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# taz.de -- Koalitionsklausur in Unterfranken: Mehr Langeweile, bitte!
> Die Koalition sollte sich am Machbaren orientieren, statt große Töne zu
> spucken. Mehr Konstruktivität täte allen momentan ganz gut.
Bild: Die Drei von den Christlichen, die Fraktionsvorsitzenden Matthias Miersch…
Wenn in Unternehmen vom „Teambuilding“ die Rede ist, kann man misstrauisch
werden. Oft geht es nur darum, Konflikte mit gruppendynamischen Spielen
oder einfach nur Saufen zuzuschütten. Auch die Fraktionsvorstände der
schwarz-roten Koalition haben sich zwei Tage Teambuilding verordnet. Man
will Vertrauen schaffen, aber auch Konflikte ansprechen. Nötig ist es.
Derzeit „ampelt“ es nämlich gewaltig in der Koalition, und das freut die
Populisten.
Mit CDU/CSU und SPD regieren zwei Partner zusammen, die im Wahlkampf alles
darangesetzt haben, [1][nicht gemeinsam regieren zu müssen]. Niemand hat
erwartet, dass die drei Parteien sich zum Dreamteam zusammenraufen. Aber
wohl auch nicht, dass sie bereits jetzt anfangen, sich gegenseitig das
Leben schwer zu machen. Dass sich die Unionsfraktion bei der Wahl der
Bundesverfassungsrichter von rechts treiben ließ, ihre Zusagen brach und
[2][eine kompetente Fachfrau desavouierte], hinterlässt eine Wunde bei der
SPD. Teambuilding allein hilft da nicht. Die nächste Verfassungsrichterwahl
wird ein Stresstest. Sie muss klappen.
Funktionieren muss auch die Arbeit an Sachthemen. Die beginnt damit, dass
man realistische Maßstäbe anlegt. Nicht vom „Herbst der Reformen“ reden, …
doch klar ist, dass keiner der vorliegenden Gesetzentwürfe – ob zur Rente
oder zu ukrainischen Bürgergeldbezieher:innen – das ganz große
Reformrad drehen wird. Diese sichern vor allem den Status quo ab. Denn die
meisten Menschen fordern große Umbrüche, solange sie nicht selbst betroffen
sind. Eine Partei, die das Zurück zu „guten alten Zeiten“ propagiert, kommt
derzeit besser an als Parteien, die einen beherzten Schritt nach vorn wagen
wollen.
Das heißt nicht, dass sich die Regierung vor notwendigen Reformen drücken
darf. Aber es spricht viel dafür, erst mal Konzepte zu erarbeiten, als
Ankündigungen in den Raum zu stellen, die die eigenen Anhänger streicheln.
Gerade beim Thema Sozialstaat ist diese Verlockung groß: Der CDU-Basis „CDU
pur“ in Aussicht zu stellen, wie Friedrich Merz es tut. Oder die
schrumpfende SPD-Basis in dem Glauben zu wiegen, dass man darüber sprechen
wolle, auch Privilegierte stärker an der Finanzierung des Sozialstaats zu
beteiligen, wie SPD-Chef Lars Klingbeil andeutete. Solche raunenden
Ankündigungen ohne Substanz bewegen zwar die Gemüter, aber sonst wenig.
Die ungleichen Partner sollten sich darauf konzentrieren, Dinge anzugehen,
bei denen sie sich einig sind: den Sozialstaat zu entbürokratisieren,
sodass die Menschen Pflegehilfe auf einen Klick und Arzttermine ohne
Anstehen bekommen. Wenn der „Geist von Würzburg“ das Bekenntnis zu einem
konstruktiven Arbeitsmodus ist, hätten Union und SPD schon etwas erreicht.
Klingt langweilig. Aber mehr Langeweile täte nicht nur der Koalition,
sondern der ganzen Gesellschaft ganz gut.
28 Aug 2025
## LINKS
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## AUTOREN
Anna Lehmann
## TAGS
Schwarz-rote Koalition
Sozialstaatsreform
GNS
Bundesregierung
Podcast „Bundestalk“
Sozialstaat
Friedrich Merz
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