| # taz.de -- Handelsstreit um US-Zölle auf PKW: Deutsche Autobosse im Weißen H… | |
| > VW, BMW und Daimler machen gut Wetter in Washington. Bei Gesprächen mit | |
| > Regierungsvertretern reden sie über Investitionen in den USA. | |
| Bild: Handelsdiplomatie im Weiße Haus | |
| Berlin taz | Es scheint, als würden deutsche Spitzenmanager die | |
| Handelsdiplomatie jetzt selbst in die Hand nehmen: Am Dienstag treffen sich | |
| wichtige Köpfe der deutschen Autoindustrie mit hochrangigen Vertretern der | |
| US-Regierung in Washington. Vorstände von BMW, Daimler und VW werden im | |
| Weißen Haus mit Wirtschaftsminister Wilbur Ross, dem US-Handelsbeauftragten | |
| Robert Lighthizer sowie Donald Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow | |
| sprechen. | |
| „Die Gespräche sind als Austausch zu verstehen, den die US-Administration | |
| angeboten hat“, sagte ein Insider der taz, der nicht namentlich genannt | |
| werden will. „Wir wollen uns Gesprächen nicht verschließen“, sagte er. Den | |
| Kontakt habe der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, hergestellt. | |
| Bei den Gesprächen gehe es um Investitionspläne der Autobauer und die | |
| Rahmenbedingungen dafür. Alle drei Konzerne wollen in den USA investieren. | |
| Auch die Frage drohender Autozölle spiele eine Rolle. Teilnehmen werden | |
| VW-Chef Herbert Diess und Daimler-Boss Dieter Zetsche. BMW schickt den | |
| Finanzvorstand Nicolas Peter. | |
| Für die deutschen Autobauer steht viel auf dem Spiel. Die Gelegenheit, sich | |
| wichtige Personen im Weißen Haus gewogen zu machen, kommt den Managern sehr | |
| gelegen. US-Präsident Donald Trump droht der Europäischen Union damit, | |
| Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Autos zu erheben. Das würde vor allem die | |
| deutschen Hersteller treffen, weil sie extrem exportorientiert sind. | |
| Zwar [1][verbieten die Regeln der Welthandelsorganisation, willkürlich | |
| Zölle zu erhöhen], Trump hat aber bereits auf eine ganze Reihe von | |
| Einfuhren Zusatzzölle erlassen. Er nutzt dazu ein aus dem Kalten Krieg | |
| stammendes Gesetz, das Zölle zulässt, wenn die nationale Sicherheit in | |
| Gefahr ist. Dazu muss das US-Handelsministerium eine entsprechende | |
| Stellungnahme abgeben. Die liegt seit Kurzem vor. Trump könnte also | |
| jederzeit Autozölle einführen. Er hat angekündigt, so lange darauf zu | |
| verzichten, wie darüber Verhandlungen mit der EU laufen. Diese stecken | |
| zurzeit aber fest. | |
| ## Bundesregierung nicht beteiligt | |
| Die deutschen Autobauer leiden unter der Zollpolitik des US-Präsidenten in | |
| mehrfacher Hinsicht. Als Exporteure aus den Vereinigten Staaten treffen sie | |
| die Zölle, die die USA und China wechselseitig erheben. Nach Angaben des | |
| Verbands der Automobilindustrie (VDA) wird jedes fünfte Auto, das deutsche | |
| Hersteller in Nordamerika produzieren lassen, nach China exportiert. | |
| Deswegen freuen sich die Automanager über die Pause im Handelsstreit | |
| zwischen den USA und China, die [2][am Rande des G20-Gipfels in Argentinien | |
| vereinbart wurde]. Sie drängen auf eine Einigung zwischen der EU und den | |
| USA, weil diese für Deutschland zu den wichtigsten Absatzmärkten gehören. | |
| Die Bundesregierung ist für Verhandlungen über Zollfragen nicht zuständig, | |
| das liegt allein in den Händen der EU. Wegen der [3][großen Bedeutung, die | |
| die Autobranche für die deutsche Industrie] hat, hat sich aber | |
| Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) immer wieder in | |
| Handelsfragen eingemischt. In die Gespräche am Dienstag ist er nicht | |
| involviert. „Die Bundesregierung ist hieran nicht beteiligt“, teilte das | |
| Bundeswirtschaftsministerium mit. | |
| Dass die Regierung hofft, dass die deutschen Autobauer als Eisbrecher bei | |
| den stockenden Verhandlungen mit der US-Regierung in Zollfragen wirken, | |
| wollte der Sprecher nicht bestätigen. „Es ist klar, dass die Manager nicht | |
| die Kompetenz für Verhandlungen haben“, sagte er nur. Auch Bundeskanzlerin | |
| Angela Merkel (CDU) sieht in den Gesprächen keine Nebendiplomatie. Die | |
| deutschen Autobauer seien in den USA große Arbeitgeber, sagte sie. | |
| „Insofern gibt es auch Fragen, die die deutschen Autobauer mit der | |
| US-Regierung behandeln“, sagte sie. | |
| Auch die Autobauer wiegeln ab. Sie stünden in einem engen Austausch mit der | |
| Bundesregierung und den europäischen Handelspolitikern, sagte der Insider. | |
| Den Automanagern sei klar, dass die Kompetenz für Verhandlungen über Zölle | |
| bei der EU liege. „Es geht um einen Austausch, nicht um Entscheidungen“, | |
| betonte er. | |
| 4 Dec 2018 | |
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| ## AUTOREN | |
| Anja Krüger | |
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