| # taz.de -- Urteil zur Parteienfinanzierung: Ein teurer Sieg | |
| > Die Parteien müssen nach einem Gerichtsurteil viel Geld zurückzahlen. Ein | |
| > uneigennütziger, weil teurer Sieg der Opposition. | |
| Bild: Grüne, FDP und Linke haben die Klage gegen die Erhöhung der Parteienfin… | |
| Die [1][Erhöhung der Parteienfinanzierung] von 2018 verstieß gegen das | |
| Grundgesetz, weil sie unzureichend begründet war. Dieses Urteil des | |
| Bundesverfassungsgerichts haben Abgeordnete von FDP, Grünen und Linken | |
| erreicht. Die Kläger:innen haben damit einen ziemlich uneigennützigen | |
| Erfolg erzielt. Zwar können sie das Urteil politisch nutzen und der | |
| [2][damaligen Großen Koalition] eine Selbstbedienungsmentalität | |
| unterstellen. Allerdings profitierten von der [3][Erhöhung der | |
| Staatszuschüsse] ja alle Parteien gleichermaßen, also auch FDP, Grüne und | |
| Linke. Und nun müssen auch alle Parteien gleichermaßen zurückzahlen. Ein | |
| teurer Sieg also, der aber zeigt, dass Oppositionskontrolle funktioniert. | |
| Die Bundestagsverwaltung kann jetzt rund 100 Millionen Euro von den | |
| Parteien zurückfordern und sollte dies auch tun. Denn für Vertrauensschutz | |
| ist hier kein Raum. Dass die Erhöhung der Staatszuschüsse wacklig ist, war | |
| nach Erhebung der Klage allgemein bekannt. Alle großen Parteien haben auch | |
| darauf verzichtet, die zusätzlichen Gelder auszugeben und diese stattdessen | |
| zurückgelegt. Dementsprechend trifft sie die kommende | |
| Millionen-Rückforderung auch nicht existenziell. | |
| Eine andere Frage ist, wie das Parlament selbst mit dem Urteil umgehen | |
| sollte. Immerhin haben die Richter:innen Mehrbedarf für Urwahlen und | |
| Aktivitäten in sozialen Netzwerken grundsätzlich anerkannt. Es ist daher | |
| nicht anrüchig, wenn die Fraktionen für die Zukunft einen neuen, besser | |
| begründeten Anlauf unternehmen. | |
| Theoretisch könnte die Begründung für die erhöhten Staatszuschüsse sogar | |
| rückwirkend nachgebessert werden. Doch das wäre bedenklich. Denn politische | |
| Kommunikation, die in den letzten vier Jahren aus Geldmangel unterblieb, | |
| kann ja nicht einfach nachgeholt werden. | |
| Sieger ist am Ende wieder einmal das Bundesverfassungsgericht. Es hat sich | |
| als Wächter profiliert, ohne den Parteien ernsthaft zu schaden. Die Politik | |
| muss mal wieder eine Ehrenrunde drehen, bekommt mit etwas Verspätung aber | |
| doch, was sie vermeintlich braucht. | |
| 24 Jan 2023 | |
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| ## AUTOREN | |
| Christian Rath | |
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