| # taz.de -- Die Rente und die Union: Vier Auswege aus dem Rentenstreit | |
| > Die Junge Gruppe in der Unionsfraktion droht, das Rentenpaket scheitern | |
| > zu lassen. Die SPD ist zu einer Veränderung nicht bereit. Wie also | |
| > weiter? | |
| Bild: Kommen sie Merz entgegen? Mitglieder der Jungen Union während einer Rede… | |
| Am Donnerstag kommen die Spitzen von Union und SPD im Kanzleramt zum | |
| Koalitionsgipfel zusammen. Ein Thema dabei, erneut: [1][das Rentenpaket]. | |
| Das hat das Kabinett längst passiert, die jungen Abgeordneten der Union | |
| aber drohen damit, im Bundestag nicht zuzustimmen. Die eigene Mehrheit der | |
| schwarz-roten Koalition wäre dahin. | |
| Die Junge Gruppe stößt sich vor allem an einem Satz im Gesetzentwurf von | |
| SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas: „Auch 2031 liegt das Rentenniveau um rund | |
| einen Prozentpunkt höher als im geltenden Recht.“ Das geht ihrer Ansicht | |
| nach [2][über den Koalitionsvertrag hinaus] und verursache bis 2040 | |
| Mehrkosten von bis zu 120 Milliarden Euro. | |
| Für die SPD dagegen ist die Formulierung die logische Konsequenz daraus, | |
| dass sich die Koalition auf die sogenannte Haltelinie bis 2031 verständigt | |
| hat: Dass also das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent des | |
| Durchschnittseinkommens stabilisiert wird. Für die SPD ist das ein | |
| Kernanliegen, zu Nachverhandlungen am Gesetzestext ist sie nicht bereit. | |
| Die Situation ist also verfahren. Vier Szenarien für mögliche Auswege. | |
| 1. Verschieben | |
| Die Koalition könnte das Paket entweder zurückziehen oder erst weiter | |
| verfolgen, wenn die Rentenkommission im kommenden Jahr ihre Ergebnisse | |
| vorgestellt hat – und dann weitreichendere Reformen mit dem aktuellen Paket | |
| verschränken. Das wäre möglich, weil das Rentenniveau wohl bis 2029 nicht | |
| unter 48 Prozent fallen wird. Aber keine der drei Parteien will das. Jede | |
| hat ein Lieblingsprojekt, das in dem Paket steckt: Für die SPD ist es die | |
| Haltelinie, für die CDU die Aktivrente, die Rentner*innen zu längerem | |
| Arbeiten motivieren soll, für die CSU die [3][Ausweitung der Mütterrente]. | |
| Und: Die Koalition würde reformunfähig erscheinen. Zudem haben sich alle | |
| drei Parteispitzen festgelegt: Das Paket werde noch in diesem Jahr | |
| verabschiedet. Eine Verschiebung ist also unwahrscheinlich. | |
| 2. Den umstrittenen Satz streichen | |
| Scheint logisch, wenn sich alle ohnehin für grundlegende Reformen | |
| aussprechen, die nach 2031 wirken würden. Das aber macht die SPD nicht mit, | |
| zu zentral ist für sie die langfristige Stabilisierung des Rentenniveaus. | |
| Hier gilt wohl: Entweder kommt das ganze Paket oder keines der Elemente. | |
| Ist also nahezu ausgeschlossen. | |
| 3. Der Jungen Gruppe andere Zugeständnisse machen | |
| Gespräche fänden derzeit ständig und auf allen Ebenen statt, heißt es aus | |
| der Union. Dass sich die Junge Gruppe mit einem ergänzenden sogenannten | |
| Entschließungsantrag einfangen lässt, ist eher unwahrscheinlich, denn der | |
| wäre nicht verbindlich. Ob ein Sitz in der Rentenkommission etwa für Pascal | |
| Reddig, den Vorsitzenden der Jungen Gruppe, diese besänftigen würde, ist | |
| ebenfalls fraglich. Die Abgeordneten der Jungen Gruppe wollen eine | |
| möglichst verbindliche Zusage, dass die Mehrkosten von bis zu 120 | |
| Milliarden Euro bis 2040 überhaupt nicht entstehen. | |
| Wie die aussehen könnte, ist bislang unklar. Aber nach einer Lösung wird | |
| derzeit händeringend gesucht. Wichtig ist dabei auch die Sorge, dass – | |
