| # taz.de -- Flüchtlingsunterbringung: Mitreden heißt nicht mitbestimmen | |
| > Die Bezirke seien bei den 60 Fertighaus-Standorten der sogenannten Mufs | |
| > sehr wohl beteiligt worden, würden aber wohl beteiligen mit entscheiden | |
| > verwechseln. | |
| Bild: Auch auf dem Gelände des früheren Flughafens Tempelhof entstehen Behelf… | |
| Der Senat bestreitet, die Bezirke bei der Auswahl der | |
| Flüchtlingsunterkünfte nicht beteiligt zu haben. „Es gab Kommunikation“, | |
| sagte Senatssprecherin Daniela Augenstein (SPD) nach der Sitzung der | |
| Landesregierung am gestrigen Dienstag, „doch Kommunikation bedeutet nicht | |
| immer, dass es dabei auch Einigkeit gibt“. Die für gestern geplante | |
| abschließende Entscheidung über die geplanten 60 Standorte dieser | |
| „Modularen Unterkünfte für Flüchtlinge“, kurz Mufs, soll nächste Woche | |
| folgen. | |
| Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) hatte vor einer Woche vor | |
| Journalisten die ersten 26 dieser 60 Standorte genannt. Allein 11 davon | |
| lagen in den Ostbezirken Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf. Nicht von | |
| dort, sondern aus dem Bezirk Spandau, der bei der zweiten Hälfte der | |
| Muf-Standorte im Mittelpunkt stehen soll, kam starker Protest. Drei | |
| Stadträte mit CDU-Parteibuch beschwerten sich über eine aus ihrer Sicht | |
| ungerechte Verteilung über die Stadt. Der SPD-Bürgermeister von | |
| Marzahn-Hellersdorf hingehen hatte Verständnis für die Zahl der | |
| Muf-Standorte in seinem Bezirk, die deutlich über der in anderen liegt. | |
| Insgesamt sollen in den Mufs rund 24.000 Flüchtlinge wohnen. | |
| Unabhängig von den konkreten Standorten der Mufs soll der Hauptausschuss | |
| des Abgeordnetenhauses am heutigen Mittwoch rund 680 Millionen Euro für die | |
| Unterkünfte freigeben. Dieser Betrag deckt nach Planungen der | |
| Senatsverwaltung für Finanzen auch die Kosten für 30 Containerdörfer mit je | |
| 500 Flüchtlingen. Dabei handelt es sich im Gegensatz zu den Mufs nicht um | |
| dauerhafte Gebäude – die Mufs halten als Fertighäuser angeblich 40 bis 50 | |
| Jahre –, sondern um Behelfsbauten, die höchstens drei Jahre an der | |
| geplanten Stelle bleiben sollen. Für sie kommen darum auch Grundstücke in | |
| Betracht, für die mittelfristig schon anderes geplant ist. Durch die | |
| verzögerte Senatsentscheidung verschiebt sich auch die bereits für | |
| Donnerstag geplante Bestellung der Mufs und Container um mindestens eine | |
| Woche. | |
| ## Abspracheprobleme | |
| Jenseits von den Abstimmungsproblemen mit den Bezirken hat auch offenbar | |
| nicht ausreichende Kommunikation zwischen den Verwaltungen von | |
| Kollatz-Ahnen und Sozialsenator Mario Czaja (CDU) dazu geführt, dass der | |
| Senat schon aus formalen Gründen die Standortliste nicht schon beschließen | |
| konnte. Gegen Czaja war der Vorwurf laut geworden, er wolle seinen | |
| Wahlkreis Kaulsdorf-Süd/Mahlsdorf in Marzahn-Hellerdorf frei von | |
| Flüchtlingsunterkünften halten. Vizesenatssprecher Bernhard Schodrowski | |
| widersprach dem am Dienstag. „Da gibt es sehr wohl Unterkünfte“, sagte er | |
| und nannte konkret ein entsprechend genutztes Hotel. Angeblich war der | |
| Vorwurf aber kein Thema in der Senatssitzung. | |
| 16 Feb 2016 | |
| ## AUTOREN | |
| Stefan Alberti | |
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