| # taz.de -- Länder gegen Grundgesetzänderung: Sechzehn zu null | |
| > Die MinisterpräsidentInnen lehnen die vom Bundestag beschlossen Änderung | |
| > des Grundgesetzes ab. Damit steht auch der Digitalpakt auf der Kippe. | |
| Bild: Harmonie über Parteigrenzen hinweg: Die Grundgesetz-Änderung will niema… | |
| Der Bundesrat wird der [1][Änderung des Grundgesetzes] am 14. Dezember | |
| nicht zustimmen. Alle 16 Länder haben sich auf der | |
| Ministerpräsidentenkonferenz, MPK, in Berlin am Mittwoch einstimmig dagegen | |
| ausgesprochen. Damit liegt auch der Digitalpakt, der fünf Milliarden Euro | |
| für WLAN, Lernplattformen, Tablets, also für die Digitalisierung der | |
| Schulen vorsieht, vorläufig auf Eis. | |
| Bildung ist bislang ausschließlich Ländersache. Doch viele Länder und | |
| Kommunen sind knapp bei Kasse. Jahrelang hatte vor allem die SPD für eine | |
| Aufhebung des grundgesetzlichen Kooperationsverbots geworben, damit auch | |
| der Bund Schulen direkt bezuschussen kann. Nun schien es so weit. An der | |
| „Zukunftsaufgabe“ Digitalisierung wollten Bund, Länder und Kommunen | |
| zusammenarbeiten. | |
| Im Koalitionsvertrag machten Union und SPD eine Änderung des Grundgesetzes | |
| zur Voraussetzung für den Digitalpakt. Auf den hatten sich die | |
| BildungsministerInnen der Länder und die damalige Bundesbildungsministerin | |
| schon vor zwei Jahren verständigt. Im Bundestag stimmten vergangenen | |
| Donnerstag die Abgeordneten von Union und SPD zusammen mit Grünen und FDP | |
| der Grundgesetzänderung zu. | |
| Doch ein Detail war, [2][so die Ministerpräsidenten], mit ihnen nicht | |
| abgesprochen. Im „über Nacht“ (MinisterpräsidentInnen) neu gefassten | |
| Artikel 104b steht sinngemäß: Für alle Investitionen des Bundes müssen die | |
| Länder künftig den gleichen Betrag obendrauf legen. Für den Digitalpakt | |
| gilt das noch nicht – hier müssen die Länder nur einen Eigenanteil von zehn | |
| Prozent erbringen. Aber ab 2020 gilt dann: Wir machen halbe-halbe. | |
| ## Bundestagsabgeordnete zeigen Verständnis | |
| Die LänderchefInnen, egal ob von Grünen, SPD, CDU, CSU oder Linkspartei, | |
| sind sich außergewöhnlich einig: So nicht. Die | |
| Bund-Länder-Finanzbeziehungen würden damit auf eine ganz neue Art fixiert, | |
| meinte der amtierende Vorsitzende der MPK, Hamburgs Bürgermeister Peter | |
| Tschentscher. Für den SPD-Politiker ist eine solche Grundgesetzänderung ein | |
| „Rückschritt“. „Das würde bedeuten, dass finanzschwache Länder, die | |
| gefördert werden sollen, nicht mehr mithalten können“, meint Tschentscher. | |
| Bundestagsabgeordnete, die gerade noch für den Passus votierten, wie der | |
| SPD-Bildungsexperte Oliver Kaczmarek, zeigen sogar Verständnis: „Es ist | |
| legitim, wenn die Länder über die Rahmenbedingungen der Finanzinvestitionen | |
| verhandeln wollen.“ Der CDU-Abgeordnete Tankred Schipanski meint dagegen: | |
| „Die 50-50-Regelung ist völlig angemessen.“ | |
| Er verweist darauf, dass die Länder ab 2020 jedes Jahr um 9,7 Milliarden | |
| Euro entlastet würden. „Wir müssen auf jeden Fall am Kriterium der | |
| Zusätzlichkeit festhalten.“ Die Länder wollen am 14. Dezember gemeinsam den | |
| Vermittlungsausschuss anrufen. Sowohl Bundestag und Bundesrat müssen einem | |
| Ergebnis dann noch zustimmen. Für den Digitalpakt heißt es: Er startet | |
| jedenfalls nicht zum 1. Januar 2019. | |
| 5 Dec 2018 | |
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| [1] /Thueringens-Kultusminister-zu-Digitalpakt/!5553396 | |
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| ## AUTOREN | |
| Anna Lehmann | |
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