| # taz.de -- Volksabstimmung in der Schweiz: Schwexit ohne EU-Mitgliedschaft | |
| > Die rechtskonservative Schweizer SVP ruft erneut zur Volksabstimmung über | |
| > ein Ende der Freizügigkeit mit der EU. Alle anderen sind dagegen. | |
| Bild: Wahlplakat der SVP in Zürich | |
| Berlin taz | In der Schweiz findet am Sonntag [1][zum wiederholten Mal] in | |
| den letzten Jahren eine [2][Volksabstimmung] über die Forderung nach | |
| Begrenzung der Zuwanderung statt. Eine erneut von der rechtskonservativen | |
| „Schweizer Volkspartei“ (SVP) angestoßene „Begrenzungsinitiative“ ford… | |
| die stimmberechtigen Eidgenoss*innen auf, „Ja“ zu sagen zu einer „maßvol… | |
| Zuwanderung“. | |
| Alle anderen Parteien sowie die Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und | |
| Kirchen des Landes lehnen die Initiatve ab. Ihre Annahme durch das | |
| Stimmvolk würde höchstwahrscheinlich das Ende der sieben bilateralen | |
| Abkommen zwischen der Schweiz und der EU bedeuten | |
| Diese sieben Abkommen hatte das Volk bei einer Abstimmung im Jahr 2000 mit | |
| 67,2 Prozent der Stimmen abgesegnet. Die Abkommen ermöglichen der Schweizer | |
| Wirtschaft den Zugang zum europäischen Markt. Eines dieser Abkommen ist das | |
| Personenfreizügigkeitsabkommen (FZA). | |
| Es erlaubt es Schweizer Bürgerinnen und Bürgern unter bestimmten | |
| Bedingungen, in der EU zu leben, zu arbeiten und zu studieren. Für | |
| EU-Bürgerinnen und -Bürger gilt das Gleiche in Bezug auf die Schweiz. Wird | |
| das FZA gekündigt, so treten automatisch auch die anderen sechs Abkommen | |
| außer Kraft. | |
| ## Gegen angebliche „Massenzuwanderung“ | |
| Ein von [3][der SVP] gegründetes und finanziertes Komitee, das gegen die | |
| Personenfreizügigkeit ist, hat die Begrenzungsinitiative eingereicht. Laut | |
| dem Komitee herrsche in der Schweiz eine Massenzuwanderung. Diese führe zu | |
| steigender Arbeitslosigkeit und gefährde Wohlstand, Freiheit und Sicherheit | |
| der Schweizer Bürgerinnen und Bürger. | |
| Nach Auffassung der Berner Bundesregierung (Bundesrat) hingegen ist der | |
| bilaterale Weg, den die Schweiz gewählt hat, der richtige. Er habe es | |
| erlaubt, auf die Bedürfnisse der Schweiz und ihrer Bürger*innen | |
| zugeschnittene Lösungen zu finden. | |
| Die bilateralen Abkommen garantierten ausgewogene Beziehungen zu der EU, | |
| dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz. Ohne diese Abkommen wären | |
| Wohlstand und Arbeitsplätze in der Schweiz in Gefahr. | |
| Würde die Begrenzungsinitiative und damit die Beendigung der | |
| Personenfreizügigkeit angenommen, müsste der Bundesrat mit der EU innerhalb | |
| von 12 Monaten das Ende der Freizügigkeit aushandeln. Gelingt dies nicht, | |
| so muss er das FZA innerhalb weiterer 30 Tage einseitig kündigen. In diesem | |
| Fall käme die sogenannte Guillotine-Klausel zur Anwendung und alle sieben | |
| bilateralen Abkommen würden außer Kraft treten. | |
| 26 Sep 2020 | |
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| [1] /Zuwanderung-in-die-Schweiz/!5020410 | |
| [2] /Zuwanderung-in-die-Schweiz/!5020410 | |
| [3] /Rechte-Parteien-in-Europa/!5656335&s=SVP/ | |
| ## AUTOREN | |
| Andreas Zumach | |
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