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# taz.de -- Zwei Jahre Bündnis Sahra Wagenknecht: Aufstieg und Fall des BSW
> Vor zwei Jahren gründete Sahra Wagenknecht ihre Partei. Zum Jubiläum
> steckt das Projekt in der Krise.
Bild: Beim BSW-Parteitag in Magdeburg im Dezember: Ex-Parteichefin Sahra Wagenk…
Nach dem [1][Bruch der Koalition in Brandenburg] machte die BSW-Gründerin
und -Namensgeberin Sahra Wagenknecht ihren drei abtrünnigen Mitgliedern,
die Partei und Fraktion im Landesparlament verlassen haben, schwere
Vorwürfe. In der Bild-Zeitung sprach sie von „Verrat“ und „Wahlbetrug“.
Nicht das BSW habe die Koalition beendet, „sondern diejenigen, die lieber
mit der CDU Politik gegen das Votum der Mehrheit der Bürger in Brandenburg
machen wollen und offenbar seit Wochen auf einen Bruch hingearbeitet
haben“, versuchte Wagenknecht, Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar
Woidke und seiner SPD den Schwarzen Peter für das Scheitern der Koalition
zuzuschieben.
Woidke hatte [2][am Dienstag erklärt], wegen des „Zerfalls“ der
BSW-Fraktion seien Basis und Mehrheit der deutschlandweit ersten, einzigen
und nun vorläufig letzten rot-lila Koalition nicht mehr gegeben. Er will
jetzt zunächst mit einem Minderheitskabinett weiterregieren, strebt aber
mittelfristig eine Koalition mit der CDU an.
Damit steht die von Sahra Wagenknecht gegründete Partei ausgerechnet zu
ihrem zweiten Geburtstag vor einem Scherbenhaufen. Dabei hatte sie das
Projekt damals noch mit hochtrabenden Zielen gestartet. Die politische
Landschaft wollte Wagenknecht umpflügen und das nach ihr benannte BSW zu
einer „Volkspartei“ machen, tönte sie an jenem bitterkalten 8. Januar 2024
in Berlin.
## Von nun an ging’s bergab
Von diesen Ambitionen ist wenig übrig geblieben. Auf den anfänglichen
Höhenflug folgte der Fall. Der Erfolg bei den drei ostdeutschen
Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg im September 2024
markierte den elektoralen Höhepunkt der Parteigeschichte. Er sollte sich
zugleich als Wendepunkt erweisen. Denn von nun an ging’s bergab.
Die Regierungsbeteiligung in Thüringen, an der Seite von CDU und SPD,
sorgte für Streit zwischen Parteigründerin Sahra Wagenknecht und Katja
Wolf, ihrer Statthalterin in Thüringen. Aber auch die Koalition des BSW mit
der SPD in Brandenburg, die lange eher geräuschlos agierte, enttäuschte die
Erwartungen mancher Wählerinnen und Wähler, die für das BSW gestimmt
hatten. Bei der Bundestagswahl 2025 verlor die Partei in beiden Ländern
Stimmen, die ihr am Ende zum Einzug in den Bundestag fehlten.
Dass Brandenburgs Finanzminister und Vizeministerpräsident Robert Crumbach
[3][dem BSW am Montag den Rücken kehrte], markiert eine weitere Etappe des
Sinkflugs. Im Brandenburger Landesverband herrschte schon seit Wochen
offener Streit. Erst traten vier Abgeordnete aus der Partei aus, wollten
aber weiter in der Landtagsfraktion bleiben. Dann wurden zwei von ihnen
wieder überredet, in der Partei zu bleiben, die anderen beiden nicht.
Der frühere Landeschef Crumbach stritt mit seiner Nachfolgerin Friederike
Benda, die im Juli 2025 die Leitung des Brandenburger BSW übernommen hat
und Parteigründerin Wagenknecht treu ergeben ist. Es sei ein Fehler
gewesen, den Landesvorsitz an Benda abzugeben, sagt Crumbach rückblickend.
Benda ist Mitglied des Bundesvorstands, durch sie regiert Wagenknecht in
den Landesverband hinein.
## Überall steckt der Wurm drin
In Thüringen hatte die dortige BSW-Chefin Katja Wolf den Versuch der Spitze
der Bundespartei, ihr genehme Landesvorsitzende einzusetzen, im April 2025
dagegen erfolgreich abgewehrt. Wohl deswegen hält ihre Koalition mit CDU
und SPD in Thüringen bis heute, auch wenn sie dafür von Wagenknecht und
deren Getreuen regelmäßig scharf kritisiert wird.
