| # taz.de -- Mieter-Vertreter über Mietpreisbremse: „Das Gesetz ist mangelhaf… | |
| > Reiner Wild vom Mieterverein Berlin glaubt nicht an eine Preisdämpfung | |
| > durch die geplante Neuregelung. Die Politik wolle sich nicht mit der | |
| > Vermieterlobby anlegen. | |
| Bild: Schön saniert und schön teuer | |
| taz: Herr Wild, die Mietpreisbremse soll [1][reformiert werden]. Wird der | |
| Mietenanstieg jetzt begrenzt? | |
| Reiner Wild: Nein, eine wirkliche Preisdämpfung bei Wiedervermietungen wird | |
| es durch diese Regelung nicht geben. | |
| Aber darum müsste es doch in dem Gesetz gehen, das sagt doch schon der | |
| Name. | |
| Richtig, das war die Intention. Die Knappheit auf den Wohnungsmärkten | |
| sollte nicht voll zu Lasten der Mieter gehen. Um eine sozial brisante Lage | |
| durch immer höhere Wiedervermietungspreise zu vermeiden, sollte eine Bremse | |
| eingeführt werden. Die Erfolglosigkeit dieses Versuches wegen eines | |
| mangelhaften Gesetzes ist aber offensichtlich. Zum einen steigt das Niveau | |
| der Wiedervermietungsmieten weiter deutlich an, was auf die vielen | |
| Ausnahmen in dem Gesetz und die Vermieterverstöße zurückzuführen ist. Zum | |
| anderen setzen Mieter zu selten ihre Rechtsansprüche um und vermeiden in | |
| der schwierigen Marktsituation den Streit mit dem Vermieter. | |
| Die Hauptprobleme des Gesetzes werden nicht angegangen? | |
| Die Ausnahmen, die das Gesetz wirkungslos machen, bleiben bestehen. Wenn | |
| die Vormiete über der ortsüblichen Vergleichsmiete zuzüglich zehn Prozent | |
| liegt, darf die Mietpreisbremse auch künftig weiter überschritten werden. | |
| Jede Umgehung der Mietpreisbremse, von denen es zahlreiche gab, sorgt also | |
| dafür, dass Vermieter bei einer Neuvermietung wieder den überhöhten | |
| Mietpreis verlangen können. Der Gesetzgeber hat diese Regelung mit Verweis | |
| auf die Verfassung begründet. Das halten wir für vorgeschoben: Man wollte | |
| sich mit der Vermieterlobby nicht anlegen. Ohne Beseitigung dieser | |
| Ausnahmeregelung und einer Bußgeldandrohung kommen wir nicht zu einer | |
| Dämpfung. | |
| Sehen Sie dennoch Verbesserungen in dem vorliegenden Entwurf? | |
| Ja, es gibt eine neue Transparenz. Will ein Vermieter die ortsübliche | |
| Vergleichsmiete um mehr als zehn Prozent überschreiten, muss er dem Mieter | |
| gegenüber benennen, welche Ausnahmen dies rechtfertigen. Tut er dies nicht, | |
| darf er sich künftig nicht mehr im Nachhinein auf die Ausnahmen berufen, | |
| etwa darauf, dass die Vormiete bereits darüber lag. Wenn Vermieter die | |
| neuen Transparenzansprüche erfüllen, bleibt es weiter bei der Möglichkeit | |
| Mieten über der Mietpreisbremse zu verlangen. | |
| Wie bewerten Sie die Begrenzungen der Mietpreissteigerungen nach | |
| Sanierungen? | |
| Die angestrebten Veränderungen sind nicht hinreichend. Es soll eine | |
| Reduzierung der Mieterhöhung nach Modernisierung von elf auf acht Prozent | |
| jährlich der Investitionskosten geben. Das ist bei dem derzeitigen | |
| Zinsniveau überhaupt nicht angemessen. Die Mietsteigerungen nach | |
| Modernisierung werden weiter dramatisch hoch sein. Vermieter werden einfach | |
| das Investitionsvolumen erhöhen. Wir schlagen vier Prozent vor, bzw. eine | |
| Abschaffung dieser Umlagemöglichkeit und eine Integration in das System der | |
| ortsüblichen Vergleichsmiete. Diesen Schritt will die | |
| Bundesjustizministerin mit ihrem Entwurf nicht gehen. Das ist sehr | |
| bedauerlich. | |
| Berlin hat vor einer Woche eine Bundesratsinitiative zum Thema beschlossen. | |
| Was ist daran besser? | |
| Bei der Modernisierung ist eine Kappung bei sechs Prozent vorgesehen. | |
| Zusätzlich soll auf angespannten Wohnungsmärkten die ortsübliche | |
| Vergleichsmiete auch nach Modernisierung nicht um mehr als zehn Prozent | |
| überschritten werden dürfen. Das wäre eine sehr gute Lösung, die auch in | |
| den jetzigen Entwurf der Bundesregierung aufgenommen gehört. Auch sonst | |
| geht Berlin deutlich über Barley hinaus und will etwa die Vormieterregelung | |
| bei der Mietpreisbremse abschaffen. | |
| 6 Jun 2018 | |
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| ## AUTOREN | |
| Erik Peter | |
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