# taz.de -- Bürgergeld-Kampagne der CDU: Die Welt von Friedrich Merz steht Kopf | |
> Die Behauptung des Kanzlers, der Staat finanziere | |
> Bürgergeld-Empfänger:innen teure Wohnungen, stimmt nicht. Das | |
> glatte Gegenteil ist der Fall. | |
Bild: Fachgebiet „Substanzlose Behauptungen“: Bundeskanzler Friedrich Merz … | |
Berlin taz | Mit seiner Beschwerde über angeblich überhöhte Mietzahlungen | |
der Jobcenter für Empfänger:innen von Bürgergeld hat Bundeskanzler | |
Friedrich Merz (CDU) zuletzt eine Debatte losgetreten. In der Union waren | |
Forderungen aufgekommen, die Zahlungen zu begrenzen. | |
[1][Dabei ist das längst der Fall. Die Jobcenter übernehmen die Kosten für | |
Unterkunft und Heizung nur in „angemessener Höhe“], die je nach Bundesland | |
und Kommune variieren. In Berlin sind das derzeit 426 Euro kalt für einen | |
Ein-Personen-Haushalt, 714 Euro bei vier Personen. | |
[2][Bundesweit erstatteten] [3][die Jobcenter] [4][im vergangenen Jahr | |
durchschnittlich 334.000 Haushalten im Bürgergeld nicht die vollen Kosten | |
für die Warmmiete]. Das entspricht einem Anteil von 12,6 Prozent. In Berlin | |
waren 19.300 Bedarfsgemeinschaften betroffen (9,2 Prozent). | |
Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion | |
hervor, die von der Abgeordneten Katalin Gennburg und dem | |
wohnungspolitischen Sprecher der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, Niklas | |
Schenker, für Berlin ausgewertet wurde. | |
## Berlin ist Spitzenreiterin bei Wohnkostenlücke | |
Mit durchschnittlich 180 Euro ist die Wohnkostenlücke bei den betroffenen | |
Berliner Bürgergeld-Empfänger:innen dabei so groß wie nirgendwo sonst in | |
Deutschland. Sie müssen demnach mehr als 23 Prozent der tatsächlichen | |
Kosten für Unterkunft und Heizung selbst finanzieren, aus Ersparnissen | |
oder, wahrscheinlicher, aus dem Regelsatz von derzeit 563 Euro, der für | |
eine Person das Existenzminimum sichern soll. Für einen kleinen Teil von | |
2.100 Haushalten war nicht die Miethöhe das Problem, sondern die Ausgaben | |
für die Heizung. | |
Katalin Gennburg sagte, Berlin sei „traurige Spitzenreiterin bei der Höhe | |
der Wohnkostenlücke“. Die dramatische Situation sei darauf zurückzuführen, | |
dass in der Stadt „die Mieten in den letzten Jahren überdurchschnittlich | |
erhöht wurden“. | |
Noch im Vorjahr betrug die Lücke, die selbst zu finanzieren ist, 158 Euro. | |
Viele Betroffene bleiben auch nach vorherigen Aufforderungen der Jobcenter, | |
ihre Mieten zu senken, in ihren überteuerten Wohnungen, weil ihnen | |
günstigere Alternativen fehlen. | |
Die höchsten Wohnkostenlücken gibt es demnach auch in besonders teuren | |
Bezirken: 226 Euro in Treptow-Köpenick und 199 Euro Pankow. Prozentual am | |
häufigsten betroffen waren Empfänger:innen der Jobcenter Spandau und | |
Friedrichshain-Kreuzberg mit je 13 Prozent. | |
Am meisten selbst dazuzahlen mussten im vergangenen Jahr Berliner | |
Bedarfsgemeinschaften mit Kindern. Bei 6.400 Haushalten wurden die | |
tatsächlichen Kosten durch die Jobcenter nicht voll übernommen. | |
Durchschnittlich mussten diese 191 Euro im Monat aus der eigenen Tasche | |
finanzieren. Annähernd so groß ist die Lücke auch bei betroffenen | |
Alleinerziehenden. | |
## Linke fordert mehr Unterstützung vom Bund | |
Der Abgeordnete Schenker fordert, die „Ausführungsvorschrift Wohnen“, in | |
der die angemessenen Kosten geregelt werden, anzupassen, „damit niemand | |
mehr zwischen der Miete und genug zu essen im Kühlschrank entscheiden | |
muss“. Dafür brauche es mehr Unterstützung durch den Bund. | |
Gleichzeitig dürften „die immer weiter steigenden Mieten nicht dauerhaft | |
mit staatlichem Geld subventioniert“ werden. Schenkers Lösung: Ein | |
Mietenstopp für die landeseigenen Wohnungskonzerne und einen bundesweiten | |
Mietendeckel. | |
11 Aug 2025 | |
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## AUTOREN | |
Erik Peter | |
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