| # taz.de -- Mietenvolksentscheid Berlin: Fehler beheben verboten | |
| > Die Initiative Mietenvolksentscheid darf ihren Gesetzesentwurf nicht | |
| > korrigieren. Nun entscheidet sie, ob sie mit der SPD über ein gemeinsames | |
| > Gesetz verhandeln soll. | |
| Bild: Über 40.000 gültige Unterschriften hatte die Initiative gesammelt | |
| Sie hatten es gut gemeint: Die Initiative für den Mietenvolksentscheid | |
| wollte Änderungen an ihrem Gesetzesentwurf vornehmen, um die Folgekosten | |
| eines möglichen Entscheids zu reduzieren und handwerkliche Fehler | |
| auszugleichen. Doch die Landeswahlleiterin machte diesem Vorhaben einen | |
| Strich durch die Rechnung: In einem jetzt bekannt gewordenen Schreiben vom | |
| 9. Juli lehnt Petra Michaelis-Merzbach einen Großteil der vorgeschlagenen | |
| Änderungen ab. Begründung: Die Änderungen würden zu stark in | |
| „Kernregelungen des Gesetzesentwurfs“ eingreifen; dies sei rechtlich nicht | |
| zulässig. | |
| Damit lehnt die der Senatsverwaltung für Inneres unterstellte Behörde auch | |
| jene Änderungen ab, die auf Kritik aus der Stadtentwicklungverwaltung hin | |
| vorgeschlagen wurden. So sieht der Entwurf etwa vor, dass Eigentümer | |
| unrentabler Sozialwohnungen diese an städtische Wohnungsbaugesellschaften | |
| verkaufen dürfen, auch wenn der Preis dieser Wohnungen deutlich über dem | |
| Verkehrswert liegt. Eine Regelung, die Vermieter statt Mieter begünstigt | |
| und deswegen auf Kritik stieß – diese auszuräumen ist der Initiative nun | |
| nicht mehr möglich. | |
| ## Entscheidung im Parlament | |
| Zumindest nicht, bis der Gesetzesentwurf per Volksentscheid verabschiedet | |
| wurde: Danach kann das Abgeordnetenhaus das Gesetz wie jedes andere auch | |
| ändern. Darauf, sagt der Volksentscheidssprecher Rouzbeh Taheri, vertraue | |
| das Bündnis nun: „Alle Fraktionen haben versichert, dass sie die Änderungen | |
| richtig finden – es gibt also keinen Grund, warum sie diese später nicht | |
| per Abstimmung vornehmen sollten.“ Insofern stelle die Ablehnung kein | |
| großes Problem für die Initiative dar. „Wir teilen zwar die Begründung | |
| nicht. Aber wir werden um diese Frage keinen Streit vom Zaun brechen“, so | |
| Taheri. Gleichzeitig steht die Initiative vor einer anderen, wegweisenden | |
| Entscheidung: Beim Aktiventreffen am gestrigen Dienstagabend sollte | |
| abgestimmt werden, ob das Bündnis offiziell Verhandlungen mit der SPD | |
| aufnimmt oder nicht. Gespräche zwischen Vertretern des Volksentscheids und | |
| führenden Berliner SPD-Politikern gibt es schon seit einigen Wochen. Zur | |
| Tendenz der Initiative in dieser Frage wollte Taheri sich am | |
| Dienstagnachmittag nicht äußern. „Grundsätzlich gilt, dass es uns auf | |
| unsere Inhalte ankommt und nicht darauf, auf welchem Weg wir sie umsetzen“, | |
| sagt der Sprecher. | |
| ## Senat will sich bewegen | |
| Aus Senatskreisen hieß es am Dienstag, man sei in den Gesprächen bisher | |
| „gut vorangekommen“ und würde es bedauern, wenn die Initiative sich gegen | |
| eine Fortsetzung entscheiden würde. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel | |
| (SPD) hatte im taz-Interview unlängst versichert, der Senat werde sich auf | |
| die Initiative zu bewegen. | |
| Ein Kernanliegen des Volksentscheids, nämlich die Umwandlung der | |
| landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften in Anstalten öffentlichen Rechts, | |
| wodurch diese nicht mehr gewinnorientiert arbeiten dürften und außerdem | |
| mehr Mitbestimmung für die Mieter möglich wäre, hat der Senat bisher | |
| allerdings stets als rechtlich nicht machbar zurückgewiesen. | |
| 28 Jul 2015 | |
| ## AUTOREN | |
| Malene Gürgen | |
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