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# taz.de -- Extreme Waldbrände: Spanien in Flammen
> Es brennt in zahlreichen Regionen: Das Feuer hat Tote gefordert, mehr als
> 20.000 Menschen mussten zudem evakuiert werden.
Bild: Anwohner und freiwillige Helfer versuchen einen Waldbrand zu löschen
Madrid taz | Ein solches Inferno hat die Iberische Halbinsel noch nie zuvor
gesehen. Am Wochenende waren um die 40 Brände aktiv, davon gilt die Hälfte
als extrem gefährlich. Sie bedrohen Dörfer, Menschen und Vieh. Dutzende
Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Drei Tote sind zu beklagen.
23.000 mussten evakuiert werden. So mancher fand sein Haus bei der Rückkehr
als Brandruine vor.
[1][Spaniens] Ministerpräsident Pedro Sánchez unterbrach am Sonntag seinen
Urlaub. Er besuchte zwei stark betroffene Regionen in Nordspanien. „Es
stehen schwierige Tage bevor“, erklärte er bei seinem Besuch im
Koordinationszentrum für Waldbrandbekämpfung in nordwestspanischen Ourense.
Sánchez versprach weitere Hilfe und Einheiten der Armee und dankte den
Ländern der Europäischen Union für die geschickten Löschflugzeuge und
Feuerwehrausrüstung. Die seit nunmehr zwei Wochen anhaltende
Brandkatastrophe sei Folge „[2][einer Klimanotlage, die immer schlimmer
wird und schneller voranschreitet] und die Iberische Halbinsel in allen
Jahreszeiten immer stärker betrifft“.
Seit Anfang August sind über 100.000 Hektar im nordwestspanischen Galicien,
der Nachbarregion Asturien, dem zentralspanischen Kastilien und León, in
der Extremadura und auch in der Hauptstadtregion Madrid abgebrannt. Seit
Jahresbeginn verschlangen über 200 Waldbrände in ganz Spanien um die
157.000 Hektar. Zum Vergleich: Berlin ist 89.000 Hektar groß, Wien 41.500.
Nach der Löschung der Feuer stehe der Wiederaufbau an, so Sánchez, aber
auch eine parteiübergreifende Klimapolitik.
## Temperaturen deutlich über 40 Grad
Die jetzige Brandkatastrophe begann zeitgleich mit einer in Spanien
beispiellosen Hitzewelle. [3][Die Temperaturen steigen in vielen Regionen
auf deutlich über 40 Grad]. Selbst in Nordspanien werden über 35 Grad
gemessen. Nachts kühlt es nur wenig ab. Starke Winde fachen die Feuer
zusätzlich an. Trockene Gewitter mit Blitzen, aber ohne Regen verursachen
zusätzliche Brandherde.
Viele der großen Feuer sind nach Einschätzung Behörden das Ergebnis
fahrlässiger Handlungen oder gar absichtlich gelegt worden. Eines davon, in
der Provinz Ávila in Kastilien und León, von einem Feuerwehrmann, der
dieses Jahr keinen Saisonjob erhielt. Schafherden, Ackerland,
Weinbaugebiete und auch abgelegene Dörfer fielen dem Feuer zum Opfer.
Mehrere Bahnstrecken, darunter der Hochgeschwindigkeitszug Madrid-Galicien
sowie neun Land- und drei Fernstraßen sind unterbrochen. Das Weltkulturerbe
Médulas – einstige Tagebauminen der Römer – wurde vom Feuer verschlungen.…
mehren National- und Naturparks brennt es. Die historische Stadt Hervás in
der Extremadura ist vom Feuer eingeschlossen.
Im Frühjahr hatte es sogar überdurchschnittlich viel geregnet. Die
Vegetation wuchs stärker als in anderen Jahren – und trocknete dann dank
der Hitze schnell aus. So bildete sie das Material für Großbrände. Die
Brände weiten sich mit hoher Geschwindigkeit aus. 20 Stundenkilometer und
mehr sind keine Seltenheit. So ist zu erklären, dass etwa in der Provinz
León ein Dorf abbrannte, das 80 Kilometer vom ursprünglichen Brandherd
entfernt liegt.
## Feuerwehr überfordert
Die Feuerwehren und die Katastrophenschutzeinheit der spanischen Armee sind
völlig überfordert. Die für den Brand- und Katastrophenschutz zuständigen
Autonomen Gemeinschaften, vergleichbar mit den deutschen Bundesländern,
hätten viel zu wenig investiert, beklagen sich die Betroffenen.
Vielerorts retteten Anwohner, die sich der Evakuierung widersetzten, selbst
mit landwirtschaftlichem Gerät ihre Dörfer. Wie viele Häuser bisher
zerstört wurden, und wie hoch der Schaden in Viehzucht und Landwirtschaft
ist, kann noch keiner genau sagen. „Aktionen dieser Art stellen eine ernste
Gefahr für das Leben der Beteiligten und der beteiligten Einsatzkräfte dar.
Die Öffentlichkeit wird gebeten, den Anweisungen der Sicherheits- und
Notfallteams strikt Folge zu leisten“, fordert die Guardia Civil die
Bevölkerung auf, die Selbsthilfe zu unterlassen.
„Die Waldbewirtschaftung zur Brandverhütung muss an die spezifischen
Merkmale und Bedürfnisse der einzelnen Regionen angepasst werden“, mahnt
die Umweltschutzorganisation Ecologistas en Acción.
In Spanien sind mehr als 55 Prozent Fläche bewaldet oder Buschland. Diese
Flächen wachsen langsam, aber stetig. Der Grund ist die Landflucht und
damit die Aufgabe der Landwirtschaft und Viehzucht. „In Gebieten rund um
Ballungszentren kann eine intensivere Bewirtschaftung erforderlich sein, um
die Biomasse zu reduzieren, den Zugang zu erleichtern und so die
Löschkapazität zu erhöhen“, resümiert die Umweltschutzorganisation.
Doch eine solche vorausschauende Forstwirtschaft kostet viel Geld. Nur
wenige Regionen unterhalten ganzjährig spezialisierte Einsatzkräfte, die
die Waldbestände hüten und vom leicht entzündbaren Unterholz säubern.
Die Gewerkschaften beklagen Personalmangel, lange Arbeitstage und
unzureichende Ausbildung der Feuerwehrleute in vielen Regionen. In der von
der konservativen Partido Popular mithilfe der rechtsextremen VOX regierten
Autonomen Gemeinschaft Kastilien und León wurde sogar das Personal vieler
Wachtürme durch ein Kamerasystem ersetzt, das die Feuer oft viel zu spät
meldet.
17 Aug 2025
## LINKS
[1] /Spanien/!t5007905
[2] /Studie-zu-Feuern-in-der-Klimakrise/!6104458
[3] /Hitzewelle-in-Spanien/!5988192/
## AUTOREN
Reiner Wandler
## TAGS
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