| # taz.de -- Journalisten klagen gegen BND-Gesetz: Am Rande geht's um Pressefrei… | |
| > Journalisten klagen beim Bundesverfassungsgericht gegen das BND-Gesetz. | |
| > Es gefährde ihre Arbeit. Doch es geht um mehr. | |
| Bild: Eine Kunstpalme auf dem Gelände des Bundesnachrichtendienstes, aber kein… | |
| Internationale Journalisten sehen sich vom Bundesnachrichtendienst (BND) | |
| bedroht. Sie klagen deshalb beim Bundesverfassungsgericht gegen [1][das | |
| novellierte BND-Gesetz], das dem deutschen Auslandsgeheimdienst die | |
| Befugnis zur globalen Überwachung von Kommunikation gibt. Dies gefährde | |
| insbesondere die [2][Arbeit von investigativen Journalisten]. Tatsächlich | |
| geht es in der Klage aber nur am Rande um die Pressefreiheit. | |
| Das neue Gesetz [3][ist Ende 2016 in Kraft getreten]. Es erlaubt dem BND | |
| die „strategische“ Überwachung von Kommunikation (Telefon, E-Mail, | |
| Messaging) zwischen Menschen, die sich im Ausland befinden. Der BND kann | |
| dazu auf die Datenströme von Satelliten oder an Internetknotenpunkten | |
| zugreifen. Mit Hilfe von Selektoren (Sachbegriffen, E-Mail-Adressen, | |
| Telefonnummern) filtert er potenziell interessante Kommunikation heraus und | |
| überprüft sie näher. Verbindungsdaten darf er sogar ohne weiteres sechs | |
| Monate lang speichern. Die so gewonnenen Daten darf der BND mit anderen | |
| Nachrichtendiensten teilen, auch automatisiert. | |
| Auch wenn die gesetzliche Befugnis neu ist, faktisch macht der BND das | |
| schon seit Jahrzehnten. Bekannt wurde das im Zuge des Skandals um die von | |
| Edward Snowden enthüllte weltweite Massenüberwachung durch den | |
| US-Geheimdienst NSA. Daraufhin hat die Große Koalition die Praxis des BND | |
| aber nicht gestoppt, sondern weitgehend legalisiert. | |
| ## 93-seitige Klage | |
| Gegen diese BND-Novelle klagen nun sechs investigative Journalisten aus | |
| England, den Niederlanden, Slowenien, Mazedonien, Aserbaidschan und Mexiko | |
| sowie die in Frankreich ansässige Zentrale von Reporter ohne Grenzen (ROG) | |
| und ein Menschenrechtsanwalt aus Guatemala. Koordiniert wird die | |
| Verfassungsbeschwerde von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF). Der | |
| Mannheimer Rechtsprofessor Matthias Bäcker hat die 93-seitige Klage | |
| geschrieben. | |
| Zentrales Anliegen der Klage: Das Bundesverfassungsgericht soll | |
| entscheiden, dass der BND auch dann an deutsche Grundrechte gebunden ist, | |
| wenn er Ausländer im Ausland überwacht. Im Kern geht es dabei um die | |
| Fernmeldefreiheit von allen. Bäcker kritisiert, dass die Befugnisse des BND | |
| „fast uferlos“ weit seien. Unter anderem fehlten auch Vorschriften zum | |
| Schutz der Kommunikation von Journalisten und Informanten. Die | |
| Pressefreiheit ist für Bäcker aber nur „ergänzender Prüfungsmaßstab“. | |
| In der Rhetorik der GFF steht der Schutz der Pressefreiheit dagegen ganz im | |
| Mittelpunkt. Das liegt zum einen daran, dass die Klage von zahlreichen | |
| deutschen Journalistenorganisationen unterstützt und wohl auch finanziert | |
| wird. Mit dabei sind neben ROG zum Beispiel die Gewerkschaften DJV und | |
| dju/Verdi sowie das Netzwerk Recherche. Auch für die Öffentlichkeitsarbeit | |
| sind überwachte ausländische Journalisten besser geeignet als etwa | |
| überwachte ausländische Rüstungsmanager. | |
| Die Rhetorik mit der bedrohten Pressefreiheit ist zwar nicht falsch. | |
| Natürlich kann es Einschüchterungseffekte geben, wenn Geheimdienste | |
| weltweit Kommunikation überwachen. Allerdings wäre auch nur wenig gewonnen, | |
| wenn Karlsruhe den BND hier an die Leine legt. Wer als Journalist die | |
| Kommunikation mit Informanten schützen will, müsste sie weiterhin | |
| verschlüsseln. Schließlich gibt es international ja noch viele andere | |
| Geheimdienste, die die Datenströme filtern. | |
| 6 Feb 2018 | |
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| ## AUTOREN | |
| Christian Rath | |
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