| # taz.de -- Neues Verpackungsgesetz im Bundestag: Viel Plastik wird weiter verb… | |
| > Was tun mit den unzähligen Coffee-to-go-Bechern und Plastiktüten? Das | |
| > neue Verpackungsgesetz wird das Müllproblem nicht lösen. | |
| Bild: Volle Mülleimer in München | |
| Berlin taz | Die Berge von Kunststoffmüll werden in Deutschland weiter | |
| wachsen, und sie werden auch künftig in großen Teilen in Rauch aufgehen – | |
| da sind sich die Experten der Kreislaufwirtschaft weitgehend einig. Auch | |
| wenn der Bundestag am Donnerstag das [1][neue Verpackungsgesetz | |
| verabschiedet] und damit neue Pfandpflichten für Getränkeverpackungen | |
| vorschreibt, Mehrwegverpackungen in Restaurants und Cafés fördert und den | |
| Versandhandel stärker an den Entsorgungskosten seiner Verpackungen | |
| beteiligen wird – den Einstieg in eine klimaneutrale | |
| Kreislaufwirtschaft hat die Große Koalition auch in dieser | |
| Legislaturperiode wieder nicht geschafft. | |
| „Die Bundesregierung setzt eins zu eins EU-Recht um“, sagt Peter Kurth, | |
| Präsident des Entsorgerverbandes BDE, „das ist in Ordnung, aber es ist | |
| deutlich zu wenig.“ Eigene Impulse – etwa Märkte für Recyclingkunststoffe | |
| zu schaffen oder Hersteller zu einem recyclingfreundlichen Design zu | |
| bewegen – habe man nicht gesetzt. | |
| Zudem begreife die Bundesregierung Kreislaufwirtschaft [2][noch immer nicht | |
| als Instrument der Klimapolitik], kritisiert Eric Rehbock, | |
| Hauptgeschäftsführer des Recyclingverbandes bvse. Er wünscht sich für | |
| Recyclingunternehmen Steuererleichterungen, vereinfachte | |
| Genehmigungsverfahren und die Einbeziehung der Müllverbrennung in den | |
| Emissionshandel. Leichte Verbesserungen sieht er aber auch: In Ausschüssen | |
| arbeiteten Unternehmen des Handels, der Industrie und der Recyclingbranche | |
| an besseren Designlösungen. Auf Druck der EU-Gesetzgebung im Rahmen des | |
| Green Deal und wegen der gestiegenen Nachfrage der Verbraucher setze der | |
| Handel zunehmend auf Recyclingkunststoffe etwa für Spülmittel oder Shampoo. | |
| Patrick Hasenkamp, Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen | |
| (VKU), hält vor allem Vorgaben für Gastronomen und Imbisse für | |
| fortschrittlich, neben To-go-Bechern auch Mehrweg anzubieten. „Bislang gab | |
| es zwar allgemeine Zielvorgaben für Mehrwegbehältnisse, aber es war nicht | |
| erkennbar, wie die Quoten umgesetzt werden sollten.“ | |
| Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bleibt pessimistisch: | |
| „Hier wird sich wenig ändern“, sagt der Kreislaufwirtschaftsexperte der | |
| DUH. Schließlich böten Ketten wie Starbucks oder Bäckereien schon jetzt | |
| Mehrwegbecher an, diese würden aber nicht aktiv beworben, und für | |
| Kund:innen sei es immer noch einfacher, Einwegbecher wegzuwerfen, als | |
| Mehrwegbecher zurückzubringen. „Wenn die Umweltwirkungen sich nicht im | |
| Preis widerspiegeln, wird Mehrweg nicht zum neuen Standard werden“, glaubt | |
| er und fordert eine Einwegabgabe. In der nächsten Legislaturperiode müsse | |
| man das Thema Mehrweg noch einmal gezielt angehen. | |
| ## Amazon zur Kasse bitten | |
| Das strebt auch die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, | |
| Bettina Hoffmann, an: „Kleinteilige Pfandsysteme, an denen jeweils nur | |
| wenige Cafés, Restaurants und Bäckereien teilnehmen, sind nicht | |
| verbraucherfreundlich“, kritisiert sie. Deshalb sollte die Bundesregierung | |
| bundeseinheitliche Systeme fördern, um regionale Insellösungen zu | |
| vermeiden. Schließlich hätten viele Unternehmen Mehrwegtaschen und -boxen | |
| für Versandhandel, Supermärkte und Lieferdienste entwickelt. „Diesen | |
| innovativen Geschäftsmodellen gilt es zum Durchbruch zu verhelfen“, sagt | |
| Hoffmann. | |
| Mehr Anstrengungen für Mehrwegsysteme fordert VKU-Vize Hasenkamp vor allem | |
| im Bereich Versandhandel. Der boomt seit Beginn der Corona-Epidemie, | |
| Kartonverpackungen landen in Massen in den blauen Tonnen der | |
| Verbraucher:innen. Eigentlich müssten die Dualen Systeme sich an den Kosten | |
| der Entsorgung beteiligen; doch laut einer Umfrage unter den | |
| Mitgliedsunternehmen des VKU hatten 22,5 Prozent von ihnen sich noch nicht | |
| mit den Dienstleistern, die die Entsorgung des Verpackungsmülls | |
| organisieren, auf einen Preis geeinigt. „Wir sind verpflichtet, die blaue | |
| Tonne zu leeren“, sagt Hasenkamp. „Daher muss es auch möglich sein, auf | |
| Basis von Gebührenkalkulationen einen Preis festzulegen, wenn es keine | |
| Einigung zwischen den Vertragspartnern gibt.“ Würden Amazon, Zalando und Co | |
| für die Entsorgung von Kartons zur Kasse gebeten, stiege der Druck, auch | |
| hier umweltfreundlichere Mehrwegsysteme zu nutzen, glaubt Hasenkamp. | |
| 5 May 2021 | |
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| Heike Holdinghausen | |
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