| # taz.de -- Reaktion auf Gewalt gegen Protestierende: Weiter Streit um Iran-Pol… | |
| > Die Bundesregierung drängt auf neue Sanktionen gegen den Iran. Opposition | |
| > und Abgeordnete der Ampelparteien kritisieren das als zu zögerlich. | |
| Bild: Brennendes Kopftuch: Bei Protesten von Regimegegner:innen in Teheran am 2… | |
| Berlin taz | Die Proteste gegen das Mullah-Regime in den Städten und | |
| Provinzen Irans halten nach wie vor an. Und Teheran [1][geht weiter brutal | |
| gegen die Demonstrierenden vor]. Wie es aus dem Auswärtigen Amt heißt, | |
| werden die Beziehungen zum Iran derzeit einer genauen Prüfung unterzogen | |
| und angepasst. | |
| Auch weitere Maßnahmen gegen das Regime sind geplant. Dazu zählt, dass | |
| bereits am Montag im EU-Außenrat ein weiteres Sanktionspaket verabschiedet | |
| werden soll. Im Kern geht es dabei darum, weitere Verantwortliche für die | |
| [2][staatliche Gewalt und Repression in Iran] zu sanktionieren. Auf | |
| EU-Ebene besteht dazu ein weitreichender Konsens. Auch mit den USA, Kanada | |
| und Großbritannien laufen derzeit Absprachen zu Sanktionen. | |
| Strittigstes Thema ist nach wie vor, ob [3][die Revolutionsgarden] auf der | |
| Terrorsanktionsliste gelistet werden können. Ein europäischer oder auch | |
| internationaler Konsens scheint sich derzeit aber nicht abzuzeichnen. | |
| Die Regierung will zudem die Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen in | |
| Iran vorantreiben. In rund zwei Wochen will der UN-Menschenrechtsrat dafür | |
| zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Ziel ist die Abstimmung einer | |
| Resolution, die es erlauben würde, eine Art Untersuchungskommission | |
| aufzulegen, die solche Menschenrechtsverletzungen nicht nur sammelt, | |
| sondern auch aufarbeitet. Indes ist unklar, ob eine Mehrheit für einen | |
| solchen Mechanismus zustande kommt – und ob eine solche Kommission ins Land | |
| gelassen würde. | |
| ## SPD räumt auch Fehler ein | |
| Im Bundestag beschloss die Ampel am Mittwochabend, den Druck auf das Regime | |
| in Teheran zu erhöhen und die Protestbewegung zu unterstützen. Angesichts | |
| von über 14.000 Festgenommenen drängten die Opposition und die FDP auf ein | |
| schnelleres Handeln der Regierung. Zudem wurde das Festhalten an einem | |
| Atomabkommen in Frage gestellt. | |
| Außenministerin Annalena Baerbock verteidigte die deutsche Iran-Politik. | |
| „Wir lassen nicht nach“, beteuerte die Grüne. Man wolle Verantwortlichen | |
| zur Rechenschaft ziehen. Unterschiede in der Rechtslage würden einem | |
| schnellem Vorgehen, wie das der USA und Kanadas im Wege stehen. | |
| Nils Schmid (SPD) räumte indes auch Fehleinschätzungen ein. Mit dem | |
| Ampelantrag forciere man nun aber weitere Sanktionen. Auch soll damit | |
| geprüft werden, ob und wie eine Schließung des Islamischen Zentrums in | |
| Hamburg möglich ist. Der Verein wird derzeit durch einen Staatsvertrag | |
| zwischen Hamburg und der Schura gefördert, obwohl er vom Hamburger | |
| Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft wird. | |
| Norbert Röttgen (CDU) kritisierte, dass 10.000 Angehörige der iranischen | |
| Revolutionsgarde von Kanada bereits sanktioniert seien, während es in | |
| Deutschland lediglich 11 Personen und vier Organisationen sind. Das | |
| deutsche Handeln werde dem Ausmaß der Ereignisse nicht gerecht. Es handle | |
| sich nicht mehr um Proteste, sondern um eine Revolution. | |
| ## Röttgen beklagt „Minisanktionen“ | |
| Röttgen forderte Kanzler Scholz auf, sich in einer öffentlichen Rede an die | |
| Menschen im Iran zu wenden. Bisher gebe es nur „Minisanktionen“ und ein | |
| „obligatorisches Mindestmaß an Druck“. Auch eine Prüfung zum Islamischen | |
| Zentrum sei nicht notwendig, da es lange genug durch den Verfassungsschutz | |
| beobachtet würde. | |
| Renata Alt (FDP) ging der vorliegende Antrag ebenfalls nicht weit genug. | |
| Sie fordert entschlosseneres Handeln und weitere Sanktionen, die Regierung | |
| handele zu zögerlich. Hämische Zwischenrufe bekam sie von der Union, als | |
| sie beklagte, dass sich schon wieder eine Frau für ihr Vorgehen | |
| rechtfertigen muss. | |
| Während man sich einig war, dass Iran keine Atomsprengkörper erlangen darf, | |
| wurden die Verhandlungen zu einem Abkommen von der CDU/CSU kritisiert. Es | |
| sei ein Spiel auf Zeit und die Einbestellung des iranischen Botschafters zu | |
| wenig, um das iranische Regime unter Druck zu setzen. Auf ein Abkommen | |
| könne man derzeit nicht warten. Schmid hielt dem entgegen, dass man ohne | |
| Abkommen in eine Pattsituation wie in Nordkorea geraten könnte. | |
| Die Linke forderte schließlich in einem eigenen Antrag, Verfolgte | |
| aufzunehmen und Abschiebungen nach Iran zu stoppen. Der Antrag wurde von | |
| allen anderen Fraktionen abgelehnt. | |
| Zu einem möglichen Verbot des Islamischen Zentrums in Hamburg erklärte die | |
| dortige Innenbehörde, dies sei Aufgabe des Bundesinnenministeriums. Dieses | |
| ließ eine Anfrage zu dem Fall vorerst unbeantwortet. | |
| 10 Nov 2022 | |
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| ## AUTOREN | |
| Sebastian Ridder | |
| Tanja Tricarico | |
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