kosovo. | |
| Die im August vorgelegte Regierungsprognose von 800.000 Menschen bis | |
| Jahresende ist damit kaum noch zu halten. Dies wären mit Abstand so viele | |
| wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Seit Wochen gibt es | |
| inoffizielle Schätzungen und Hochrechnungen, dass die Zahl deutlich höher | |
| liegen könnte – bei 1,0 bis 1,5 Millionen. | |
| Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hielt aber weiterhin an seiner | |
| Vorhersage fest. Die Herausgabe einer neuen Prognose könnte verstanden | |
| werden als „zusätzliche Einladung, zu uns zu kommen“, sagte er in Berlin. | |
| „Ein solches Signal möchte ich nicht aussenden.“ | |
| 5 Nov 2015 | |
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