| # taz.de -- Parlamentswahl in Rumänien: Sozialdemokraten räumen ab | |
| > Die ehemalige Regierungspartei erhält rund 45 Prozent der Stimmen. Zwei | |
| > rechtsextreme Gruppen verpassen den Einzug ins Parlament. | |
| Bild: Früh übt sich… Stimmabgabe am Sonntag in Bukarest | |
| Berlin taz | Bei der Parlamentswahl in Rumänien hat die Sozialdemokratische | |
| Partei (PSD) 45,09 Prozent der Stimmen erhalten. Für die dem | |
| Staatspräsidenten Klaus Johannis nahestehende rechts-moderate | |
| Nationalliberale Partei (PNL) stimmten nur 19,96 Prozent der Wähler. | |
| Drittstärkste Partei wurde der „ideologiefreie“ neo-liberale Verband Rettet | |
| Rumänien (USR), der 9,26 Prozent der Stimmen verbuchen konnte und erstmals | |
| im Parlament, dem Abgeordnetenhaus und dem Senat, vertreten sein wird. Der | |
| Demokratische Verband der Ungarn aus Rumänien (UDMR) erhielt 6,15 Prozent | |
| der Stimmen. | |
| Den Sprung ins Parlament schaffte auch die mit den Sozialdemokraten | |
| verbündete Allianz der Liberalen und Demokraten (ALDE), die 5,62 Prozent | |
| der Stimmen bekam. Auch die Partei Volksbewegung (PMP), des umstrittenen | |
| früheren Präsidenten Traian Basescu, der sich während des Wahlkampfes als | |
| zukünftiger Premier einer Koalitionsregierung anpries, wird mit 5,22 | |
| Prozent im Parlament vertreten sein. | |
| Ob nun der Chef der Sozialdemokraten Liviu Dragnea Ministerpräsident wird, | |
| ist offen. Staatschef Klaus Johannis hatte angekündigt, der Beförderung | |
| eines Anwärters mit „strafrechtlichen Problemen“ nicht zuzustimmen. | |
| Nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen am Sonntag Abend, hielt sich | |
| Dragnea bedeckt und wollte keinerlei Angaben über den zukünftigen Premier | |
| machen, den seine Partei vorschlagen wird. Trotz der niedrigen | |
| Wahlbeteiligung – von über 18 Millionen wahlberechtigten Rumänen hatten | |
| sich nur knapp 40 Prozent an dem Urnengang beteiligt – zeigte sich Dragnea | |
| von dem Ergebnis beeindruckt, das er als „historisch“ einstufte. Er | |
| erklärte, Rumänien werde seine internationalen wirtschaftlichen und | |
| strategischen Verpflichtungen respektieren und forderte Johannis auf, das | |
| Votum der Wähler zu akzeptieren. | |
| ## Vorstrafe wegen Wahlfälschung | |
| Weniger zurückhaltend zeigte sich ALDE-Chef Calin Popescu Tariceanu, der | |
| zukünftige Koalitionspartner der Sozialdemokraten. Tariceanu erklärte, die | |
| eindeutigen Wahlergebnisse seien auch eine Bestätigung für Dragnea als | |
| angehendem Regierungschef. Tariceanu, der als Vizepremier gehandelt wird, | |
| ist in strafrechtliche Ermittlungen verwickelt, Dragnea ist wegen | |
| Wahlfälschung vorbestraft. Die Kohabitation mit Johannis dürfte schwierig | |
| werden. | |
| Die gute Nachricht nach dieser Wahl ist, dass die beiden | |
| rechtsextremistischen Parteien, Unsere Allianz Rumänien (ANR) und | |
| Vereinigtes Rumänien (PRU), nicht in dem neuen Parlament vertreten sein | |
| werden, das voraussichtlich am 19. Dezember zur konstituierender Sitzung | |
| zusammen tritt. | |
| Die nationalistische und populistische Agitation der Rechtsextremisten | |
| hatten die Sozialdemokraten geschickt in ihre Wahlwerbung integriert und | |
| somit auch das nationalistische Publikum für sich gewinnen können. Falls | |
| Präsident Johannis keine Einwände gegen die von der PSD-ALDE-Koalition | |
| vorgeschlagenen Regierungsmannschaft hat, könnte bereits am 30. Dezember | |
| das neue Kabinett vereidigt werden. | |
| 12 Dec 2016 | |
| ## AUTOREN | |
| William Totok | |
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