| # taz.de -- SPD und die Groko: Ein kleines bisschen mehr Skepsis | |
| > SPD-Linke hadern mit dem moderaten Kurs der neuen Parteispitze in Sachen | |
| > Groko. Der Parteitag wird über den Ausstieg aus der Regierung abstimmen. | |
| Bild: Borjans und Esken nach der SPD-Vorstandssitzung im Willy-Brandt-Haus | |
| Berlin taz | Unter welchen Bedingungen bleibt die SPD in der Regierung? | |
| Diese Frage wird auf dem Parteitag in Berlin vorentschieden. Die SPD möchte | |
| mit der Union laut Leitantrag über mehr Investitionen, wirksamen | |
| Klimaschutz und einen höheren Mindestlohn reden. Im Entwurf des Textes | |
| waren keine Zahlen genannt worden. Doch offenbar wurde dies nach Kritik vom | |
| linken Flügel ein wenig verändert. So heißt es nun, man wolle | |
| „perspektivisch den Mindestlohn auf 12 Euro“ erhöhen. Zudem wird ein | |
| höherer Preis für CO2-Emissione gefordert. | |
| Rote Linien werden aber nicht gezogen, wohl um für Verhandlungen mit der | |
| Union keine zu hohen Hürden zu bauen. Und um die Regierung fortsetzen zu | |
| können. | |
| Die Groko-Skeptiker und Teile der Parteilinken hadern [1][mit diesem | |
| moderaten Kurs.] Thomas Kutschaty, Chef der SPD-Landtagsfraktion in NRW, | |
| warnt davor, zu weich in Verhandlungen mit der Union einzutreten. „Es | |
| darf“, so Kutschaty zur taz, „nicht der Eindruck entstehen, dass die SPD | |
| unbedingt in der Regierung bleiben will.“ NRW stellt fast ein Viertel der | |
| Delegierten – der Landesverband hatte Norbert Walter-Borjans und Saskia | |
| Esken offiziell unterstützt. | |
| Kritisch äußerte sich auch Karl Lauterbach, der seit Längerem für den | |
| Ausstieg der SPD aus der Regierung wirbt. Esken und Walter-Borjans dürften | |
| nicht als Figuren erscheinen, die sich „mit scharfen Worten gegen die Große | |
| Koalition in Ämter wählen lassen und sich danach an nichts mehr erinnern | |
| können“. Lauterbach hatte während der SPD-Wahltour bereits Esken und | |
| Walter-Borjans uneindeutige Haltung zur Fortsetzung der Groko kritisiert. | |
| ## Eine Gratwanderung | |
| Wie schwierig der Kurs der SPD-Linken in Sachen Groko ist, zeigte auch eine | |
| Intervention von Kevin Kühnert, [2][der Parteivize werden will.] Der | |
| Jusochef versuchte nachträglich den Eindruck zu korrigieren, dass er sich | |
| in einem Interview mehr oder weniger mit der Fortsetzung der Groko | |
| arrangiert hatte. | |
| Die Berliner Juso-Chefin Annika Klose sagte der taz, dass sie noch immer | |
| eine Gegnerin der Groko sei, aber der neuen Parteiführung Walter-Borjans | |
| und Esken vertraue. Klose wünscht sich harte Verhandlungen mit der Union | |
| und sieht das trotz des offen formulierten Leitantrags gewährleistet. „Ich | |
| glaube, dass Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans in Verhandlungen ihren | |
| Forderungen treu bleiben werden – anders als andere Parteiführungen.“ | |
| Die designierten Vorsitzenden hatten im SPD-internen Wahlkampf ein 500 | |
| Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm über zehn Jahre, 12 Euro | |
| Mindestlohn sofort und einen CO2-Preis von 40 Euro pro Tonne gefordert. | |
| Kritisch sieht die Parteilinke Hilde Mattheis die Lage. Sie will am Freitag | |
| den Parteitag über den Austritt aus der Groko abstimmen lassen – auf | |
| Grundlage des bisher Erreichten. Mattheis ist Chefin der kleinen linken DL | |
| 21, die auch im linken Flügel eine Minderheit repräsentiert. Es wäre das | |
| erste Mal, dass ein SPD Parteitag einem Antrag der DL 21 folgt. | |
| 5 Dec 2019 | |
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| ## AUTOREN | |
| Stefan Reinecke | |
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