| # taz.de -- Umsetzung Genfer Ukraine-Erklärung: Auf der Kippe | |
| > Die USA und Russland ringen um die Entwaffnung der Gruppen in der | |
| > Ukraine. Washington droht, Moskau findet das „inakzeptabel“. In der | |
| > Ostukraine passiert nichts. | |
| Bild: Gut festhalten: So leicht geben die pro-russischen Separatisten ihre Waff… | |
| WASHINGTON/MOSKAU dpa/afp | Die US-Regierung hat Russland zu einer | |
| sofortigen Umsetzung der Genfer Vereinbarung zur Ukraine aufgefordert. Nach | |
| Angaben eines hochrangigen US-Außenbeamten telefonierte Außenminister John | |
| Kerry am Freitag mit dem ukrainischen Regierungschef Arseni Jazenjuk und | |
| dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. Demnach drang er im Gespräch | |
| mit Lawrow darauf, dass sich Moskau „voll und unverzüglich“ an die | |
| Vereinbarung halte. | |
| Kerry habe klargemacht, dass die nächsten Tage eine „entscheidende Periode“ | |
| für alle Seiten sei, die Übereinkunft umzusetzen. Vor allem müssten alle | |
| „illegal bewaffneten“ Gruppen ihre Waffen abgeben, hieß es mit Blick auf | |
| die prorussischen Separatisten in der Ostukraine weiter. | |
| Im Telefonat mit Jazenjuk gratulierte Kerry Kiew zu dessen „wichtigen | |
| Schritten“ zur Umsetzung der Genfer Vereinbarungen. Jazenjuk hatte am | |
| Freitag angekündigt, der russischen Sprache einen „Sonderstatus“ | |
| einzuräumen und die Rechte der Regionen zu stärken. | |
| An Russland gewandt warnte uch die nationale Sicherheitsberaterin Susan | |
| Rice, die USA würden die Entwicklung in den nächsten Tagen „sehr genau“ | |
| beobachten. Wenn die Abmachungen nicht eingehalten würden, drohten | |
| „zusätzliche Kosten“, sagte Rice vor Journallisten. Russland müsse seinen | |
| „sehr beträchtlichen Einfluss“ nutzten, um die prorussischen Milizen in der | |
| Ostukraine in die Schranken zu weisen und zum Abzug aus den von ihnen | |
| besetzten Gebäuden zu bewegen, sagte Rice. | |
| ## Moskauer Forderung: Rechten Sektor entwaffnen | |
| Die prorussischen Kräfte in der Ostukraine fordern unter anderem, die | |
| Regierung müsse ihren Militäreinsatz gegen die eigene Bevölkerung beenden. | |
| Zudem müsse sie festgenommene Anführer freilassen und Ultranationalisten | |
| wie den Rechten Sektor entwaffnen. Das russische Außenministerium hatte | |
| erklärt: „Selbstverständlich haben wir, wenn wir über Entwaffnung sprechen, | |
| als erstes die Abgabe von Waffen der Milizen des Rechten Sektors und | |
| anderer faschistischer Gruppen im Auge, die an dem Februarumsturz in Kiew | |
| teilgenommen haben.“ | |
| Washington widersprach: „Es gibt keinerlei Parallelen zwischen der | |
| bewaffneten und illegalen Besetzung von Regierungsgebäuden, Straßen und | |
| öffentlichen Räumen im Osten der Ukraine, die eindeutig vom gestrigen | |
| Abkommen gedeckt werden, und einem legalen und friedlichen Protest“, sagte | |
| Außenamtssprecherin Jen Psaki. Und: Russland habe sich bereits in der | |
| Vergangenheit nicht an Abmachungen gehalten. „Wir werden sehen, ob sie die | |
| vereinbarten Schritte diesmal umsetzen.“ Sollte Moskau dies nicht tun, | |
| „wird dies Konsequenzen haben“. | |
| Russland verteidigte die Stationierung seiner Streitkräfte an der Grenze | |
| zur Ukraine als Maßnahme für die eigene Sicherheit. Die Truppen hätten aber | |
| keinen Einfluss auf die Lage in der krisengeschüttelten Ukraine, sagte der | |
| Sprecher von Kremlchef Wladimir Putin, Dmitri Peskow, am Freitag. „Es gibt | |
| Streitkräfte an der ukrainischen Grenze – einige auf permanenter Basis und | |
| einige mit Verstärkung vor dem Hintergrund dessen, was in der Ukraine | |
| selbst passiert“, sagte Peskow der Agentur Interfax zufolge. | |
| ## US-Foderung: Streitkräfte abziehen | |
| Die USA und die EU hatten Russland mehrfach aufgefordert, die Streitkräfte | |
| von der Grenze abzuziehen, um die Lage im Osten der Ukraine zu entspannen. | |
| Die vom Westen unterstützte Führung in Kiew beklagt eine extreme | |
| Bedrohungslage von russischer Seite und forderte bereits wiederholt | |
| militärischen Beistand sowie Waffen. | |
| US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel fassten weitere | |
| Sanktionen ins Auge, „falls sich diese Deeskalation nicht in kurzer Zeit | |
| vollzieht“, teilte das Weiße Haus am Donnerstagabend nach einem Telefonat | |
| der beiden mit. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte die Lage weiter sehr | |
| labil. | |
| Die Chefdiplomaten der USA, der EU, Russlands und der Ukraine hatten sich | |
| am Donnerstag in Genf auf einen [1][Rahmenplan zur Lösung der Ukrainekrise] | |
| geeinigt. Er sieht Gewaltverzicht, die Entwaffnung der Bürgermilizen und | |
| den Einsatz internationaler Beobachter vor, stößt bei den prorussischen | |
| Kräften in der Ostukraine aber auf Skepsis. | |
| ## Separatisten fordern: Rücktritt der ukrainischen Führung | |
| Sie wollten das Recht auf russische Staatsbürgerschaft, um Moskau | |
| gegebenenfalls um Beistand bitten zu können, sagte Rudenko, der eine | |
| weitere Bedingung stellte: Kiew müsse festgenommene Anführer freilassen und | |
| Ultranationalisten wie den Rechten Sektor entwaffnen. Vertreter der von | |
| Separatisten ausgerufenen „Republik Donezk“ forderten der Rücktritt der | |
| ukrainischen Führung. | |
| Merkel und Obama betonten, Russland müsse „sofortige, konkrete Schritte | |
| unternehmen, um die Situation in der Ostukraine zu deeskalieren“. Moskau | |
| müsse seinen Einfluss auf die illegalen Kräfte ausüben, damit diese ihre | |
| Waffen niederlegten. Die USA und die EU würden weitere Sanktionen | |
| vorbereiten, falls Russland sich nicht an die Vereinbarungen halte. Die USA | |
| werfen Moskau seit längerem vor, hinter den Separatisten in der Ostukraine | |
| zu stehen. | |
| Das Außenministerium in Moskau wies die Drohungen als „inakzeptabel“ | |
| zurück. „Es entsteht der Eindruck, dass die Sanktionssprache für Washington | |
| immer mehr die Diplomatie ersetzt“, hieß es. | |
| Parallel zu den Genfer Gesprächen erklärte sich Russlands Präsident | |
| Wladimir Putin bereit zu einem „echten Dialog“. Weder Flugzeuge noch Panzer | |
| könnten die Krise beenden, sagte er bei einem TV-Auftritt. | |
| 19 Apr 2014 | |
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