| # taz.de -- Erfolgreicher Klimaentscheid in Hamburg: Bürger*innen voraus | |
| > Die Klimakrise eskaliert, die CO2-Emissionen steigen. Der Volksentscheid | |
| > in Hamburg zeigt, dass die Bürger*innen sich mehr trauen als die | |
| > Politik. | |
| Bild: Unterstützerinnen und Unterstützer der Initiative „Hamburger Zukunfts… | |
| Berlin taz | Im Endspurt zum erfolgreichen Klimaentscheid haben die | |
| Hamburger*innen noch mal eine eindrückliche Warnung aus ihrer eigenen | |
| Stadt gehört: „Bereits bis 2050 besteht das Risiko einer Erwärmung um 3 | |
| Grad“, [1][warnten die Deutsche Meteorologische Gesellschaft und die | |
| Deutsche Physikalische Gesellschaft Ende September auf dem | |
| Extremwetterkongress in der Hansestadt]. | |
| Drei Grad bedeuten sehr wahrscheinlich ein Klimachaos, eine viel | |
| unsicherere Erde – [2][und das schon in 25 Jahren]? Dieses extreme | |
| Worst-Case-Szenario ist zwar wissenschaftlich umstritten. Doch die | |
| entscheidende Botschaft bleibt: Die Klimakrise schreitet rapide voran. | |
| Dass das Ziel des Pariser Weltklimaabkommens, die Erderhitzung bei noch | |
| einigermaßen erträglichen 1,5 Grad zu stoppen, eingehalten wird, glaubt so | |
| gut wie niemand mehr. Schließlich steigen die CO2-Emissionen im globalen | |
| Schnitt bislang immer noch. | |
| ## Klimaneutralität fünf Jahre früher | |
| Die Hamburger*innen [3][zwingen die Politik nun mit ihrem | |
| Volksentscheid dazu, beim Klimaschutz Tempo zu machen]. Der Gesetzentwurf | |
| der Volksinitiative sieht vor, die Klimaneutralität um fünf Jahre auf 2040 | |
| vorzuziehen. | |
| Dass die Bürger*innen sich klimapolitisch mehr trauen als die Politik, | |
| gab es schon gelegentlich. Zum Beispiel [4][beim Bürgerrat Klima, der 2021 | |
| stattfand]. Organisiert wurde er von einem Verein. Das Gremium bestand aus | |
| 160 Menschen aus dem ganzen Land, die zufällig ausgesucht wurden und in | |
| Bezug auf Faktoren wie Alter, Bildungsstand und Geschlecht repräsentativ | |
| für Deutschland waren. | |
| In 12 virtuellen Treffen befassten sie sich insgesamt 50 Stunden lang mit | |
| nötigen und möglichen Klimaschutzmaßnahmen. Dabei wurden sie von | |
| Wissenschaftler*innen informiert, die Diskussionen über Energie, | |
| Ernährung, Verkehr und Wohnen wurden professionell moderiert. | |
| ## Bürger*innen oft mutiger als Politiker*innen | |
| Das Ergebnis: weitreichende Forderungen wie die nach einem schnellen Ausbau | |
| der erneuerbaren Energien, weniger Nutztieren und entsprechend | |
| Fleischkonsum, einem Tempolimit auf Autobahnen, dem Verbot von Öl- und | |
| Gasheizungen und Verbrennungsmotoren. Außerdem wünschten sich die | |
| Teilnehmer*innen des Bürgerrats einen Vorrang für das 1,5-Grad-Ziel | |
| gegenüber anderen Interessen bei allen staatlichen Maßnahmen. Nur eine der | |
| diskutierten Maßnahmen lehnte der Bürgerrat schließlich mehrheitlich ab, | |
| nämlich die Einführung einer Citymaut für Autos. | |
| Ähnliche Klima-Bürgerräte in Frankreich und Irland hatten schon Jahre | |
| vorher erstaunlich konkrete und weitreichende Empfehlungen hervorgebracht. | |
| Der Haken dabei: Die Ergebnisse waren nie verbindlich für die Politik. | |
| Trotzdem gab der mittlerweile verstorbene Ex-Bundespräsident Horst Köhler | |
| (CDU), der den deutschen Bürgerrat Klima als Schirmherr begleitete, der | |
| Bundesregierung zum Abschluss eine Empfehlung mit: „Das Ergebnis sendet ein | |
| klares Signal an die Politik: Unterschätzt die Bürger nicht!“ | |
| 13 Oct 2025 | |
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| ## AUTOREN | |
| Susanne Schwarz | |
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