| # taz.de -- Abwehrzentrum gegen Extremismus: Streit um die dritte Superbehörde | |
| > Bundesinnenminister Friedrich (CSU) will bald das Zentrum gegen | |
| > Extremismus einweihen. Seine Länderkollegen halten die Sache für einen | |
| > „PR-Gag“. | |
| Bild: Diese Männer finden das neue Abwehrzentrum gut. | |
| BERLIN taz | Es wird nicht ganz voll werden, wenn Bundesinnenminister | |
| Hans-Peter Friedrich (CSU) am Donnerstag in Köln das Gemeinsame | |
| Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (Getz) eröffnet. Einige Länder | |
| haben angekündigt, dass sie der Einweihungsparty fernbleiben und erst mal | |
| keine ihrer Beamten in des Zentrum entsenden wollen. | |
| Das Getz ist die dritte Einrichtung dieser Art, in der Polizisten und | |
| Geheimdienstler von Bund und Ländern und weitere Behörden wie die | |
| Bundesanwaltschaft sich austauschen sollen. Im Bereich Islamismus wurde | |
| schon 2004 ein Zentrum gegründet, das GTAZ mit Sitz in Berlin-Treptow. Nach | |
| dem Auffliegen der Terrorzelle NSU kam dann ein weiteres Zentrum gegen | |
| Rechtsextremismus dazu, das GAR. | |
| Das am Donnerstag neu startende Getz soll nun auch die weiteren Bedrohungen | |
| umfassen, die für Polizei und die Geheimdienste von Bedeutung sind, also | |
| Spionage, Linksextremismus und den sogenannten Ausländerextremismus. Die | |
| Einrichtung soll in Köln und Meckenheim bei Bonn ihren Sitz haben, | |
| angesiedelt bei den Hauptakteuren des Zentrums, dem Bundesamt für | |
| Verfassungsschutz und dem Bundeskriminalamt. | |
| Erst Ende vergangener Woche hatte das Bundesinnenministerium die Länder in | |
| einer Schaltkonferenz über die für diesen Donnerstag geplante Eröffnung des | |
| Getz informiert – und sich daraufhin jede Menge Kritik anhören müssen. Der | |
| nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) sprach von einem | |
| „Alleingang“, „Schnellschuss“ und „PR-Gag“ Friedrichs. „Es ist ei… | |
| wenn Friedrich meint, er könne den Ländern einseitig die Regeln diktieren“, | |
| so Jäger. | |
| Sein baden-württembergischer Kollege Reinhold Gall (SPD) ist ebenfalls | |
| sauer und will das Getz nun erst mal boykottieren. Auch manche | |
| Unionsminister fühlten sich überrumpelt. Bundesverfassungsschutzchef | |
| Hans-Georg Maaßen verteidigte dagegen das Vorhaben. „Die Tatsache, dass | |
| Polizei und Nachrichtendienste in allen Feldern enger zusammenarbeiten | |
| müssen, ist unstrittig“, sagte er. | |
| ## „Keine Gefahr im Verzug“ | |
| Grundsätzliche Kritik am geplanten Zentrum übte Renate Künast (Grüne). Es | |
| mute „skurril“ an, in der derzeitigen Situation ein Terrorabwehrzentrum zu | |
| starten, das sich mit dem Linksextremismus beschäftige. | |
| In Kreisen der Bundesregierung wird eingeräumt, dass man in den Bereichen | |
| Linksextremismus, Ausländerextremismus und Spionage weit entfernt sei von | |
| Szenarien wie der Terrorserie des NSU oder beim islamistischen Terrorismus. | |
| „Es besteht nicht Gefahr im Verzug“, sagte ein hoher Sicherheitsbeamter. | |
| Man dürfe die Dinge aber „nicht immer erst in Angriff nehmen, nachdem etwas | |
| passiert ist“. | |
| Eingeräumt wird in Regierungskreisen auch, dass die bis zu 40 am Getz | |
| beteiligten Behörden in manchen der von ihnen bearbeiteten Bereiche | |
| keinesfalls mehrmals wöchentlich zusammenkommen sollen, wie es bei den | |
| schon bestehenden Zentren der Fall ist, sondern womöglich nur alle drei | |
| Wochen oder in noch größeren Abständen. Statt von einem „Zentrum“ zu red… | |
| hätte man also auch sagen können: Die Sicherheitsbehörden verabreden | |
| regelmäßige Arbeitsmeetings. Schlagzeilen hätte das aber kaum gegeben. | |
| 14 Nov 2012 | |
| ## AUTOREN | |
| Wolf Schmidt | |
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