| # taz.de -- Wahlplakate aus Pappe und Plastik: Erst Werbung, dann Müll | |
| > Tausende Wahlplakate prägen derzeit das Straßenbild Hamburgs. Eine | |
| > Petition macht auf den dadurch entstehenden Müll aufmerksam und fordert | |
| > ein Verbot. | |
| Bild: Taugt nicht mehr dazu, Altpapier zu werden: Plakat der Grünen Spitzenkan… | |
| Hamburg taz | Zwei Sekunden: so lange wird ein Plakat im Durchschnitt | |
| angesehen. Länger hingegen sind die Folgen der intensiven Plakatierung nach | |
| einem Wahlkampf zu sehen, denn neben Ästen und Zweigen fliegen zurzeit auch | |
| zahlreiche abgerissene Plakate durch die Straßen Hamburgs. Das ist auch | |
| Felix Meschenmoser aufgefallen. Der 33-jährige Rechtsanwalt startete | |
| daraufhin [1][eine Petition], um die Wegwerfplakate im Wahlkampf verbieten | |
| zu lassen. „Früher waren mehr Plakate auf Holzaufstellern, heute überwiegt | |
| Pappe. Durch die gewaltigen Mengen ist die Stadt deutlich voller.“ | |
| Meschenmoser ist selbst für die Grünen im Wahlkampf tätig. Als Freiwilliger | |
| hilft er der Partei beim Plakatieren. Obwohl Holzschilder logistisch | |
| schwieriger zu handhaben seien, wünscht er sich, dass die Parteien diese | |
| benutzen und auf die Masse an Papp- und Plastikplakaten verzichten. „Es | |
| gibt immer wieder Vorstöße, dass die Parteien sich beschränken. Wenn jede | |
| Partei nur zweitausend Plakate stellen dürfte, könnte man das problemlos | |
| mit Holzaufstellern machen.“ Außerdem weiß er, dass es Kandidaten gibt, die | |
| Garagen voll mit Holzschildern haben, aber nicht nutzen und stattdessen zum | |
| Pappplakat greifen. | |
| „Wir setzen Holzplakatständer noch ein, verwenden aber aus Kostengründen | |
| und logistischen Anforderungen zunehmend bedruckte Plastikplakate“, sagt | |
| Martin Wittmaack, Landesgeschäftsführer der Linken. Diese Plakate bestehen | |
| zu 50 Prozent aus wiederverwendeten Materialien und können nach der | |
| Benutzung wieder ins Recycling gegeben werden. | |
| Die Grünen benutzen ebenso wie die SPD einen Hersteller für ihre Plakate, | |
| der zu 90 Prozent wiederverwertete Ressourcen nutzt. „Wir haben uns | |
| intensiv mit der Ökobilanz der verschiedenen Werbeträger beschäftigt und | |
| sind daher ganz bewusst bei Plakaten aus Altpapier gelandet, die über das | |
| Altpapier entsorgt werden“, sagt Silke Lipphardt, Pressesprecherin der | |
| Grünen. Ob die Plakate nach intensivem Regen jedoch wirklich | |
| wiederverwendet werden, bezweifelt Meschenmoser: „Wenn die auf dem Boden | |
| lagen und versifft sind, glaube ich kaum, dass daraus noch Altpapier | |
| gemacht wird.“ | |
| Für die Parteien sind Plakate ein unerlässliches Mittel im Wahlkampf. „Das | |
| Plakat hat seine Rolle behauptet. Plakate sind das in der Öffentlichkeit | |
| und von den Medien am stärksten beachtete Werbemittel“, sagt Alexander | |
| Fröhlich von Elmbach, Geschäftsführer der Hamburger FDP. „Plakate sind | |
| nicht wahlentscheidend, aber sie erzeugen ein gewisses Grundrauschen in der | |
| Stadt“, sagt auch Lipphardt. „Durch die Köpfe im Straßenbild bekommen vie… | |
| Menschen überhaupt erst mit, dass Wahlen anstehen.“ | |
| Die Grünen haben für ihren Wahlkampf 9.900 Pappplakate bestellt. Der | |
| Landesverband der FDP nutzt 4.000 Plakate, die Bezirksverbände und die | |
| einzelnen Kandidaten nicht eingerechnet. Die Linken haben circa 6.000 | |
| Plakate für das Rennen um die Bürgerschaftssitze aufgehängt, davon etwa | |
| 1.000 auf wiederverwendbaren Holzaufstellern. Die CDU verwendet 300 | |
| Großplakate, weiß aber nicht genau, wie viele kleinere Plakate in den | |
| Bezirken und durch die Kandidaten im Umlauf sind. Auch die SPD kann keine | |
| Angabe machen, wie viele Plakate sie hat. | |
| „Für das Ansinnen der Petition haben wir Verständnis, dennoch ist es bei | |
| der Vielzahl von Kandidierenden nicht möglich, die Plakatierung | |
| ausschließlich mit klassischen Stellschildern zu stemmen“, meint | |
| SPD-Landesgeschäftsführer Lars Balcke. Ähnliches sagt auch die CDU, die aus | |
| Logistik- und Kostengründen Einmalplakate verwendet. | |
| „Pappplakate werden leichter kaputt gemacht als auf Holz geleimte Plakate“, | |
| meint dazu Meschenmoser. Er fordert eine Änderung der Fachanweisung für | |
| politische Werbung. Eine Beschränkung der zulässigen Materialien wäre dort | |
| möglich. | |
| 18 Feb 2020 | |
| ## LINKS | |
| [1] https://www.openpetition.de/petition/online/wegwerfplakate-im-wahlkampf-ver… | |
| ## AUTOREN | |
| Philipp Steffens | |
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