| # taz.de -- Japans Urteil zur queeren Ehe: Der lange Weg zu weniger Druck | |
| > Ein Gericht sieht die fehlende Möglichkeit zur Ehe jetzt als | |
| > verfassungswidrig an. Für queere Japaner ist es ein Etappensieg. | |
| Bild: Demo der japanischen LGBT-Community vom dem Gericht in Sapporo am Mittwoch | |
| Den Rückstand bei der Akzeptanz von LGBT-Menschen holt Japan seit einigen | |
| Jahren auf. Inzwischen haben sich mehrere Bürgermeister und Abgeordnete | |
| beider Geschlechter offen zu ihrer Homosexualität bekannt, ohne dass die | |
| Wähler sich von ihnen abgewandt hätten. Viele Städte und Gemeinden erkennen | |
| gleichgeschlechtliche Partnerschaften an, damit die Paare im Alltag weniger | |
| diskriminiert werden. Und vor knapp zwei Jahren brachte die Opposition | |
| einen Gesetzentwurf für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe ein. | |
| Durch all diese Maßnahmen ist das gesellschaftliche Bewusstsein für die | |
| Probleme der LGBT-Community in Japan langsam gewachsen. Dem Trend konnte | |
| sich auch das Gericht in Sapporo nicht entziehen, als es jetzt das | |
| Nichtvorhandensein der Möglichkeit einer [1][Homo-Ehe als | |
| verfassungswidrige Ungleichheit wertete]. | |
| Die Voraussetzungen für die Anerkennung sind eigentlich gut. Der | |
| christliche Moralkodex schlug in Japan nie Wurzeln, auch wenn die | |
| Gesellschaft durch die Amerikanisierung nach dem verlorenen Weltkrieg | |
| sexuell verklemmter wurde. Gleichgeschlechtliche Liebe verstößt gegen kein | |
| Gesetz, es gibt kein Verbot und keine Strafen. Doch Japan ist eine sehr | |
| konformistische Gesellschaft, in der Abweichungen von sozialen | |
| Einheitsnormen nur geduldet werden, wenn sie die Mehrheit nicht stören. | |
| Diesen Druck empfinden [2][viele LGBT-Japaner als so hoch], dass sie im | |
| Verborgenen bleiben oder gar das Land verlassen. | |
| Von der Tolerierung individueller Sexualität bis zur Anerkennung | |
| gleichgeschlechtlicher Ehen ist es ein weiter Weg. Hier ist das Urteil als | |
| historischer Etappensieg zu werten. Allerdings kritisierte die Richterin | |
| nicht den Ehe-Verfassungsartikel, sondern dass die Regierung nicht handelt. | |
| Juristisch steht ihr Urteil eher auf schwachen Füßen. Falls der Oberste | |
| Gerichtshof es jedoch bestätigen sollte, wird die rechtskonservative | |
| Regierungskoalition ihre Ablehnung einer gleichgeschlechtlichen Ehe | |
| tatsächlich überdenken müssen. | |
| 17 Mar 2021 | |
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| ## AUTOREN | |
| Martin Fritz | |
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