| # taz.de -- Gesetz zur Haftung beim Atomausstieg: Auf unbestimmte Zeit vertagt | |
| > Die Bundesregierung will Konzerne doch nicht sofort verpflichten, | |
| > Verantwortung für ihre Altlasten zu übernehmen. Das empört die Oppostion. | |
| Bild: AKW-Stilleben – aber wer haftet für die unschönen Folgen der Kernener… | |
| Berlin taz | Das von der Großen Koalition geplante Gesetz zur Haftung der | |
| Energiekonzerne beim Atomausstieg tritt nicht mehr in diesem Jahr in Kraft. | |
| Der Gesetzentwurf wurde am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Bundestags | |
| kurzfristig von der Tagesordnung genommen und auf unbestimmte Zeit vertagt. | |
| Das Gesetz soll verhindern, dass sich die Atomkonzerne Eon, Vattenfall, RWE | |
| und EnBW durch die Abspaltung von Geschäftsbereichen und so von der Haftung | |
| für den Abriss ihrer Meiler und die Endlagerung des radioaktiven Mülls | |
| entledigen können. Würden die abgetreten Atomsparten pleitegehen, müsste | |
| der Staat für die Kosten aufkommen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar | |
| Gabriel (SPD) hatte das Gesetz mit milliardenschweren Risiken für den | |
| Fiskus begründet. | |
| Die Opposition ist empört über die Verschiebung. „Die Entscheidung ist umso | |
| verantwortungsloser, da Eon und RWE bereits angekündigt haben, ihre | |
| Unternehmen aufspalten zu wollen und die aufgespaltenen Teile mit weniger | |
| Eigenkapital auszustatten“, sagt Hubertus Zdebel, Atomexperte der | |
| Linksfraktion im Bundestag. Eon will die Abspaltung zum 1. Januar | |
| vollziehen. Zwar kann in das Gesetz eine Rückwirkungsklausel eingebaut | |
| werden, doch das ist rechtlich angreifbar. | |
| Die Blockade des Gesetzes geht vor allem auf die Union zurück. CDU/CSU | |
| machten die Konzernhaftung damit zur Verhandlungsmasse der von der | |
| Bundesregierung eingesetzten Kommission für die Atomrückstellungen der | |
| Konzerne, kritisiert Zdebel. Die Kommission soll Vorschläge entwickeln, wie | |
| die Rückstellungen gesichert werden können, damit mit dem Kapital der | |
| Atomausstieg finanziert werden kann. Vorsitzende der Kommission sind | |
| Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust (CDU), der einstige SPD-Chef | |
| Matthias Platzeck und der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin | |
| (Grüne). | |
| Dessen ParteifreundInnen kritisieren die Gesetzesverschiebung. „Die Politik | |
| muss sich entscheiden: Anwalt der Steuerzahler oder Komplize der Konzerne“, | |
| sagte die grüne Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl. Und: Die Union | |
| habe sich für die Komplizenschaft entschieden, der SPD fehle das „Rückgrat, | |
| das zu verhindern“. Sie sei deshalb „mitschuldig“. | |
| 17 Dec 2015 | |
| ## AUTOREN | |
| Anja Krüger | |
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