| sollte die Koalition keine Lösung finden – es bei der knappen Mehrheit | |
| künftig schwer werden könnte, überhaupt irgendetwas durchzusetzen. 13 | |
| unzufriedene Abgeordnete finden sich ziemlich schnell. Wohl der | |
| wahrscheinlichste Ausweg. | |
| 4. Vertrauensfrage | |
| Bundeskanzler Friedrich Merz könnte das Rentenpaket an eine Vertrauensfrage | |
| koppeln und so eine Zustimmung erzwingen. Dass die Junge Gruppe am Sturz | |
| ihres Kanzlers schuld sein will, ist eher unwahrscheinlich. Die Kopplung | |
| der Vertrauensfrage an eine Sachentscheidung gab es bislang nur einmal: Als | |
| Gerhard Schröder 2001 damit die Zustimmung der rot-grünen Regierung zum | |
| Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan erzwang. Merz würde damit die eigene | |
| Führungsschwäche eingestehen, mit unkalkulierbaren Konsequenzen. Er hat die | |
| Vertrauensfrage bislang ausgeschlossen. Also: höchst unwahrscheinlich. | |
| 25 Nov 2025 | |
| ## LINKS | |
| [1] /Streit-ueber-Rentenpaket/!6126504 | |
| [2] https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/koalitionsvertrag-2025-234… | |
| [3] /Diskussion-um-Muetterrente/!6077956 | |
| ## AUTOREN | |
| Sabine am Orde | |
| ## TAGS | |
| SPD | |
| Bundesregierung | |
| Rente | |
| CDU/CSU | |
| Social-Auswahl | |
| Schwarz-rote Koalition | |
| Jusos | |
| SPD | |
| Rente | |
| Rente | |
| Schwarz-rote Koalition | |
| Rente | |
| Rente | |
| Kanzler Merz | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| Rentenstreit in der Union: Von Ströbele lernen | |
| Die Rentenrebellen in der Jungen Gruppe sollten sich absprechen: Ein paar | |
| Gegenstimmen sind okay, aber die Koalition dürfen sie nicht aufs Spiel | |
| setzen. | |
| Juso-Bundeskongress in Mannheim: Der Nachwuchs ist verbittert | |
| Die Jusos machen bei ihrem Bundeskongress deutlich, dass sie an der SPD | |
| verzweifeln. Dort sollte man den drohenden Burnout der Jungen ernst nehmen. | |
| Bundeskongress der Jusos: Frustrierte Fundamentalkritik vom Parteinachwuchs | |
| In Mannheim stellt sich SPD-Chefin Bärbel Bas der Kritik der Jugend. Die | |
| Jusos zeigen sich erschöpft vom Kampf an allen Seiten. | |
| Ergebnis des Koalitionsausschusses: Eine Frage des Vertrauens | |
| Das Rentenpaket soll so kommen, wie im Kabinett beschlossen. Einige | |
| Zugeständnisse an die Jungen in der Union gibt es. Aber reichen ihnen | |
| diese? | |
| Die soziale Rentenkluft: Rentenreform trifft vor allem die Armen | |
| Die Ärmeren arbeiten härter und sterben früher. Sie schaffen es schon jetzt | |
| kaum bis zum offiziellen Renteneintrittsalter. Eine Anhebung träfe sie | |
| doppelt. | |
| Studie zu Rentenpaket: „Nicht ungerecht für jüngere Generationen“ | |
| Ökonom*innen zeigen in einer Studie, dass auch junge Menschen von den | |
| Rentenplänen der Regierung profitieren –anders als von der Jungen Union | |
| behauptet. | |
| Rebellion der Jungen Union: Alle Räder stehen still, wenn dein Tennisarm es wi… | |
| Die Junge Union blockiert das Rentenpaket der Bundesregierung. Gut so! | |
| Sonst wird sich auch die nächsten Jahre nichts verändern. | |
| Streit über Rentenpaket: Was passiert mit der Rente? | |
| Das Bundeskabinett hatte das Rentenpaket schon beschlossen, doch jetzt | |
| könnte es an 18 jungen Unionsabgeordneten scheitern. Worum es eigentlich | |
| geht. | |
| Rentenstreit in der Union: Ein Debakel mit Ansage | |
| Kanzler Merz demonstriert wieder einmal, dass er die Kunst der | |
| Regierungsführung nicht beherrscht. Für die Reformfähigkeit verheißt das | |
| nichts Gutes. |