| # taz.de -- Altersvorsorge in Bremen: „Die Rente kaputtgeredet“ | |
| > Die Bremer SPD will die Rente zum Wahlkampfthema machen. Dazu hat sie ein | |
| > eigenes Rahmenkonzept entwickelt, das ein deutlich höheres Rentenniveau | |
| > vorsieht | |
| Bild: Rentner aus Sicht der Bremer SPD: Oldie but Goldie mit 50 Prozent Rentenn… | |
| Die SPD Bremen fordert langfristig ein Rentenniveau von über 50 Prozent. In | |
| einem neuen Rentenkonzept hat sie die Riester-Rente kritisiert, deren | |
| staatliche Zuschüsse zugunsten einer Stärkung der gesetzlichen | |
| Rentenversicherung gestrichen werden sollen. „Der Entwurf ist ein Impuls | |
| für die bundespolitische Debatte“, sagt Karl Bronke, | |
| SPD-Landesvorstandsmitglied. Er stellte die rentenpolitischen Forderungen | |
| zusammen mit Sarah Ryglewski vor, die für die SPD Bremen im Bundestag | |
| sitzt. | |
| Erst vor knapp zwei Wochen hatte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles | |
| (SPD) ein deutlich kritisiertes Rentenkonzept vorgelegt, das ein Niveau von | |
| lediglich 46 Prozent des Bruttoeinkommens vorsah. Vor allem dem linken | |
| Flügel der SPD ging Nahles 58-seitiges Konzept nicht weit genug. | |
| In die gleiche Stoßrichtung gehen die Forderungen der SPD Bremen: Sie will | |
| das Rentenniveau „auf deutlich über 50 Prozent des Bruttoeinkommens“ | |
| stabilisieren, die von Rot-Grün eingeführte Riester-Rente auslaufen lassen | |
| und bisher unberücksichtigte Berufsgruppen in die Versicherung einbeziehen: | |
| Langfristig soll die gesetzliche Rentenversicherung eine | |
| „Erwerbstätigenversicherung für alle“ werden – auch Selbstständige, | |
| BeamtInnen, RichterInnen und Abgeordnete sollen einzahlen. | |
| Laut Rentenversicherungsbericht 2015 könnte die Standardrente 2030 bei nur | |
| noch 44,3 Prozent des durchschnittlichen Bruttoeinkommens liegen. Deswegen | |
| sprach sich Ryglewski für die Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung | |
| aus: „Wir haben sie seit Jahren kaputtgeredet. Dabei ist sie krisenfest und | |
| das Beste, was wir haben“, sagt die 33-Jährige. Sowohl Riester-Rente als | |
| auch betriebliche Vorsorge haben laut SPD Bremen enttäuscht: Bei beiden | |
| waren die Kostenbelastungen zu hoch, ebenso die Risiken der Kapitalanlagen. | |
| Dazu hätten nur wenig Förderberechtigte einen Riester-Vertrag | |
| abgeschlossen. | |
| Man könnte nun fragen: Wen interessiert im Bund eigentlich, was die SPD | |
| Bremen macht? Sarah Ryglewski sagt: „Wir diskutieren nicht im luftleeren | |
| Raum.“ Als Bundestagsmitglied engagiert sie sich in der parlamentarischen | |
| Linken, dem mit 90 Mitgliedern stärksten Flügel innerhalb der SPD-Fraktion | |
| des Bundestages. Tatsächlich soll das Konzept zunächst vom Landesvorstand | |
| im März beschlossen werden, zu dem auch die Arbeitsministerin Andrea Nahles | |
| (SPD) kommen soll. Im Mai soll, wenn möglich, der Bundesparteitag das | |
| Konzept annehmen. Auch andere Landesverbände haben Nahles Konzept bereits | |
| in Teilen kritisiert und erweitert. | |
| Aus Sicht von Ryglewski gehört das Thema dringend in den bevorstehenden | |
| Bundestagswahlkampf 2017. Wenn die Rentenversicherung weiter in Richtung | |
| Grundsicherung falle, entstehe „ein Legitimitäts- und Akzeptanzproblem“ in | |
| der Bevölkerung. Man müsse die Dringlichkeit des Themas vermitteln und | |
| fragen: „Was ist euch eure Rente wert?“, so Ryglewski. Die Beantwortung | |
| könne man den WählerInnen überlassen. Schon mit einem leicht erhöhten | |
| Rentenbeitrag um etwa 30 Euro ließe sich viel bewirken. | |
| Darüber hinaus sieht der Entwurf höhere Steuerzuschüsse zur Anhebung des | |
| Rentenniveaus vor. Ebenso hinterfragt die SPD Bremen, was eigentlich sonst | |
| noch alles aus der Rentenversicherung gezahlt werde. Es sei etwa zu | |
| überlegen, ob die Angleichung des Rentenniveaus in Ostdeutschland nicht aus | |
| Steuermitteln gezahlt werden könne und nicht aus | |
| Rentenversicherungsbeiträgen. | |
| 6 Dec 2016 | |
| ## AUTOREN | |
| Gareth Joswig | |
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