| # taz.de -- Kommentar EU-Diskriminierungsrichtlinie: Peinliche Blockadehaltung | |
| > Deutschland sperrt sich als einziges EU-Land gegen eine | |
| > Antidiskriminierungsrichtlinie. Die Gründe sind nachrangig bis absurd. | |
| Bild: Nicht überall geht es so einfach. | |
| Ganz schön peinlich: Deutschland blockiert die Verabschiedung einer neuen | |
| EU-Diskriminierungsrichtlinie. Alle anderen 27 EU-Staaten sind dafür, | |
| ebenso die Kommission, der Kommissionspräsident, das EU-Parlament. | |
| Deutschland, das sich sonst gern als Verfechter von Menschenrechten | |
| weltweit geriert, steht mit seinem Veto allein. | |
| Die Gründe für die Blockade sind nicht einleuchtend. Im Gegenteil gibt es | |
| gute Argumente, die Richtlinie endlich zu verabschieden. Sie würde zwar | |
| nicht schlagartig die Diskriminierung von Minderheiten beenden, aber sie | |
| würde die Rechtssicherheit von JüdInnen, MuslimInnen, Menschen mit | |
| Behinderung, Alten, Lesben und Schwulen europaweit deutlich verbessern. | |
| Noch dazu sind viele der in der Richtlinie vorgesehenen Regelungen in | |
| Deutschland schon längst umgesetzt. Warum dann die Blockade? | |
| Man sei in internen Beratungen, beteuert eine Sprecherin des zuständigen | |
| Bundesfamilienministeriums. Ist ja schön, dass sieben Jahre nach der ersten | |
| Vorstellung mal über die Richtlinie gesprochen wird. Die [1][bisher von | |
| deutscher Seite geäußerten Bedenken] sind nachrangig: Antidiskriminierung | |
| sei Sache der Einzelstaaten, eine Richtlinie verletze deren Zuständigkeit. | |
| Das sind vorgeschobene Argumente. Diese Richtlinie ist die fünfte zum | |
| Thema, seit 2000 gab es bereits vier zu Diskriminierungen aufgrund von | |
| „Rasse“, ethnischer Herkunft und Geschlecht. Diese hat Deutschland | |
| mitgetragen und umgesetzt. | |
| In einem [2][Appell] protestieren 40 Nichtregierungsorganisationen und | |
| Verbände gegen den deutschen Kurs. Initiiert hat den Protest die | |
| Antidiskriminierungsstelle – absurderweise eine Institution des Bundes. | |
| Interne Kritik hat offenbar nicht gereicht, bestätigt Leiterin Christine | |
| Lüders: „Der Bundesregierung ist bekannt, dass hier Dissens herrscht.“ Der | |
| Öffentlichkeit nun auch. Höchste Zeit, dass die Bundesregierung ihre | |
| peinliche Blockade aufgibt. | |
| 23 Jul 2015 | |
| ## LINKS | |
| [1] http://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-15705-2014-ADD-1-REV-2/de/p… | |
| [2] http://www.gleiches-recht-jetzt.de/ | |
| ## AUTOREN | |
| Malte Göbel | |
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