Wagenknecht hat sich zwar [4][Anfang Dezember beim BSW-Parteitag in
Magdeburg] vom Bundesvorsitz ihrer Partei zurückgezogen, gibt aber in einer
neuen Grundwertekommission den Kurs der Partei weiter vor. Ihre Vertrauten
Amira Mohamed Ali und Fabio De Masi bilden nun die Doppelspitze. Neuer
Generalsekretär ist Oliver Ruhnert, der früher beim 1. FC Union in der
Fußballbundesliga die Geschäfte leitete. Sie sollen dem BSW neuen Schwung
verleihen, damit es bei den anstehenden Landtagswahlen in diesem Jahr
besteht.
Doch auch in anderen BSW-Landesverbänden steckt der Wurm drin, darunter in
[5][Sachsen-Anhalt], [6][Hamburg] und Bayern. Hinter den Streitigkeiten
stecken oft persönliche Fehden und Animositäten sowie schlichte
Unprofessionalität. Die Konflikte werden aber auch durch die Parteispitze
angefacht, die ihr Profil durch einen Konfrontationskurs schärfen will.
„Koalieren heißt nicht: klein beigeben“, feuerte Wagenknecht ihre Anhänger
im Dezember beim Parteitag in Magdeburg an. Ihre Parteifreunde, die in
Brandenburg und Thüringen mitregieren, kritisierte Wagenknecht dafür, sich
zu sehr der Koalitionsdisziplin zu beugen.
## Thüringen beschwört Verlässlichkeit
Thüringens BSW-Fraktionschef Frank Augsten dagegen betont mit Blick auf das
Desaster in Brandenburg die Verlässlichkeit seiner Partei. Crumbachs
Parteiaustritt habe „keine Auswirkungen auf unsere Regierungsarbeit in
Thüringen“, sagte er. „Die Landesregierung und die BSW-Fraktion sind
handlungsfähig und arbeiten vertrauensvoll zusammen.“ Auch – oder gerade
weil – man mit der Bundespartei oft über Kreuz liegt.
In Brandenburg habe das BSW „das Simpelste von der Welt“ verweigert, „dass
nämlich diese Fraktion weiter zu ihrer gemeinsamen Landesregierung steht“,
sagte SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke am Dienstag bei der
Pressekonferenz, bei der er das Ende seiner Koalition mit dem BSW
verkündete. Die SPD hatte von der BSW-Fraktion eine Art Treueschwur
verlangt, aber nicht bekommen.
Durch die vielen Querelen hat das BSW bei potenziellen Wählerinnen und
Wählern [7][deutlich an Zuspruch verloren]. Bei seiner Gründung im Januar
2024 bescheinigte das Institut Insa dem Projekt noch ein Wählerpotenzial
von 12 Prozent. Bei der Europawahl holte das BSW immerhin 6,2 Prozent, in
Thüringen wenig später bei der Landtagswahl dann sogar stolze 15,8 Prozent.
Bundesweit liegt das BSW jedoch seit Monaten unter 5 Prozent, und auch in
seinen Hochburgen im Osten Deutschlands hat es sich in Umfragen inzwischen
in etwa halbiert.
Wohin die Wähler abwandern, ist unklar – zurück zur Linken, zu den
Nichtwählern, zur AfD? Wagenknecht warnt, das Koalitions-Aus in Brandenburg
werde die Politikverdrossenheit im Land befördern. „Wer so vorgeht, sollte
sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen jedes Vertrauen in die Politik
verlieren“, sagte sie. Sie meinte damit natürlich nicht sich selbst und
ihre Parteispitze – sondern die SPD und die Abtrünnigen, die das BSW
verlassen haben. Schuld sind bei ihr immer die anderen.
8 Jan 2026
## LINKS
[1] /Regierungskrise-in-Brandenburg/!6143218
[2] /Regierungskrise-in-Brandenburg/!6143139
[3] /Brandenburg-Koalition-von-SPD-und-BSW-vor-dem-Kollaps/!6142988
[4] /BSW-Bundesparteitag-in-Magdeburg/!6135794
[5] /Machtkampf-im-BSW-Sachsen-Anhalt/!6132908
[6] /Buendnis-Sahra-Wagenknecht/!6137887
[7] /Umfrage-zur-Brandenburger-Landespolitik/!6137707
## AUTOREN
Daniel Bax
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