| # taz.de -- Trumps Angst-Strategie: Biden in Bedrängnis | |
| > Trump schiebt die Unruhen den Demokrat*innen in die Schuhe. Sein | |
| > Herausforderer Biden antwortet mit gemäßigten Tönen. Damit überzeugt er | |
| > niemanden. | |
| Bild: Sieht so ein Linksradikaler aus? Für Trump schon. Sein Herausforderer Bi… | |
| Was US-Präsident Donald Trump derzeit in der Krise um Polizeigewalt und | |
| Rassismus vollführt, ist kaltes Kalkül. Zwei Monate vor der Wahl glaubt | |
| Trump, die Lösung für seine Wiederwahl gefunden zu haben: [1][die Angst vor | |
| Chaos und Plünderungen, die er den Demokrat*innen in die Schuhe schiebt]. | |
| Denn die seien Linksradikale und wollten die USA ins Chaos stürzen, wie man | |
| jetzt schon am frei drehenden Mob in den von ihnen regierten Städten sehen | |
| könne. | |
| Das Manöver ist so simpel wie durchschaubar, aber erstaunlich effektiv. | |
| Schon liegt in den Umfragen die Gewalt in den Städten auf Platz 5 der | |
| Sorgen der Bürger*innen – und [2][Herausforderer Joe Biden], obwohl weder | |
| links noch radikal, sieht sich genötigt, jegliche Gewalt zu verurteilen. | |
| Und dabei kann er nur verlieren. Trump wird nicht aufhören, ihn zu | |
| verleumden. | |
| Aber wenn Biden wie am Montag sagt: „Unruhe stiften ist kein Protest“, dann | |
| wissen zu viele, die seit Jahrzehnten die Auseinandersetzungen über | |
| rassistische Polizeigewalt verfolgen, dass das einfach nicht stimmt. Wer | |
| würde heute noch den Namen Rodney King kennen, wenn nicht nach dem | |
| skandalösen Freispruch der Polizisten, die ihn zusammengeschlagen hatten, | |
| im Jahr 1992 tagelang Los Angeles gebrannt hätte? | |
| Und wäre Black Lives Matter je ernst genommen worden, wenn nach dem Tod von | |
| Eric Garner, Trayvon Martin, Freddie Gray, Tony Robinson, Walter Scott, | |
| Tamir Rice, Breonna Taylor, George Floyd und all den anderen stets nur ein | |
| paar Menschen Blumen niedergelegt hätten und zum Abendbrot nach Hause | |
| gegangen wären? | |
| Gewalt ist verabscheuungswürdig, aber gerade in einem so strukturell | |
| gewalttätigen Land wie den USA ist es verlogen, sie ausgerechnet bei den | |
| Protestierenden anzuklagen. Joe Biden weiß das, kann es aber nicht sagen. | |
| Er muss die Causa der Proteste gutheißen, ihre Formen aber verurteilen. Im | |
| Ergebnis überzeugt er niemanden. | |
| Und je mehr er sich von Trump – der gar nicht daran denkt, sich [3][von der | |
| Gewalt] seiner eigenen Anhänger*innen zu distanzieren – vor sich | |
| hertreiben lässt, desto hilf- und planloser wirkt er. Und desto eher läuft | |
| er Gefahr, dass wie 2016 jener linke Flügel nicht zur Wahlurne geht, der | |
| ihn ohnehin nie als Kandidaten wollte. Ohne den aber kann er nicht | |
| gewinnen. | |
| Trumps Kalkül geht auf. Nicht sein fatales Coronamanagement ist das Thema, | |
| sondern die Riots in den Städten. Und nicht er steht unter Druck, sondern | |
| sein Gegner. Auf der Strecke bleibt eine Gesellschaft, die sich immer mehr | |
| gegenseitig bekriegt und Trump noch lauter nach „Law and Order“ rufen | |
| lässt. Es ist perfide. Aber es funktioniert. | |
| 3 Sep 2020 | |
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| Bernd Pickert | |
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