| # taz.de -- Papier der CDU nach Übergriffen in Köln: Schneller abschieben bei… | |
| > Asylbewerber mit Bewährungsstrafen sollen künftig abgeschoben werden | |
| > können – so will es die CDU. Und auch die Schleierfahndung schwebt der | |
| > Partei vor. | |
| Bild: Bessere Laune nach dem Beschluss? Angela Merkel (3.v.l.), Generalsekretä… | |
| Mainz dpa | Die CDU-Spitze dringt nach den massiven Angriffen auf Frauen an | |
| Silvester in Köln auf schärfere Gesetze. Der Parteivorstand beschloss bei | |
| seiner Klausur in Mainz am Samstagmorgen eine „Mainzer Erklärung“. Darin | |
| geht es unter anderem um ein härteres Vorgehen gegen kriminelle Ausländer | |
| und die Einführung der „Schleierfahndung“, also verdachtsunabhängige | |
| Personenkontrollen. | |
| An einigen Stellen wurde das Papier gegenüber dem Entwurf verschärft. | |
| Asylberechtigte, Flüchtlinge und Asylbewerber sollten bereits dann von | |
| einer Aufenthaltsberechtigung ausgeschlossen werden, wenn sie | |
| „rechtskräftig wegen einer Straftat zu einer Freiheitsstrafe auch unter | |
| Bewährung verurteilt wurden, um so insbesondere auch Serienstraftäter | |
| erfassen zu können“. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hatte sich | |
| dafür eingesetzt, dass anders als bisher auch Bewährungsstrafen | |
| berücksichtigt werden. | |
| Nach Angaben von Teilnehmern hatten Vorstandsmitglieder vor Merkel am | |
| Freitagabend bei der Vorstandsklausur in Mainz ein dramatisches Bild der | |
| Lage gezeichnet. „Die Stimmung an der Basis ist unterirdisch“, sagte | |
| demnach der Chef des Unions-Mittelstands (MIT), Carsten Linnemann. Wenn der | |
| Zustrom an Flüchtlingen so bleibe wie bisher, werde Integration in | |
| Deutschland nicht gelingen. | |
| Gut zwei Monate vor wichtigen Landtagswahlen nannte Merkel die Ereignisse | |
| von Köln nach Teilnehmerangaben einen Paukenschlag. Der Spitzenkandidat der | |
| baden-württembergischen CDU bei der Landtagswahl im März, Guido Wolf, | |
| sprach von einer Zeitenwende. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier | |
| sagte demnach, Köln habe alles verändert, die Menschen zweifelten nun. | |
| ## Markenkern innere Sicherheit | |
| In der CDU gibt es die Sorge, dass viele Bürger das Vertrauen in den | |
| Rechtsstaat verlieren. Für die Partei ist die innere Sicherheit ein | |
| Markenkern. Deutliche Unterstützung gab es nach Teilnehmerangaben für die | |
| Forderung Merkels, die Probleme mit der Integration klar zu benennen. | |
| Merkel sagte demnach, die Zahl der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge | |
| sei trotz des Rückgangs in den vergangenen Wochen noch immer zu hoch. „Es | |
| ist deutlich weniger, als wir hatten. Aber es ist immer noch deutlich zu | |
| viel“, habe sie erklärt. Vor dem Hintergrund der Kölner Übergriffe sagte | |
| sie demnach, es sei „von größter Wichtigkeit, wie wir mit dem Thema | |
| umgehen“. | |
| In Köln hatten sich in der Silvesternacht nach Polizeiangaben kleinere | |
| Gruppen aus einer Menge von rund 1.000 Männern gelöst, die vor allem Frauen | |
| umzingelt, sexuell belästigt und bestohlen haben sollen. Unter den | |
| Verdächtigen sind laut Innenministerium auch Asylbewerber. | |
| Die Parteispitze fordert vor dem Hintergrund der Sorgen in der Bevölkerung | |
| eine Begrenzung der Zahl neuer Flüchtlinge. In der Erklärung wurde demnach | |
| der Satz ergänzt: „Denn ein Andauern des aktuellen Zuzugs würde Staat und | |
| Gesellschaft, auch in einem Land wie Deutschland, auch auf Dauer | |
| überfordern.“ Eine ähnliche Formulierung gab es schon im Beschluss des | |
| Karlsruher Parteitags. | |
| Städtetags-Präsidentin Eva Lohse (CDU) dringt auf mehr Unterstützung durch | |
| Bund und Länder wegen der großen Zahl der Flüchtlinge. Sie müssten „die | |
| Kommunen ausreichend finanzieren“, damit diese ihre Aufgaben wahrnehmen | |
| könnten, sagte die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin. Lohse ist am Samstag | |
| Gast beim CDU-Vorstand. Dort will sie auch deutlich machen, dass die | |
| Zuwanderung aus Sicht der Städte stärker gesteuert werden und große | |
| Integrationsbemühungen unternommen werden müssten. Außerdem ist unter | |
| anderem der Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen | |
| Weise, zur Diskussion eingeladen. | |
| 9 Jan 2016 | |
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