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# taz.de -- Kinderbuch-Neuerscheinungen: Einstürzende Saurier und Zahnspangen …
> Folgenschwere Missgeschicke, ein Vampir-Mädchen, das nicht auffallen
> möchte, und riskante Mutproben unter Freunden sind die Themen neuer
> Kinderbücher.
Bild: Von Mutproben und Dinomuseen: Illustration aus „Kolossale Katastrophen�…
Das Berliner [1][Naturkundemuseum] zählt zu den meistbesuchten Museen der
Stadt. Schon vormittags bilden sich hier lange Besucherschlangen vor dem
Eingang. Schul- und Kitagruppen sammeln sich aufgeregt, um beim Eintreten
sogleich auf die Attraktion des Hauses, das größte rekonstruierte
Dinosaurierskelett der Welt, zu treffen.
Dieses imposante Setting inspirierte die in Berlin geborene Illustratorin
Hannah Brückner zu „Kolossale Katastrophe“, einer turbulenten
Bilderbuchgeschichte. Die handelt von einem Ausflug ins „Dinomuseum“. Doch
für Juri droht der Besuch unerwartet in einem riesigen Schlamassel zu
enden.
Es ist bereits kurz vor Feierabend, als der Junge an der Hand des Vaters
noch durch die große Ausstellungshalle schlendert. Als sie zu dem
[2][gigantischen „Brachiosaurus“] kommen, fliegt unerwartet etwas
Lebendiges durch die Luft. Es ist der kleine, hellblaue Wellensittich aus
der Museumsgarderobe, der haarscharf über ihre Köpfe hinwegsaust.
## Das Dinosaurierskelett stürzt ein
Juri erschrickt furchtbar und weicht mit einem Satz nach hinten aus. Dann
wirbeln plötzlich Knochen in allen Größen durch die Luft und türmen sich
auf dem Museumsboden zu einem riesigen Berg. Mit offenem Mund verfolgen die
Umstehenden sprachlos die Tragödie.
Hannah Brückner hält diese aufregenden Momente in sanften Pastellfarben
fest. Mit feinen Linien, präzise und zugleich zerbrechlich, skizziert die
Illustratorin den Ort des Geschehens mit all seinen außergewöhnlichen
Exponaten. So lassen sich auf den Seiten neben den prominenten
Dinosaurierskeletten allerlei versteinerte Fossilien oder Käfer und
Schmetterlinge in Vitrinen entdecken.
Trotzdem unterscheidet sich Brückners Bilderbuch deutlich von anderen
Dinosaurierbüchern, weil es ebenso davon handelt, was Juri nach dem
Missgeschick im Museum empfindet und wie es danach für ihn weitergehen
kann. „Du glaubst wahrscheinlich sogar, es wird nie wieder gut. Du wirst
ganz leise und stumm.“
Mit wenigen Zeilen und aus den Trümmern des eingestürzten Brachiosaurus
entwickelt die Illustratorin eine fantastische Geschichte, die Mut macht
und aus der hoffnungslosen Situation einen Ausweg aufzeigt. Das
verblüffende Ergebnis lässt sich auf einer aufklappbaren Doppelseite
bestaunen.
## Geschichte eines Vampir-Mädchens
Mit einem Schlag kompliziert wird es auch in Karlas Leben, als ihr der
erste Fangzahn wächst. Der Kindercomic „Der Zahn“ erzählt von dem
kontrastreichen Alltag eines Vampir-Mädchens zwischen „normaler“ Schule und
gruftigem Elternhaus. Keine ihrer Schulfreundinnen ahnt bislang etwas von
diesem Doppelleben. Doch der auffällige neue Zahn sorgt bei Karla für
höchste Verunsicherung, und Alina posaunt auf dem Pausenhof laut in die
Runde: „Vielleicht brauchst du eine Zahnspange?“ Schon bald überschlagen
sich für die junge Vampirin die Ereignisse.
„Der Zahn“, ihre erste längere Comicgeschichte, illustriert Ayşe Klinge in
Buntstift mit kräftigem Strich und entwirft eine Storyline mit humorvollen,
dynamischen Szenen, deren lebendige Charaktere aus wachen Augen blicken.
Ein bisschen erinnert Karlas strenge Mutter in schwarzem Gewand an Morticia
aus der Fernsehserie [3][„The Addams Family“.] Mit dem ersten Fangzahn ist
für Walpurga nun der Zeitpunkt gekommen, um ihre Tochter endlich auf die
traditionsreiche Vampir-Akademie zu schicken. Doch Karla möchte die
Freundschaften zu den vertrauten Mitschüler*Innen nicht aufgeben, nicht
zuletzt, weil sie sich neuerdings sehr gut mit der schüchternen Mila
versteht.
