| # taz.de -- Einreiseverbot wegen Zensur-Vorwurf: Wer und was steckt hinter Hate… | |
| > Die Geschäftsführerinnen der Anti-Hate-Speech-Organisation HateAid dürfen | |
| > nicht mehr in die USA einreisen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu | |
| > dem Fall. | |
| Bild: HateAid wurde 2018 gegründet, um Betroffene von Hassrede im Netz psychol… | |
| „Es gibt ein Recht auf freie Meinung. Aber keins auf Hass“, so beginnt die | |
| Organistation HateAid ihren Profiltext auf der Social-Media-Plattform | |
| Instagram. | |
| Die beiden Geschäftsführerinnen der Organisation, Anna-Lena von Hodenberg | |
| und Josephine Ballon, wurden nun von der US-Regierung als „radikale | |
| Aktivisten“ eingestuft und [1][mit einer Einreisesperre belegt]. Die | |
| Trump-Administration wirft ihnen „Zensur“ im Internet vor. | |
| Worum geht es bei dem Vorwuf genau und was ist HateAid für eine | |
| Organisation? Die wichtigsten Fragen und Antworten. | |
| Was genau macht HateAid? | |
| HateAid wurde 2018 gegründet, um Betroffene von Hassrede im Netz | |
| psychologisch und rechtlich zu unterstützen. Konkret bietet HateAid | |
| Betroffenen eine emotional stabilisierende Erstberatung an. Bei Bedarf gibt | |
| es weitere spezifische Beratungen, in Ausnahmen auch Prozesshilfe. | |
| Weitere Tätigkeitsfelder der Organisation sind Aufklärungsarbeit, | |
| Monitoring und politische Lobbyarbeit. | |
| Laut eigenen Angaben hat HateAid mittlerweile über 50 Mitarbeiter:innen. | |
| Gibt es ein Beispiel, in dem HateAid tätig geworden ist? | |
| HateAid hat bereits zahlreiche prominente Opfer von Hassrede unterstützt: | |
| zum Beispiel die Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die Grünen-Politikerin | |
| Renate Künast, die ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann. | |
| Wie finanziert sich HateAid? | |
| HateAid finanziert sich durch eine Mischung von privaten und öffentlichen | |
| Förderungen, außerdem durch Spenden und in Prozessen erstrittenen | |
| Schadenersatzansprüchen. | |
| Im Jahr 2024 nahm die Organisation rund 5,8 Millionen Euro ein. 52,4 | |
| Prozent der Einnahmen stammten aus privater Förderung, 22,1 Prozent von | |
| öffentlichen Geldern (die ausschließlich für Betroffenenberatung eingesetzt | |
| werden), 21,8 Prozent durch freie Spenden und 3,1 Prozent aus sonstigen | |
| Quellen, wie Einnahmen aus einer Prozessführung. | |
| Die drei größten Geldgeber sind die Alfred Landecker Foundation, die | |
| Stiftung der Unternehmerfamilie Reimann zur Holocaust-Aufklärung; außerdem | |
| das Bundesjustiz- und das Bundesfamilienministerium. | |
| Wem gehört HateAid? | |
| HateAid ist eine gemeinnützige GmbH. Die Gesellschafter sind laut ihrem | |
| Transparenzbericht die Online-Campaigning-Organisation Campact e.V., | |
| Fearless Democracy e.V., der gegen Hass und Hetze im Netz gründet wurde, | |
| und Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg. Sie halten alle je rund ein | |
| Drittel der Anteile: 33,32 Prozent, 33,34 Prozent und 33,34 Prozent. | |
| Ist HateAid links? | |
| HateAid bezeichnet sich selbst als unabhängig und überparteilich, aber als | |
| „nicht neutral“. „Wir stellen uns entschieden gegen alle, die | |
| Menschenrechte verletzen und unsere Demokratie schädigen“, schreibt die | |
| Organisation auf ihrer Webseite. | |
| Im HateAid-Beirat ist beispielsweise die ehemalige Bundestagsabgeordnete | |
| und stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Nadine | |
| Schön vertreten, außerdem die ehemalige Grünen-Bundestagsabordnete Renate | |
| Künast sowie Brigitte Zypries, ehemalige SPD-Justizministerin. | |
| Auch Udo Di Fabio, ein ehemaliger Bundesverfassungsrichter, der von CDU | |
| vorgeschlagen wurde, ist Mitglied des Beirats. | |
| Warum ist ausgerechnet HateAid ins Visier der Trump-Regierung geraten? | |
| Hintergrund ist der [2][Konflikt zwischen den USA und der EU wegen des | |
| Digital Services Act (DSA)], einem EU-Regelwerk, wonach Plattformen unter | |
| anderem verpflichtet werden, gegen illegale Inhalte – wie Hassrede – | |
| vorzugehen. | |
| Die US-Regierung wirft Brüssel und HateAid vor, die Redefreiheit | |
| einzuschränken und Zensur zu betreiben. | |
| So wurde auch der ehemalige EU-Kommissar für Binnenmarkt und | |
| Industriepolitik, Thierry Breton, mit einem Einreiseverbot belegt. Zu | |
| seiner Amtszeit war er federführend für den DSA verantwortlich. | |
| Wie reagiert die Politik auf das Einreiseverbot? | |
| Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) verurteilte das Vorgehen der | |
| US-Regierung als „nicht akzeptabel“. Auf der Plattform X betonte er, die | |
| Arbeit von HateAid stütze sich auf den DSA, der „von der EU für die EU | |
| demokratisch beschlossen“ worden sei und sicherstelle, dass alles, was | |
| offline illegal ist, es auch online sei. | |
| Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) erklärte, die | |
| HateAid-Geschäftsführerinnen Ballon und von Hodenberg „haben unsere | |
| Unterstützung und Solidarität“. Die Organisation leiste einen „wichtigen | |
| Beitrag dazu, dass Persönlichkeitsrechte auch im digitalen Raum geschützt | |
| werden“. Wenn Betroffene von Hassrede schutzlos blieben, „dann ist der | |
| demokratische Diskurs nicht frei“. | |
| Ballon und von Hodenberg forderten in einer Stellungnahme „ein klares | |
| Signal, dass das Einreiseverbot [3][nicht hinnehmbar] ist. Ansonsten wird | |
| sich keine zivilgesellschaftliche Organisation, keine Politikerin, keine | |
| Forschende und erst recht keine Einzelperson in der Zukunft trauen, | |
| Missstände bei US-Tech-Konzernen anzuprangern.“ | |
| 28 Dec 2025 | |
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| ## AUTOREN | |
| Eva Fischer | |
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