| # taz.de -- Bund-Länder-Treffen zur Grundsteuer: SPD will Mieter entlasten | |
| > Am Donnerstag treffen sich die Finanzminister erneut, um über die Reform | |
| > der Steuer zu beraten. Noch ist unklar, ob es für viele Mieter teurer | |
| > wird. | |
| Bild: Wohnungen in Offenbach. Dort hat die Stadt gerade die Grundsteuer deutlic… | |
| Berlin taz | Das Wirtschaftsforum der SPD hat sich am Mittwoch dafür | |
| ausgesprochen, dass die Grundsteuer weiterhin auf die Mieter umgelegt | |
| werden darf. „Die Umlage der Grundsteuer zu verbieten, schreckt private | |
| Investoren ab“, sagte Harald Christ, Präsidiumsmitglied des | |
| SPD-Wirtschaftsforums. Deutschland brauche dringend mehr Wohnraum. „Und | |
| private Investoren werden nur dann Geld in die Hand nehmen, wenn ein | |
| investitionsfreundliches Klima herrscht.“ | |
| Die Intervention des – innerparteilich allerdings eher einflusslosen – | |
| SPD-Wirtschaftsforums erfolgte für Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) | |
| zu einem schwierigen Zeitpunkt. Am Donnerstag treffen sich die | |
| Finanzminister aus Bund und Ländern erneut, um über die [1][Reform der | |
| Grundsteuer] zu beraten. | |
| Am 1. Februar hatten sich Bund und Länder nach langen Verhandlungen auf | |
| eine Neuregelung geeinigt, die Scholz’ Vorstellungen weitgehend entspricht. | |
| Bei der Berechnung der Grundsteuer soll zukünftig eine Kombination aus der | |
| Fläche, der Lage und den Nettokaltmieten herangezogen werden. | |
| Unionsregierte Länder wie Bayern konnten sich mit ihrer Idee eines | |
| Flächenmodells nicht durchsetzen. Damit wären Sozialwohnungen am Stadtrand | |
| mit demselben Wert besteuert worden wie Luxuseigentumswohnungen in der | |
| Stadtmitte. | |
| Offen war bisher aber noch, ob die Grundsteuer weiterhin auf die Mieter | |
| umgelegt werden darf. Gerade auf Mieter in den Innenstadtlagen, die in den | |
| letzten Jahren ohnehin schon enorme Mietsteigerungen verkraften wussten, | |
| dürften in diesem Fall weitere Belastungen zukommen. Die SPD-Fraktion im | |
| Bundestag sprach sich deshalb Anfang März dafür aus, dass die Grundsteuer | |
| zukünftig nicht mehr auf die Mieter umgelegt werden darf. Dafür soll auch | |
| die Betriebskostenverordnung geändert werden. | |
| ## Alte Berechnungsmethode ist unzulässig | |
| Widerstand kommt bisher aus der Union und den Verbänden der | |
| Immobilienwirtschaft. Vermieter würden „bei Neuvermietungen zum Ausgleich | |
| die Kaltmieten erhöhen“, wenn sie die Grundsteuer nicht mehr umlegen | |
| dürften, warnte der CDU-Abgeordnete Jan-Marco Luczak. Auch der bayerische | |
| Finanzminister Albert Füracker wandte sich Mittwoch gegen Scholz’ geplante | |
| Entlastung der Mieter. Er stellte auch den Kompromiss bei der Grundsteuer | |
| wieder infrage: „Die Erfolgsaussichten der anstehenden Gespräche und das | |
| weitere Vorgehen hängen maßgeblich davon ab, ob der Bundesfinanzminister | |
| endlich bereit ist, einfacheren und mit weniger Bürokratie verbundenen | |
| Modellen eine reelle Perspektive zu geben.“ | |
| Ergebnisse sollen nach der Sitzung der Finanzminister nicht verkündet | |
| werden. Eine Einigung auf eine neue Grundsteuer muss aber bald erfolgen, | |
| weil das Bundesverfassungsgericht die alte Berechnungsmethode für | |
| unzulässig erklärt hat. Sie basierte auf jahrzehntealten Grundlagen. Die | |
| Karlsruher Richter fordern eine Neuregelung bis Ende 2019. | |
| Offen ist noch, ob auch die Grundgewerbsteuer auf der Tagesordnung der | |
| Finanzminister steht. Insbesondere internationale Konzerne hatten sie in | |
| den letzten Jahren mit sogenannten Share Deals ausgehebelt. Mit dieser | |
| Methode kaufen Unternehmen nicht die Wohnungen an sich, sondern Anteile an | |
| einer Wohnungsgesellschaft. Die Steuer ist aber nur dann fällig, wenn | |
| mindestens 95 Prozent der Anteile wechseln – alles darunter bleibt | |
| steuerfrei. Die Finanzminister hatten sich auf eine Neuregelung geeinigt, | |
| die bei einem Kauf von bereits 90 Prozent der Anteile die Zahlung der | |
| Steuer vorsieht. | |
| Den Grünen ist dies zu wenig: Ihre Bundestagsabgeordnete Lisa Paus stellte | |
| am Montag eine Studie des Steuerexperten Ulrich Hufeld (Universität | |
| Hamburg) vor, wonach die Steuer schon ab einem Erwerb von 50 Prozent fällig | |
| würde. Der Anreiz für Share Deals würde damit erheblich sinken. Nach | |
| Berechnungen der Grünen entgeht dem Staat dadurch pro Jahr eine Milliarde | |
| Euro. | |
| 13 Mar 2019 | |
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| ## AUTOREN | |
| Martin Reeh | |
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