| # taz.de -- Streit um russisches Vermögen: Vier EU-Länder stellen sich quer | |
| > Auf dem EU-Gipfel will Merz durchbringen, dass die EU das russische | |
| > Zentralbankvermögen übernimmt. Doch nicht alle sind einverstanden. | |
| Bild: Von hier soll das Geld auf die Europäische Kommission übertragen werden… | |
| Jahrelang war es still um das [1][russische Zentralbankvermögen in der EU]. | |
| Die geschätzt 210 Milliarden Euro, die zum größten Teil in Belgien, aber | |
| auch in Deutschland und Frankreich liegen, galten als tabu: Sie sind durch | |
| die Staatenimmunität geschützt. Ein Zugriff wäre illegal, hieß es in | |
| Moskau, aber auch in Brüssel und Berlin. | |
| Doch nun ist ein heftiger Streit um die „Russian Assets“ entbrannt. | |
| Russland will sein Geld zurück und hat in Moskau Klage gegen den belgischen | |
| Finanzdienstleister Euroclear erhoben, wo das Gros des Geldes liegt. | |
| US-Präsident Donald Trump möchte das Vermögen für seinen Friedensplan und | |
| für Geschäfte in der Ukraine nutzen. | |
| Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich eingeschaltet. Mit | |
| Nachdruck fordert er, dass die EU das russische Vermögen übernehmen soll, | |
| um damit ein „Reparationsdarlehen“ für die Ukraine zu finanzieren. Bis zu | |
| 140 Milliarden Euro sollen auf diesem Umweg nach Kyjiw fließen – [2][wenn | |
| es nach Merz geht, vor allem für Waffenkäufe.] | |
| [3][Beim EU-Gipfel am kommenden Donnerstag in Brüssel will Merz seinen | |
| umstrittenen Plan durchboxen.] Es gehe um Europas Handlungsfähigkeit, heißt | |
| es in Berlin. Doch nun stellen sich mehrere EU-Länder quer. Neben Belgien, | |
| das schon im Oktober protestiert hatte, haben überraschend auch Italien, | |
| Bulgarien und Malta Bedenken angemeldet. | |
| ## Die EU soll „alternative Optionen“ prüfen | |
| In einem gemeinsamen Brief an die EU-Kommission fordern die vier Rebellen, | |
| „alternative Optionen“ zur Unterstützung der Ukraine zu prüfen. Das | |
| russische Vermögen dürfe nicht angetastet werden, meinen der belgische | |
| Premier Bart De Wever und seine Amtskollegen. Es müsse so lange stillgelegt | |
| werden, bis Russland den Krieg beendet. | |
| Damit gehen sie auf Gegenkurs zu Merz und Kommissionspräsidentin Ursula von | |
| der Leyen, die für die Umsetzung der Pläne zuständig ist. Die beiden | |
| deutschen CDU-Politiker sind der Auffassung, dass ein Zugriff machbar sei, | |
| da das russische Vermögen nicht konfisziert, sondern nur verlagert werde – | |
| von Euroclear auf die EU-Kommission. | |
| Das sehen allerdings viele Experten völlig anders. Nicht nur Euroclear, | |
| sondern auch die Europäische Zentralbank und der Internationale | |
| Währungsfonds haben vor einem Zugriff auf die „Russian Assets“ gewarnt. Er | |
| könnte das Vertrauen in die Eurozone untergraben und zur Flucht der | |
| internationalen Anleger aus dem Euro führen, heißt es. | |
| Nicht nur Belgien wäre gefährdet, weil das Gros bei Euroclear in Brüssel | |
| liegt. Auch andere EU-Länder machen sich Sorgen. Denn von der Leyen will | |
| den heiklen Zugriff auf das russische Vermögen durch nationale Garantien | |
| der 27 EU-Länder absichern. Allein auf Deutschland käme eine Garantiesumme | |
| von mehr als 50 Milliarden Euro zu. | |
| ## Mehrheit für Merz’ Pläne nicht sicher | |
| Die Bundesrepublik kann sich dies vielleicht leisten – andere EU-Länder | |
| eher nicht. Belgien ist jetzt schon überschuldet, auch Frankreich und | |
| Italien haben Budgetprobleme. In Paris ist nicht einmal klar, ob die | |
| Regierung eine Ukraine-Garantie durchs Parlament bringen würde. Deshalb | |
| gilt auch Frankreich als Wackelkandidat. | |
| Wankt die Mehrheit für Merz und von der Leyen? Kurz vor dem entscheidenden | |
| EU-Gipfel, der am Donnerstag beginnt, laufen in Berlin und Brüssel die | |
| Drähte heißt. Um das russische Vermögen auf die EU-Kommission zu übertragen | |
| und das „Reparationsdarlehen“ zu beschließen, braucht es zwar nur eine | |
| qualifizierte Mehrheit der EU-Staaten. Doch die ist noch nicht sicher. | |
| Wie eng es werden kann, hat sich am vergangenen Freitag gezeigt. Da hat die | |
| EU in ungewöhnlicher Eile beschlossen, das russische Vermögen auf | |
| unbegrenzte Zeit stillzulegen. Damit wird es vor einem Zugriff aus Russland | |
| und aus den USA geschützt. Bisher musste die entsprechende EU-Sanktion alle | |
| sechs Monate erneuert werden. | |
| Der Beschluss stand jedoch bis zuletzt auf der Kippe. Ungarn und die | |
| Slowakei protestierten, weil Sanktionsbeschlüsse normalerweise einstimmig | |
| gefasst werden müssen – sie sind mit einem rechtlichen Trick übergangen | |
| worden. Und Belgien, Italien, Bulgarien und Malta hielten in einer | |
| Erklärung fest, dass ihre Zustimmung auf keinen Fall als „Ja“ zum | |
| Ukraine-Kredit gewertet werden könne. Diese heikle Entscheidung wollen sich | |
| die vier Rebellen bis zum EU-Gipfel vorbehalten. | |
| 14 Dec 2025 | |
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| ## AUTOREN | |
| Eric Bonse | |
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