Gemeinsam zeichnen sie nachmittags Comics von Girl-Groups oder Werwölfen.
Allerdings fürchtet Mila sich vor Vampiren. Besonders seit Niklas, ihr
Freund und Nachbar, einen von ihnen mit wehendem Umhang abends am Fenster
vorbeifliegen sah. Und bei dem Klassenausflug ins Gruselkabinett hatte
ausgerechnet Karlas erfolgloser Vampir-Onkel Victor Mila fast zu Tode
erschreckt. Von den Mitschülerinnen Alina und Emmi wird die ängstliche
Außenseiterin deshalb immer wieder gemobbt.
Zu Hause weiß nur Karlas Großvater von all diesen Sorgen. Auch er war in
seiner Jugend einst mit einem Menschen befreundet, deshalb unterstützt er
heimlich die Enkelin.
## Eifersucht, Verunsicherung oder Verbundenheit
Mit vielen witzigen Details aus der Welt der Vampire erweckt Ayşe Klinge in
„Der Zahn“ das klassische Grusel-Genre zu neuem Leben. Auf 224 Seiten
entwickelt die Comic-Autorin in glaubwürdigen Dialogen und über
verschiedene Handlungsstränge eine überraschende Geschichte über das
Anderssein. Unverkrampft und ganz nebenbei streift sie dabei große Themen
und verhandelt aus einer altersgerechten Perspektive Erlebnisse von
Eifersucht, Verunsicherung oder Verbundenheit.
Auch in dem Roman „Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten
Ideen“ werden Eifersucht und Rivalität zu starken Gefühlen, die Bent und
Juris Freundschaft auf gefährliche Weise zu beschädigen drohen. Die
Elfjährigen leben in einem kleinen niederländischen Dorf zwischen Poldern
und Deichen. Täglich treffen sie sich dort in den Gassen, an der Zugbrücke
oder dem Kanal. Fast immer passiert dann etwas Lustiges oder Spannendes.
„Traust du dich?“ Mit dieser Frage forderte Juri seinen Freund dann
erstmals vor zwei Monaten auf, heimlich am Brückenwärterhäuschen vorbei
über das hohe Geländer zu balancieren. Seitdem gehören Mutproben auf den
Streifzügen zu ihren Routinen.
## Der Mutige und der Schüchterne
Einfühlsam schildert Herman van de Wijdeven die inneren und äußeren
Ereignisse der Erzählung aus der Perspektive von Bent. Der lebt mit seiner
Mutter allein, und die Stimmung ist bei ihnen oft etwas bedrückt. Auf
keinen Fall möchte er ihr Kummer bereiten. Ein ganz anderer Typ ist sein
bester Freund Juri, manchmal aufbrausend und viel mutiger als Bent. Juri
ist es gewohnt, als Erster vorauszugehen.
Als zu Beginn des Schuljahres ein Neuer in ihre Klasse kommt, versteht Bent
die Welt nicht mehr. Finn, ein blasser Junge mit hoher Stimme, wird in die
erste Reihe neben Juri gesetzt. Sofort scheinen die beiden sich prächtig zu
verstehen. Immer deutlicher fühlt sich Bent bald in der neuen
Dreierkonstellation von seinem besten Freund zurückgesetzt und verraten.
„Ich will das nicht, dachte ich, ich will das wirklich nicht. Ich hätte nie
mitgehen sollen.“ Doch die quälende Eifersucht macht es dem Jungen
unmöglich, sich Juris immer extremeren Mutproben und Machtspielen zu
entziehen.
„Gestern“, „Heute“, „Vor zwei Monaten“ oder „Letzte Woche“ tite…
Romans. Herman van de Wijdeven erzählt von den dramatischen Entwicklungen
dieser Freundschaft nicht chronologisch, sondern springt zwischen den
Ereignissen vor und zurück. Wie Puzzleteile fügen sich die einzelnen
Szenen wirkungsvoll zu einem komplexen Ganzen. Damit gelingt dem
niederländischen Jugendbuchautor das große Kunststück, das vielschichtige
Porträt des Konflikts vor dem Hintergrund einer Landschaft in ein
atemraubendes Abenteuer zu verwandeln.
8 Jul 2025
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## AUTOREN
Eva-Christina Meier
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