| # taz.de -- Geschlechtergerechte Arbeitswelt: Bluten bei der Arbeit? | |
| > Diskussion um „Menstruationsurlaub“ ist keine neue. Der neue Vorsitzende | |
| > der Gesundheitsministerkonferenz ist dagegen, und damit ist er nicht | |
| > allein. | |
| Bild: So hübsch wie hier ist Menstruation im Arbeitsalltag leider meistens nic… | |
| Braucht es bei Menstruationsschmerzen extra freie Tage? Nein, so Andreas | |
| Philippi (SPD). Frauen sollen problemlos krankgeschrieben werden, fordert | |
| der niedersächsische Gesundheits-, Arbeits- und Gleichstellungsminister, | |
| der seit 1. Januar den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz übernommen | |
| hat. Den Vorschlag, Menstruationsurlaub oder Extra-Krankentage einzuführen, | |
| halte Philippi hingegen [1][„für stigmatisierend“.] Damit öffnet er eine | |
| alte Debatte. | |
| Ähnlich wie Philippi sieht es Silke Raab. Sie sitzt im DGB-Bundesvorstand. | |
| Allein die Formulierung „Urlaub“ sei irreführend. Es brauche keine | |
| zusätzlichen freien Tage wegen Menstruationsbeschwerden. Schließlich hätten | |
| die Gewerkschaften lange [2][für das Entgeltfortzahlungsgesetz] gekämpft, | |
| so Raab. Dadurch braucht es bei Krankheit von weniger als drei Tagen nur | |
| dann eine ärztliche Bescheinigung, wenn der Arbeitgeber dies ausdrücklich | |
| verlangt. Außerdem würde Frauen durch zusätzliche freie Tage die Teilhabe | |
| am Arbeitsmarkt nur weiter erschwert, befürchtet Raab. | |
| Um Menstruation auf der Arbeit zu enttabuisieren, fordert der DGB, die | |
| Regelungen zum Entgeltfortzahlungsgesetz so zu ändern, dass Arbeitgeber | |
| grundsätzlich nur noch im begründeten Einzelfall eine Bescheinigung | |
| einfordern dürfen. Zudem müsse klar sein, dass Fehlzeiten nicht zu weniger | |
| Lohn führen. | |
| Allgemein müsse sich der Alltag verändern. Das heißt: auf dem Arbeitsplatz | |
| kostenlose Tampons, Binden, Wärmflaschen oder Heizkissen und Zugang zu | |
| Toiletten. Wichtig sei auch, dass Betriebsräte menstruierenden Personen | |
| unbürokratisch Homeoffice ermöglichen. Auch die Arbeitskleidung müsse | |
| locker geschnitten sein, und es sollte nicht nur helle Hosen geben. | |
| ## Oder doch Sonderurlaub? | |
| Allerdings gibt es auch andere Stimmen zum Menstruationsurlaub. Zuletzt in | |
| Stuttgart. Dort hat die Fraktion „Die Linke SÖS Plus“ im Gemeinderat im | |
| August 2025 den Antrag gestellt. Die Stadt soll drei Tage bezahlten | |
| Sonderurlaub ohne Attest für Beschäftigte der Stadt anbieten. Für | |
| Menstruationsschmerzen existiere keine spezifische Regel im Arbeitsrecht. | |
| Arbeit sei auf eine gleichbleibende Leistung ausgerichtet und damit nicht | |
| auf Leistungsschwankungen durch den Zyklus. | |
| Laut Techniker Krankenkasse sind die Beschwerden bei [3][jeder zehnten | |
| Frau] so stark, dass sie ein bis drei Tage im Monat nicht ihren normalen | |
| Berufsalltag bewältigen kann. | |
| [4][Langfristig reduziere ein Menstruationsurlaub Fehlzeiten und | |
| Krankmeldungen und Arbeitnehmer:innen] seien motivierter, so die | |
| Fraktion „Die Linke SÖS Plus“. Zudem könne es zu einer stärkeren „Bind… | |
| an die Arbeitgeberin Stuttgart“ führen. Funktioniert hat ein ähnlicher | |
| Antrag im Schweizer Parlament der Stadt Freiburg. Dort können Angestellte | |
| der Stadt drei Tage im Monat Menstruationsurlaub nehmen. | |
| Oft werden auch Japan oder [5][Spanien] als Beispiel angeführt: Spanien | |
| führte 2023 als erstes europäisches Land „menstruationsfrei“ für | |
| Angestellte ein. Allerdings hat Spanien ein anderes Sozialsystem und keine | |
| vergleichbare Regel zum Entgeltfortzahlungsgesetz. In Japan gibt es seit | |
| 1947 einen „Menstruationsurlaub“. Taiwan hat 2013 ein ähnliches Gesetz | |
| eingeführt. Dort können Personen allerdings nur drei Tage pro Jahr zu Hause | |
| bleiben und bekommen in dieser Zeit auch nur die Hälfte des Lohns. In | |
| Südkorea müssen Arbeitgeber:innen ihren Beschäftigten einen Tag im | |
| Monat freigeben. | |
| Auch ohne gesetzliche Regel können Unternehmen eine Art Menstruationsurlaub | |
| anbieten. So macht es zum Beispiel die Open Knowledge Foundation (OKF) in | |
| Berlin. Dort heißen die zusätzlichen freien Tage „Menstrual Leave Days“. | |
| Damit wolle man zur „Entstigmatisierung von Menstruation und | |
| menstruationsbedingten Beschwerden beitragen.“ | |
| 8 Jan 2026 | |
| ## LINKS | |
| [1] https://www.stern.de/gesellschaft/regional/niedersachsen-bremen/berufsleben… | |
| [2] https://www.gesetze-im-internet.de/entgfg/__5.html | |
| [3] https://www.tk.de/presse/themen/medizinische-versorgung/ambulante-versorgun… | |
| [4] /Unternehmer-ueber-Menstruationsauszeit/!5916108 | |
| [5] /Frauenrecht-in-Spanien/!5852124 | |
| ## AUTOREN | |
| Jana Laborenz | |
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