| # taz.de -- Diplomatie oder Nötigung?: USA wollen andere Länder zu Einwanderu… | |
| > Die US-Regierung hat Diplomaten angewiesen, bei EU-Regierungen für | |
| > strengere Migrationspolitik zu werben. Bundeskanzler Merz verbittet sich | |
| > Einmischung. | |
| Bild: Mehr solcher Szenen bald auch in Deutschland? Die US-Einwanderungspolizei… | |
| Die Trump-Regierung hat [1][den Anschlag auf zwei | |
| Nationalgardist:innen] am Mittwoch in Washington, mutmaßlich durch | |
| einen aus Afghanistan stammenden Mann, zum Anlass genommen, um ihre | |
| ausländerfeindliche Migrationspolitik weiter voranzutreiben. Inzwischen | |
| erlag eine Soldatin ihren Verletzungen. Bereits vor dem Angriff war bekannt | |
| geworden, dass die Trump-Regierung über US-Auslandsvertretungen, unter | |
| anderem in EU-Ländern, Einfluss auf deren Migrationspolitik nehmen will. | |
| US-Präsident Donald Trump verkündete am Donnerstag, dass die USA die | |
| Bearbeitung von Einwanderungs- und Asylanträgen von Menschen aus | |
| Entwicklungsländern dauerhaft aussetzen würden. Zuvor hatte die | |
| amerikanische Heimatschutzbehörde DHS bereits angekündigt, Tausende in den | |
| USA lebende Migranten aus 19 Ursprungsländern einer erneuten Prüfung zu | |
| unterziehen. | |
| Trump und dessen Unterstützer sehen in der Einwanderung keinen Gewinn für | |
| die US-Gesellschaft, sondern eine Belastung. Sie müsse deshalb eingedämmt | |
| oder komplett gestoppt werden müsse. Sein Wahlversprechen, während seiner | |
| Amtszeit die größte Massenabschiebung in der Geschichte der USA | |
| durchzuführen, unterstreicht dies nur. | |
| Doch wie die New York Times jüngst berichtete, will die US-Regierung nicht | |
| nur im eigenen Land Menschen gegen Ausländer:innen aufhetzen. Wie aus | |
| einem internen Dokument des US-Außenministeriums hervorgeht, sollen | |
| amerikanische Diplomaten andere Regierungen vermehrt auf die „negativen | |
| Auswirkungen“ von Massen-Einwanderung aufmerksam machen und [2][härtere | |
| Einwanderungsbestimmungen] fordern. | |
| Diplomaten sollen mit den Regierungen ihrer Gastgeberländer regelmäßig in | |
| Kontakt treten, um die Bedenken der USA „hinsichtlich der von Personen mit | |
| Migrationshintergrund verübten Gewaltverbrechen zum Ausdruck zu bringen“. | |
| Auch wird in der Depesche davon gesprochen, dass die durch Ausländer | |
| verübten Gewalttaten den sozialen Zusammenhalt und die öffentliche | |
| Sicherheit in den jeweiligen Ländern gefährden würden. | |
| Es sind alles Aussagen, die so eins zu eins auch auf Trumps „Truth | |
| Social“-Kanal oder auf einer rechtspopulistischen Plattform stehen könnten | |
| und dies zum Teil auch tun. Ziel sei es, eine breite Unterstützung unter | |
| westlichen Regierungen zu schaffen, um durch politische Reformen die | |
| Migrationszahlen zu reduzieren und mehr Menschen abzuschieben. | |
| ## Einflussnahme auf Innenpolitik anderer Staaten | |
| Die Anordnung des US-Außenministeriums an ihre diplomatischen Vertretungen | |
| ist eine drastische Ausweitung der amerikanischen Einflussnahme auf die | |
| Innenpolitik anderer Nationen. | |
| Die Diplomaten sollen zusätzlich zu den Regierungs-Gesprächen auch Berichte | |
| über von Migranten verübte Gewalttaten und die Reaktionen von Regierungen | |
| anfertigen. Dort sollen auch alle politischen Maßnahmen aufgeführt werden, | |
| „die Migranten unangemessen auf Kosten der einheimischen Bevölkerung | |
| bevorzugen“. | |
| Zu glauben, dass die USA ihre politische, militärische und wirtschaftlich | |
| Macht noch nie dazu eingesetzt hätten, die politischen Verhältnisse | |
| innerhalb anderer Länder zu beeinflussen, wäre naiv. Doch in der modernen | |
| Außenpolitik, besonders zwischen Verbündeten, ist solch ein klar | |
| definiertes Ziel zur innenpolitischen Stimmungsmache ein Novum. | |
| Die Depesche, die an Botschaften, Auslandsmissionen und Konsulate in | |
| Europa, Kanada, Australien und Neuseeland ging, enthält auch diverse | |
| rassistische und islamfeindliche Aussagen, die den Diplomaten als Vorlagen | |
| für ihre Gespräche mit Regierungsvertreten dienen soll. | |
| ## Warnung vor radikalem Islam | |
| Neben der Assoziation, dass Massen-Migration zu einer Erhöhung der | |
| Sexualstraftaten und dem Zusammenbruch des Rechtsstaats führen könnte, | |
| warnt die US-Regierung auch vor einer der Verbreitung des radikalen Islam. | |
| Dies würde zu einem Anstieg „antisemitischer und antichristlicher Vorfälle�… | |
| führen. | |
| Für diese Mutmaßungen gibt es von Seiten des Außenministeriums allerdings | |
| keine Beweise, die diese Aussagen untermauern würden. Jüngste | |
| Untersuchungen in den USA haben sogar gezeigt, dass die Chance, dass ein | |
| Migrant im Gefängnis landet, um 30 Prozent kleiner sei als die eines weißen | |
| in den USA geborenen Staatsbürgers. | |
| ## Merz: „Migrationspolitik ist unsere Sache“ | |
| Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich derweil eine Einmischung der | |
| USA in die deutsche Migrationspolitik verbeten. „Da brauchen wir keine | |
| Ermahnungen von außerhalb“, sagte er am Donnerstag. „Die Migrationspolitik | |
| ist unsere Sache und die entscheiden wir so, wie wir sie für richtig | |
| halten“, so Merz weiterhin. „Und wir sind gerade in der Bundesrepublik | |
| Deutschland seit dem Regierungsprozess auf dem richtigen Weg.“ | |
| Die US-Regierung bleibt mit dieser diplomatischen Depesche ihrer | |
| Anti-Migrations-Linie treu. Ob andere westliche Länder und Verbündete, | |
| darunter Deutschland, sich davon beeinflussen lassen, bleibt abzuwarten. | |
| Mit dem Thema Migration hat die Trump-Regierung jedoch den Nerv der Zeit | |
| getroffen. In vielen westlichen Ländern ist der Umgang mit Migration zu | |
| einem der größten gesellschaftlich und politischen Herausforderung | |
| geworden. | |
| Mit Agenturmaterial | |
| 28 Nov 2025 | |
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| ## AUTOREN | |
| Hansjürgen Mai | |
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