| # taz.de -- Wirtschaftspolitik von Donald Trump: Dekrete gegen den Freihandel | |
| > Präsident Trump wirft anderen Ländern Dumping-Preise vor – und stellt nun | |
| > sämtliche Handelsbeziehungen auf den Prüfstand. Auch Deutschland ist | |
| > davon betroffen. | |
| Bild: Im Visier des Trumpschen Protektionismus: Stahl der Salzgitter AG | |
| Washington/Berlin dpa | US-Präsident Donald Trump riskiert einen massiven | |
| Handelsstreit mit wichtigen Wirtschaftspartnern wie China und Deutschland. | |
| Angesichts des hohen US-Handelsdefizits lässt Trump sämtliche | |
| Handelsbeziehungen zu anderen Ländern überprüfen. Die US-Regierung will | |
| außerdem Dumping-Vorwürfe untersuchen lassen, etwa gegen mehrere | |
| ausländische Stahlproduzenten. Dazu unterzeichnete Trump am Freitag in | |
| Washington zwei entsprechende Dekrete. | |
| Trump wirft Deutschland, China und und anderen Ländern bereits seit | |
| längerem unfaire Handelspraktiken zu Lasten der USA vor. Untersucht werden | |
| sollen nun etwaige Verletzungen von Handelsverträgen. Handelsminister | |
| Wilbur Ross sprach von einem „neuen Kapitel“ in den Handelsbeziehungen der | |
| USA. | |
| Das Handelsdefizit der USA war im vergangenen Jahr noch einmal gestiegen, | |
| und zwar auf 481 Milliarden Dollar. Das bedeutet, dass USA deutlich mehr | |
| Waren importieren als sie in andere Länder exportieren. Um dies zu | |
| finanzieren, bedeutet das zugleich, dass die USA auf einen stetigen Zustrom | |
| von Kapital aus dem Ausland angewiesen sind. Die USA nehmen für sich in | |
| Anspruch, dass sie im Vergleich zu anderen Ländern geringe Hürden für | |
| Einfuhren hätten. | |
| Die Ankündigung kommt nur wenige Tage vor dem ersten Treffen Trumps mit | |
| Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. Das Thema Handel wird eines der | |
| maßgeblichen Gesprächsthemen sein. Trumps Sprecher Sean Spicer sagte, die | |
| angekündigte Untersuchung der Handelsbeziehungen habe nichts mit dem Besuch | |
| des chinesischen Staatschefs zu tun. Trump und Xi werden am 6. und 7. April | |
| in Florida zusammentreffen. | |
| ## Dumping-Vorwürfe gegen Stahlproduzenten | |
| Mit Blick auf das Vorgehen gegen angebliche Dumping-Preise ausländischer | |
| Unternehmen in den USA sagte Trump, Tausende Jobs in den USA seien verloren | |
| gegangen. Diejenigen, die Regeln gebrochen hätten, würden die Konsequenzen | |
| tragen. Ein Thema hat sich die US-Regierung bereits konkret herausgepickt: | |
| Sie sieht Dumping-Vorwürfe gegen mehrere ausländische Stahlproduzenten | |
| bestätigt – darunter auch Salzgitter und die Dillinger Hütte – und droht | |
| mit Strafzöllen. | |
| Die US-Regierung geht von Dumping aus, wenn Produkte unter ihrem „fairen | |
| Wert“ verkauft werden. Handelsminister Ross sagte, eine gründliche | |
| Untersuchung habe ergeben, dass dies in der Vergangenheit bei | |
| Stahlproduzenten aus Österreich, Frankreich, Belgien, Deutschland, Italien, | |
| Japan, Südkorea und Taiwan der Fall gewesen sei. Die Ergebnisse erlaubten | |
| es, Abgaben zwischen 3,62 und 148,02 Prozent des Importwerts zu verhängen. | |
| Insgesamt gehe es im Untersuchungszeitraum 2015 um Einfuhren im Wert von | |
| 732 Millionen Dollar, davon entfalle der größte Anteil, 196,2 Millionen | |
| Dollar, auf Importe aus Deutschland. Salzgitter AG und Dillinger werden | |
| „Dumping-Raten“ von 5,38 und 22,9 Prozent unterstellt. Das ist der | |
| Prozentsatz, um den der Preis nach Auffassung der US-Regierung unter die | |
| Herstellungskosten oder den Einkaufspreis gedrückt wurde. | |
| Das Handelsministerium will den Zoll- und Grenzschutz anweisen, auf Basis | |
| dieser Zahlen Barsicherheiten von den Unternehmen einzutreiben. Diese | |
| Mittel sollen einbehalten werden, bis die Bundesbehörde International Trade | |
