| # taz.de -- Anbauverbote für Gentech-Pflanzen: Flickenteppich befürchtet | |
| > Agrarminister Schmidt will für Genpflanzen eine Regelung auf Länderebene, | |
| > weil diese „rechtssicherer“ sei. Nicht nur das SPD-geführte | |
| > Umweltministerium widerspricht. | |
| Bild: In einigen EU-Ländern wird bereits Gentech-Mais angebaut | |
| BERLIN taz/dpa | Bundesagrarminister Christian Schmidt will Verbote von | |
| EU-weit zugelassenen Genpflanzen nicht bundesweit umsetzen, sondern nur auf | |
| Länderebene. Von den Bundesländern seien die EU-rechtlich vorgesehenen | |
| Voraussetzungen am besten rechtssicher zu erfüllen, sagte der CSU-Politiker | |
| zu dpa. „Das Verbot soll nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch | |
| einer gerichtlichen Überprüfung standhalten.“ | |
| Auf Nachfrage begründete ein Ministeriumssprecher Schmidts Aussage mit der | |
| „kleinstrukturierten Landwirtschaft“, die dazu führe, dass ein Anbauverbot | |
| „nicht flächendeckend für ganz Deutschland“ gerechtfertigt werden könnte. | |
| Der Agrarminister vollzieht damit eine Kehrtwende: Noch bei der Eröffnung | |
| der Grünen Woche im Januar hatte er angekündigt, „eine nationale Regelung, | |
| die den Anbau in Deutschland grundsätzlich nicht zulässt, auf den Weg zu | |
| bringen“. | |
| Schmidts neue Haltung dürfte zu einem Konflikt in der Großen Koalition | |
| führen, die den Gesetzentwurf für Gentechnikverbote derzeit berät. Das von | |
| Barbara Hendricks (SPD) geführte Bundesumweltministerium strebe weiterhin | |
| „eine bundesweit einheitliche Regelung“ an, sagte eine Sprecherin der taz. | |
| „Nur mit einem nationalen Anbauverbot können wir einen Flickenteppich | |
| verhindern.“ | |
| Scharfe Kritik an Schmidts Vorschlag kam von den Grünen. Indem er „dreist“ | |
| alle bisherigen Ankündigungen über den Haufen werfe, versuche der Minister, | |
| „den großen Gentechnik-Betrug zu vollenden“, sagte der | |
| Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. Bei einer Regelung auf Länderebene | |
| würden nicht alle Länder Genpflanzen verbieten, fürchtet er. | |
| Als besonders gentechnikfreundlich gilt etwa Sachsen-Anhalt. Auch Priska | |
| Hinz, Landwirtschaftsministerin in Hessen und Vorsitzende der | |
| Agrarministerkonferenz der Länder, protestierte gegen den Vorschlag. Nur | |
| durch eine einheitliche Regelung könnten „Wettbewerbsverzerrungen für die | |
| Landwirte in Deutschland vermieden werden“, sagte sie. Die große Mehrheit | |
| der Bevölkerung wolle keinen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. | |
| Die EU-Staaten sollen nach einer Grundsatzeinigung mehr Spielraum bekommen, | |
| den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen trotz europaweiter Zulassung | |
| auf ihrem Gebiet per Ausstiegsklausel zu verbieten. Das Gesetz zur | |
| Umsetzung in Deutschland soll voraussichtlich im Herbst in Kraft treten. | |
| (MKR) | |
| 22 Feb 2015 | |
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