| # taz.de -- Streit um Flüchtlingskrise: Gauck für Kompromiss | |
| > Europäische und regionale Lösungen können sich ergänzen, sagt | |
| > Bundespräsident Joachim Gauck. Die Bundesregierung scheint wenig | |
| > optimistisch. | |
| Bild: Heimspiel für Gauck: Bundespräsident für europäischen Kompromiss, irg… | |
| Berlin taz | Bundespräsident Joachim Gauck hat Kompromisse in der EU zur | |
| Flüchtlingspolitik gefordert. Es sei nicht undenkbar, dass sich europäische | |
| und regionale Lösungen ergänzten, sagte Gauck am Freitag bei einer | |
| Podiumsdiskussion im Schloss Bellevue. „Mag sein, dass dabei eine | |
| Kompromisslösung entsteht, die uns und manch anderen Europäern | |
| unbefriedigend erscheint. Aber wir würden doch wenigstens | |
| beieinanderbleiben.“ | |
| Es dürfe nicht passieren, dass das Einigungswerk von Jahrzehnten an der | |
| Flüchtlingsfrage zerbreche, sagte Gauck. Einige Länder hätten eine | |
| Begrenzungs- oder Abgrenzungsstrategie beschlossen. Man könne dies | |
| ablehnen, aber auch Gründe dafür benennen, sagte Gauck. Allerdings werde | |
| Europa nur gemeinsam einen wirksamen Beitrag zur Eindämmung von | |
| Fluchtursachen und zur Bekämpfung von Fluchtverursachern leisten. | |
| Die Lage in der EU hatte sich zuletzt zugespitzt. Österreich und neun | |
| weitere Länder entlang der Balkanroute hatten am Mittwoch beschlossen, die | |
| Kontrollen an der griechisch-mazedonischen Grenze zu verschärfen. | |
| Mazedoniens Regierung lässt nur noch wenige Syrer und Iraker in Richtung | |
| Mitteleuropa passieren und weist viele Menschen ab. In Griechenland, wo | |
| Tausende Flüchtlinge über die Ägäis eintreffen, kam es zu chaotischen | |
| Situationen. Geflüchtete, die nicht weiterkamen, kampierten im Freien. | |
| Die Bundesregierung vermied es am Freitag, Mazedonien offen zu kritisieren. | |
| Regierungssprecher Steffen Seibert betonte einmal mehr die Notwendigkeit | |
| einer „gemeinsamen europäischen Lösung“. Die deutsche Regierung, so | |
| Seibert, sei daran interessiert, dass alle EU-Staaten gemeinsam handelten, | |
| statt dass nur einzelne Staaten und Staatengruppen Maßnahmen ergriffen. | |
| ## De Maizière und merkel offenbar uneins | |
| Regierungssprecher Seibert dämpfte die Erwartungen an den Türkei-Gipfel am | |
| 7. März, der nach Ansicht der Bundesregierung keine komplette Lösung der | |
| Flüchtlingskrise bringen werde. „Auch danach werden nicht alle Probleme | |
| schlagartig gelöst sein.“ Bei dem Kurs, die Fluchtursachen zu bekämpfen und | |
| die Außengrenzen in Zusammenarbeit mit der Türkei besser zu kontrollieren, | |
| komme man schrittweise voran. Bei dem Gipfel werde man mit der Türkei und | |
| den europäischen Partnern den Stand feststellen und die Agenda | |
| fortentwickeln. | |
| Damit machte sich Seibert eine Ankündigung von Innenminister Thomas de | |
| Maizière (CDU) ausdrücklich nicht zu eigen. De Maizière hatte am Mittwoch | |
| nach einem Treffen der EU-Innenminister von einer Frist bis zum 7. März | |
| gesprochen. Bis dahin müsse es einen drastischen Rückgang der | |
| Flüchtlingszahlen in Griechenland geben. Die EU wolle sehen, dass die | |
| Türkei entschlossen gegen illegale Migration vorgehe. | |
| Falls es bis zu dem Türkei-Gipfel „keine sichtbaren Ergebnisse“ gebe, müs… | |
| über andere Schritte nachgedacht werden, sagte de Maizière. Was das heißt, | |
| präzisierte er nicht. Kanzlerin Angela Merkel teilt diese Ansicht offenbar | |
| nicht. Regierungssprecher Seibert betonte: „Wir sind in einem Prozess.“ | |
| Unterdessen stimmte der Bundesrat dem Asylpaket II zu. Damit können mehrere | |
| Asylrechtseinschränkungen – zum Beispiel beim Familiennachzug – in Kraft | |
| treten. | |
| 26 Feb 2016 | |
| ## AUTOREN | |
| Ulrich Schulte | |
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