| Commission am 15. Mai abschließend über den Fall entscheidet. Sollte das | |
| Verfahren dann eingestellt werden, würde das Geld zurückgezahlt. Mit dem | |
| Vorgehen riskieren die USA einen internationalen Handelsstreit. | |
| ## Gabriel und Zypries reagieren kritisch | |
| Die Bundesregierung kritisierte das Vorgehen und pochte auf Einhaltung | |
| internationaler Handelsregeln. Auch eine Klage vor der | |
| Welthandelsorganisation WTO wird nicht ausgeschlossen. Bundesaußenminister | |
| Sigmar Gabriel (SPD) sieht ein Signal der US-Regierung, „dass sie bereit | |
| ist, amerikanische Unternehmen zu bevorzugen, auch wenn das internationalem | |
| Recht widerspricht“. Der Rheinischen Post sagte er: „Das ist | |
| Protektionismus. Das werden wir Europäer uns nicht bieten lassen.“ | |
| Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sieht den Kurs Trumps als | |
| Belastung für die Weltwirtschaft. „Es ist viel in der Schwebe, es gibt | |
| wenig Planbarkeit. Das ist nicht gut für die Wirtschaft und nicht gut für | |
| langfristige Investitionen“, sagte Zypries der Welt am Sonntag. Versuche, | |
| mit der amerikanischen Seite Gespräche zu führen, seien derzeit schwierig, | |
| auch weil etliche Gesprächspartner fehlten. | |
| Salzgitter und die Dillinger Hütte weisen unterdess die Vorwürfe der | |
| Amerikaner zurück. Auch wenn der US-Markt für Dillinger eine eher begrenzte | |
| Rolle gespielt habe, seien die nun angekündigten Konsequenzen der | |
| US-Regierung „schmerzhaft, da solche Handelsschutz-Maßnahmen, die viele | |
| Länder betreffen, zu Umleitungseffekten der Warenströme in die EU führen | |
| werden“, hieß es in einer Erklärung vom Freitag. Dillinger habe Lieferungen | |
| in die USA bereits eingestellt. Bei Salzgitter hat das US-Geschäft | |
| Unternehmensangaben zufolge einen Anteil von sechs Prozent am Umsatz. | |
| 1 Apr 2017 | |
| ## TAGS | |
| Freihandel | |
| Schwerpunkt USA unter Donald Trump | |
| Export | |
| Stahlindustrie | |
| Protektionismus | |
| BMW | |
| IWF | |
| Lebensmittel | |
| Schwerpunkt USA unter Donald Trump | |
| Freihandel | |
| Schwerpunkt USA unter Donald Trump | |
| Schwerpunkt USA unter Donald Trump | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| Trump und das Handelsdefizit der USA: „Die Kritik an BMW ist reiner Unsinn“ | |
| Der Marktanteil deutscher Autos in den USA ist geringer als umgekehrt. | |
| Trump könnte also ein deutsches Auto kaufen, meint Ferdinand Dudenhöffer. | |
| Treffen von IWF und Weltbank: Moserrunde gegen Trump | |
| In Washington trifft sich bis Samstag die globale Finanzpolitik. Die Tagung | |
| wird zum Kritikmarathon an der US-Regierung. | |
| Wirtschaftliche Lage der Kakaobauern: Die bittere Seite des Süßen | |
| Der Schokoladenpreis sinkt. Die Verbraucher merken davon kaum etwas, doch | |
| die Bauern erhalten weniger Geld für ihre Kakaobohnen. | |
| Trump und die Finanzmärkte: Rhetorische Dollarschwäche | |
| In einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ versuchte der | |
| US-Präsident, verbal den Dollar zu drücken – und lobte die US-Notenbank | |
| Fed. | |
| Alternative zum Freihandelsvertrag TPP: Dann halt doch mit China | |
| Nachdem Donald Trump das transpazifische Freihandelsabkommen abgesagt hat, | |
| suchen die Pazifikanrainer nach einer Alternative. | |
| Kommentar Merkel trifft Trump: Besuch einer Handelsreisenden | |
| Die deutsche Wirtschaft könnte durch Trumps Protektionismus leiden. Merkel | |
| kann ihr helfen – wenn sie Verständnis für US-Positionen zeigt. | |
| Angela Merkel reist in die USA: Hohe Erwartungen | |
| Die Kanzlerin soll das Verhältnis der beiden Länder retten und Strafzölle | |
| verhindern. In ihrem Tross reisen Wirtschaftsvertreter mit. |