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# taz.de -- Neue Prognose für Bundestagswahl: Untenrum offen
> Bis zur Bundestagswahl am 23. Februar kann noch viel passieren – vor
> allem bei Kleinparteien. Das ZDF sieht die Linke erstmals wieder bei 5
> Prozent.
Bild: Freude und Hoffnung auf mehr bei den LINKEN
Berlin taz | Es sind nur noch gut vier Wochen bis zur Bundestagswahl am 23.
Februar. Doch deren Ausgang ist weiterhin mehr als offen – vor allem am
unteren Ende der Parteienskala. Das zeigt die [1][am Freitag
veröffentlichte, jüngste Prognose des ZDF-Politbarometers]. Die von der
Forschungsgruppe Wahlen erstellte Umfrage sieht die Linkspartei bei 5
Prozent, würde an diesem Sonntag gewählt. Damit kommt die Linke erstmals
seit Herbst 2023 wieder in den Bereich, der ihr einen Einzug in den
Bundestag über die Zweitstimmen ermöglichen würden.
Die anderen Kleinparteien stuft das ZDF deutlich schwächer ein. Der FDP
gibt die Forschungsgruppe Wahlen weiterhin nur 4 Prozent. Das erstmals
antretende BSW sieht die Prognose sogar bei nur 3 Prozent – das ist der
tiefste Stand seit Gründung der Wagenknecht-Partei und lässt ihren direkten
Einzug fraglich erscheinen.
Die für die Linke günstige Rangfolge der Kleinparteien prognostiziert die
Forschungsgruppe Wahlen aber bisher noch als einziges Institut. Alle
anderen, die in dieser Woche Umfragen veröffentlicht haben, bewerten die
Linkspartei schlechter. Laut YouGov kommt die Linke in der Sonntagsfrage
nur auf 4 Prozent, Forsa sieht sie bei 3. Das konservative
Allensbach-Institut weist die Partei erst gar nicht extra aus und zählt sie
zu „Sonstige“.
Dafür dürfen sich FDP und BSW dort Hoffnung auf ein Überschreiten der
5-Prozent-Hürde machen. Die Liberalen stehen allen Instituten zufolge bei 4
Prozent, nur INSA spricht ihnen 5 Prozent zu. Am stärksten unterscheiden
sind die Vorhersagen für das BSW, welches INSA sogar bei 7 Prozent sieht.
## Koalitionen können an Kleinparteien scheitern
Dabei sind die kleinen Parteien nicht nur für deren Anhänger:innen
interessant. Sie können entscheidend werden für die Bildung der nächsten
Regierungskoalition. Denn je mehr Parteien im Bundestag vertreten sein
werden, desto schwieriger wird es, mit einem Zweierbündnis auf eine
Mehrheit zu kommen, wie ein Blick auf den Koalitionsrechner zeigt.
Laut der Forschungsgruppe Wahlen kämen derzeit sowohl eine schwarz-rote als
auch eine schwarz-grüne Koalition auf eine Mehrheit der Sitze. Eng würde es
für sie allerdings, wenn bei der Wahl zwei der drei Kleinparteien die
5-Prozent-Hürde übersteigen. Das zeigt die jüngste Prognose von INSA, die
FDP und BSW im Parlament sieht. Ihr zufolge reichte es dann weder für ein
Bündnis aus CDU/CSU und SPD, noch für eins der Unionsparteien und der
Grünen.
Auch bei den vier großen Parteien zeigt sich etwas Bewegung in den
Umfragen. CDU/CSU, die lange von allen Instituten deutlich über 30 Prozent
gesehen wurden, liegen in einigen Umfragen mittlerweile sogar knapp
darunter. Dennoch bleiben die Unionsparteien überall mit klarem Vorsprung
stärkste Partei vor der AfD, die von allen bei um die 20 Prozent gesehen
wird.
Bei SPD und Grünen scheint es in den letzten Wochen einen sanften
Aufschwung zu geben. Ein wahlentscheidender Umschwung ist aber bisher nicht
zu erkennen. Nur wenn es der SPD, wie zuletzt von YouGov errechnet,
tatsächlich gelingen sollte, so stark wie die AfD zu werden und
gleichzeitig die Union zu schwächen, hätte das Auswirkungen. Denn dann
würde es nur noch für Schwarz-Rot reichen, Schwarz-Grün kämen dann auf
keine Mehrheit mehr. Wenn die Union wie angekündigt eine Zusammenarbeit mit
der AfD auch nach der Wahl ausschließt, müssten sich dann erneut drei
Parteien für eine Koalition zusammenreißen.
## Weiterer Zuwachs bei der Linken möglich
Für die kleinen Parteien ist derzeit vor allem wichtig, dass sie in den
Umfragen über 5 Prozent gesehen werden. Deshalb ist die Freude bei der
Linken über die jüngste 5-Prozent-Vorhersage groß. Für die
Parteivorsitzende Ines Schwerdtner zeigt der Wert, dass sich die harte
Arbeit auszahlt, wie sie auf taz-Anfrage schreibt.
[2][„Die Linke ist im Aufwind!] Denn wir bleiben konsequent bei den
Anliegen der Menschen.“ Die Partei wolle als Einzige die breite Masse
entlasten. Schwerdtner führt den für die Partei erfreulichen Wert darauf
zurück, dass sie aktuell „so geschlossen und motiviert wie nie“ auftrete.
Nun wolle sie weiterkämpfen und auch die Direktmandate gewinnen.
Bereits [3][beim Bundesparteitag am Wochenende] habe tolle Stimmung
geherrscht, das betonen viele aus der Partei gegenüber der taz. „Den
Aufschwung spürt man überall, auch an den Haustüren, auf den Marktplätzen,
im Umfeld“, sagt auch der Parteivorsitzende Jan van Aken der taz am
Telefon. „Die fünf Prozent sind erst der Anfang. Ich bin mir sicher, das
geht noch weiter.“
Bis auf wie viel Prozent könnte die Linke realistischerweise bis zur Wahl
am 23. Februar noch klettern? „Das ist open-ended“, meint der Vorsitzende
und will sich auf keine Zahl festlegen. „Viele, die die Linke gerne wählen
wollen, sehen jetzt: Meine Stimme wird nicht verschenkt sein, die Partei
wird den Einzug in den Bundestag wieder schaffen.“ Auch unter Menschen, die
die Linke bisher „doof“ gefunden hätten, sehe er jetzt viele Interessierte,
besonders aus aktivistischen Kreisen. „Wir haben einfach wieder einen
anderen Vibe“, so van Aken.
24 Jan 2025
## LINKS
[1] https://www.zdf.de/nachrichten/politik/politbarometer-merz-habeck-100.html
[2] /Bundesparteitag-der-Linken/!6059789
[3] /Bundesparteitag-der-Linkspartei/!6059843
## AUTOREN
Gereon Asmuth
Lotte Laloire
## TAGS
Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
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